Test VR-Brille
: Pico 4 Ultra - echtes Kopfkino

Pico mischt auf dem VR-Markt mit der 4 Ultra mit. Konkurrenz für Meta Quest?
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Pico 4 Ultra. VR und Mixed Reality für Job und Spiel.

Test: Pico 4 Ultra. VR und Mixed Reality für Job und Spiel.

Pico
  • Die Pico 4 Ultra VR-Brille von ByteDance bietet Mixed Reality und ist auf dem VR-Markt konkurrenzfähig.
  • Sie hat einen Snapdragon XR2 Gen 2 Prozessor, 12 GB RAM, 256 GB Speicher und Wi-Fi 7.
  • Das Headset zeichnet sich durch gute Gewichtsverteilung und 2x 32 MP Farb-Durchsicht-Kameras aus.
  • Mixed Reality ermöglicht bis zu 20 virtuelle Fenster, die im 3D-Raum angeordnet werden können.
  • Die Pico 4 Ultra ist besonders für Mixed Reality und Office-Arbeiten geeignet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

VR-Brillen sind mittlerweile dem Dunstkreis der Tech-Nerds entwachsen und werden auch in der Anwenderbreite immer beliebter. Kein Wunder, sind sie doch längst keine reinen Zockermaschinen mehr, sondern auch dank Mixed Reality fast schon alltagstauglich bis hinein in den Home-Office-Bereich.

Pico, Teil des TikTok-Mutterkonzerns ByteDance, kommt nun mit der Pico 4 Ultra daher, die eine Weiterentwicklung der Pico 4 darstellt. Mit dem neuen Set wollen die Chinesen ganz klar die Vormachtstellung vom Meta im Bereich der durchaus günstigen VR-Brillen angehen. Auch deshalb muss sich das Headset immer wieder mit der Quest 3 vergleichen lassen. Hier unser Test.

Wie schon der Vorgänger setzt auch die 4 Ultra auf eine Gewichtsverteilung. Optik und CPU vorn, Akku am anderen Ende des Gesamtpaketes. Somit verteilen sich die knapp 580 Gramm Gewicht fast gleichmäßig, was ein sehr angenehmes Tragegefühl vermittelt.

Über ein Drehrad hinten kann die Gesamtlänge von 256 bis 312 Millimeter stufenlos eingestellt werden. Eine Größenanpassung der Brille selbst, also der Auflage vorn, ist nicht möglich. Hier wird so mancher Kompromisse in Sachen Bequemlichkeit eingehen müssen.

Pico 4 Ultra: Die Key-Fakts

  • Prozessor/Speicher: Snapdragon XR2 Gen 2; 12 GB + 256 GB
  • Optik: 2x 2,56-Zoll-Bildschirm; Auflösung: 2160 × 2160 links + rechts; 1200 PPI (Pixel pro Zoll); 2x Farb-Durchsicht-Kamera mit 32 MP; Display 90 Hz
  • Konnektivität: Wi-Fi 7, Bluetooth 5.3
  • Audio: Zwei Stereolautsprecher; 4 Mikrofone
  • Batterie: Akku mit 5700 mAh; 45 Watt Schnellladung; 2xAA-Batterien je Controller

Keine Zugeständnisse indes sind notwendig, wenn es um die Justierung der Optik geht. Zwischen 58 und 72 Millimeter lässt sich der Pupillenabstand einstellen. Hier wird relativ schnell und einfach ein sehr homogenes Bild erzeugt. Ein Distanzstück für Brillenträger liegt übrigens dem Package bei. Ebenso fix wie die Einrichtung der Optik funktioniert die Gesamt-Inbetriebnahme. Die Pico 4 Ultra ist Plug-and-play. Aufladen, anschalten, Akkus in die Controller einsetzen - fertig. Wer nicht auf den Pico-Store zugreifen will, kann gleich die VR-Welt erkunden, alle anderen müssen noch einen Account anlegen.

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Pico 4 Ultra. WiFi 7, Motion-Tracker und neuer Chipsatz an Bord.

Pico

VR-Headset: Optik mit Licht und Schatten

Projektionsfläche sind LCD-Panels mit jeweils 2160x2160 Bildpunkten, auf die mithilfe von Pancake-Linsen geschaut wird. Das Bild ist farbenfroh, wenngleich LCD-typisch Schwarz eher Grau daherkommt. Dazu sind die Linsen nicht immer frei von Spiegelungen. Dafür bietet das Headset aber eine der besten binokularen Überlappungen überhaupt im VR-Bereich.

Das bedeutet, dass aus dem linken und rechten Display ein sehr homogenes Ganzes entsteht. Angenehm für die Augen auch über einen längeren Nutzungszeitraum. Nicht zuletzt wird dadurch eine sehr gute 3-D-Wahrnehmung gewährleistet. Und auch das Sichtfeld von 105 Grad nach Herstellerangaben trägt positiv zur Gesamt-Bewertung für die Optik bei.

Pico 4 Ultra: Mixed Reality

Dank zweier Pass-Through-Kameras mit je 32 MP sowie einem iToF-Tiefensensor ist die Pico 4 Ultra bestens für Mixed Reality gerüstet. Der Sensor berechnet kontinuierlich durch die Reflexion des ausgesendeten Lasers die räumliche Tiefe und ermöglicht so eine realistische und dreidimensionale Wahrnehmung der Umgebung. In diese lassen sich dann auch virtuelle Gegenstände integrieren, wie umgekehrt reale Gegenstände in die virtuelle Welt "importiert" werden können.

Die Auflösung des Pass Through ist zwar doppelt so hoch wie beim Vorgänger, dennoch ist immer noch ein Bildrauschen vernehmbar. Allerdings fehlen Unschärfen und Verzerrungen bei Bewegungen, zumindest im deutlich vergrößerten Sweetspot. Nicht zuletzt lassen sich nun mit dem Headset nicht nur Spatial-Videos etwa vom iPhone anschauen, sondern selber aufnehmen. Sicher sind die dreidimensionalen Aufnahmen kein Key-Feature, sollte aber nicht unerwähnt bleiben.

Mixed Reality. Bis zu 20 virtuelle Fenster lassen sich im 3-D-Raum anordnen.

Pico 4 Ultra Mixed Reality. Bis zu 20 virtuelle Fenster lassen sich im 3-D-Raum anordnen.

Pico

Mit dem deutlich höherem Arbeitsspeicher lassen sich nunmehr mehrere virtuelle Fenster in der Mixed Reality gleichzeitig öffnen oder mehrere Apps nebeneinander nutzen. Die Fenster agieren dabei im Prinzip wie ein Bildschirm, dessen Größe und Position im Raum, wenn gewollt, 360 Grad angeordnet werden kann. Es wäre also möglich, rund um die reale Arbeitsplatte oder den Schreibtisch, diese Screens zu verteilen und mit jeweils anderen Inhalten zu bestücken, auf die man mit einer einfachen Kopfbewegung optisch Zugriff hätte.

Das ist nicht nur ziemlich cool und beeindruckend, sondern bei vielen Aufgaben auch sinnvoll. Das Maximum von 20 Fenstern allerdings wird wohl eher nicht ausgeschöpft. Inhalte, die virtuellen Screens mit Leben zu füllen jedenfalls gibt es genug. Denn über den Pico-Store hinaus lassen sich Android-Apps problemlos installieren und anwenden. Zudem können Mac- oder Windows-PCs auf die Pico 4 Ultra gespiegelt werden, ebenso die Smartphones.

VR-Brille: Controller und Tracker

Die jeweils mit zwei AA-Batterien betriebenen Controller haben ebenfalls eine Überarbeitung erfahren. Sie liegen gut in der Hand und sind intuitiv bedienbar. Der weiße Tracer macht die Anwendung zudem einfacher als ein Pointer, da er immer zur Quelle, also dem Eingabegerät zurückverfolgbar ist. Vier Knöpfe an der Oberseite plus Analogstick sowie ein Schalter am Griff erlauben die volle Kontrolle über das Headset, ohne den Überblick zu verlieren.

Zusätzlich gibt es die sogenannten Motion-Tracker, die wahlweise an den Füßen oder einem Spielgegenstand wie einem Schwert oder Schläger angebracht werden können. Sie verbinden sich auf Knopfdruck mit der Brille und tragen zusammen mit den Controllern zu einer sehr genauen Positionierung im Raum bei. Ob Tanz-, Sport- oder Fitness-Spiele - die Eingaben kommen ohne Lag daher und sorgen für ein deutlich immersiveres Spielerlebnis.

Pico 4 Ultra: Audio und Akku

Im Bügel der Brille ist jeweils links und rechts ein Lautsprecher verbaut. Der Klang ist wirklich ok. Allerdings sorgt die gewissermaßen offene Anordnung dafür, dass womöglich der nah Dabeisitzende das eine oder andere mitbekommt, z.B. im Flugzeug. Einen Klinkenanschluss für externe Lauscher gibt es nicht, auch kann das Headset nicht via Bluetooth mit Kopfhörern gekoppelt werden.

Zum Akustik-Paket gehören ebenfalls vier Mikrofone, die in der Lage sind, räumlichen Ton aufzunehmen. Die Qualität ist wirklich gut und gar besser als erwartet. All diese Features werden mit dem 5700 mAh starken Akku nicht ganz drei Stunden am Leben erhalten. Dank 45 Watt Schnellladung ist man aber in weniger als einer Stunde schon wieder bei 80 Prozent Power. Um ein Ladegerät allerdings muss sich der User selbst kümmern. Das findet sich nicht im Gesamtpaket.

Pico 4 Ultra. Nahezu perfekte Gewichtsbalance von vorn nach hinten.

Pico 4 Ultra. Nahezu perfekte Gewichtsbalance von vorn nach hinten.

Pico

Pico Headset: Store und Spielebibliothek

Die Spielebibliothek im Pico-Store ist nicht exklusiv für die 4 Ultra. Will sagen, auch Besitzer der Vorgänger-Geräte greifen darauf zu. Es ist also nicht sicher, dass die zur Verfügung stehenden Games für die Ultra angepasst wurden. Oder anders ausgedrückt: Die technisch besseren Möglichkeiten können womöglich noch nicht oder nicht immer genutzt werden.

Darüber hinaus gehört auch zur Wahrheit, dass Meta Quest Besitzern eine deutlich größere Anzahl von Games zur Verfügung steht. Allerdings: Dank PC VR-Streaming lässt sich dieses Manko recht gut ausgleichen, denn nunmehr dient der PC als Quelle, mit dem man z.B. Steam anzapfen könnte und damit eine deutlich größere Auswahl an Games. Wo vorhanden würde WiFi 7 dazu beitragen, dass alles noch einen Tick flüssiger läuft.

Pico 4 Ultra: Zusammenfassung und Vergleich

Ausgestattet mit dem gleichen Chipsatz wie die Meta Quest 3 bringt die Pico 4 Ultra mehr Speicher und bessere Pass-Through-Kameras mit. Das macht sie bei Mixed Reality Anwendung klar der etwa gleich teuren Konkurrenz überlegen. Dazu verfügt sie mit den Motion-Trackern derzeit über ein Alleinstellungsmerkmal, das Full-Body-Tracking und damit völlig neue Spielerlebnisse ermöglicht.

Nicht zuletzt sprechen WiFi 7 und die etwas längere Akkulaufzeit für das VR-Headset aus dem ByteDance-Universum. Auf der anderen Seite ist der Meta-Spiele-Shop üppiger gefüllt und verfügt darüber hinaus über Games, die für die Quest angepasst und zudem individuell skalierbar sind. Und auch, wenn Picos Optik auf dem Papier höher auflöst und die binokulare Überlappungen deutlich besser funktioniert, hat das Meta-Headset in Sachen Bild die Nase vorn.

Die Kaufentscheidung von rund 600 Euro wird also vor allem vom vorrangigen Einsatzzweck abhängig sein. Wer vor allem auf Mixed Reality setzt, Office-Arbeiten mit und ohne PC erledigen will, viele virtuelle Fenster braucht, gern räumliche Videos dreht und ab und an auch mal zocken will, macht mit der Pico 4 Ultra alles richtig.

Pico 4 Ultra - Test-Fazit

Vom TikTok-Mutterkonzern kommt mit der Pico 4 Ultra eine relativ preiswerte und sehr gut ausgestattete VR-Brille, die in Sachen Performance und Mixed Reality derzeit in allen Belangen konkurrenzfähig ist. Auch zu verdanken dem neuesten WiFi-Standard und Chipsatz. Mit den optionalen Motion-Trackern hat sie gar ein Alleinstellungsmerkmal anderen gegenüber, das völlig neue Erlebnisse ermöglicht.

Bewegungsspiele und Anwendungen sowie solche mit Mixed Reality sind die Stärken des VR-Headsets. Mit dem lässt sich auch prima spielen, wenngleich man bei der Breite des Angebots wie auch die optische Umsetzung der Games mitunter Zugeständnisse machen muss.

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