The Farewell: Dramatisch-komische Lebenslüge
Denn in China ist es Tradition, dass man den Todgeweihten über sein Schicksal im Unklaren lässt. Doch Billy, in den USA aufgewachsen, ist längst nicht mehr so vertraut mit den Gebräuchen. Dazu ist sie die Lieblings-Enkelin der betagten Dame. Um die versammelt sich nun die Familie. Eine Hochzeit wird in den Vordergrund geschoben undNai Nai lässt es sich nicht nehmen, die Wedding-Planerin zu spielen. Gerade für Billy ein Ritt auf der Rasierklinge, denn die aufstrebende Schriftstellerin kann weder ihre Gefühle wirklich im Zaun halten noch gut lügen. Für sie wird es vor allem eine Reise zu den Wurzeln ihrer Familie und deren Kultur.
Auf diesem vermeintlichen Widerspruch reitet Filmemacherin Lulu Wang besonders ausgiebig herum. Zum einen ergeben sich daraus natürlich die besten Möglichkeiten, das ernste Thema durchaus auch etwas lockerer anzugehen. Zudem öffnet sich die Handlung damit gen westlicher Sehgewohnheiten, was angesichts der hierzulande schwer nachzuvollziehenden Traditionen notwendig ist, um Verständnis für dieselben zu wecken. Denn die Geschichte ist vom Grundsatz her nicht erfunden, sondern basiert auf tatsächlichen Ereignissen.
So stehen vor allem Billy und Nai Nai im Focus des Geschehens, was den Zwiespalt besonders hervorhebt. Die westlich orientierte junge Dame und die traditionell aufgestellte Seniorin sind wie zwei Wesen aus verschiedenen Welten. Um so sehenswerter, wie sie sich annähern, voneinander lernen und sich am anderen erfreuen. Gleichwohl steuert die Handlung auf einen unausweichlich dramatischen Höhepunkt zu, was von Anbeginn an klar herausgestellt wird. Das lachende und das weinende Auge sind daher ständiger Begleiter während der knapp eineinhalb Stunden Clash der Kulturen.
Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 100 Minuten; Verleih: dcm; Regie: Lulu Wang; Shuzhen Zhao, Awkwafina, X Mayo; CHN 2019


