Urlaub in Bayern: Handgemacht – München einmal anders

Die offizielle Wappenfigur der bayerischen Landeshauptstadt, das Münchner Kindl auf dem 85 Meter hohen Turm des Neuen Rathauses.
München Tourismus, Redline Enterprises- München bietet abseits von Touristenmassen traditionelle Handwerkskunst.
- Carolin Engelhardt kreiert im Atelier in Schwabing einzigartige Dirndl.
- Julius Brandtner ist ein Bio-Bäcker mit schwäbischen Wurzeln in der Altstadt.
- In Haidhausen führen Heigert und Möbs eine Keramikwerkstatt.
- Haderner Bräu, eine Bio-Brauerei, wird von Thomas und Marta Girg geführt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer München hört, denkt vor allem in Superlativen: Oktoberfest - das größte Volksfest der Welt; Bayern München - der mitgliederstärkste Sportverein auf dem Globus; die Eisbachwelle - größte und beste Flusswelle in einer Großstadt überhaupt. Die Aufzählung ließe sich sicher fortsetzen und würde über Architektur, Kultur und Lebensqualität irgendwann beim Selbstbewusstsein unserer südlichen Mitbürger landen.
Wenn es allerdings auch einige Nummern kleiner geht, bleibt München immer noch eine Reise wert. Denn teils abseits von den Massen und großen Touristenströmen bietet die bayerische Landeshauptstadt viel zu entdecken an Besonderem, Liebeswerten, Unerwartetem. Und das kreist alles irgendwie um etwas, was nicht nur in Bayern Tradition und goldenen Boden hat: Handwerk nämlich.
Tradition und Handwerk in einem verbindet beispielsweise Carolin Engelhardt in besonderer Weise. Im berühmten Stadtteil Schwabing findet sich im Souterrain einer Neben-Straße ihr kleines Atelier, das man kennen muss, um es zu finden. "Münchner Dirndl" steht auf dem Schild an der Treppe, was eigentlich alles sagt. Die Münchnerin trägt Tracht, wenn's schick sein soll. Engelhardt verbindet aber Stadt, Geschichte und Kleidung. Denn die klassischen Schnitte sind das eine, das symbolische Bekenntnis zur Heimat etwas ganz anderes. Und so finden sich auf den Röcken Prints von Frauenkirche, Münchner Kindl, Hopfen und Weizen, Skifahrer sowie Gipfelkreuz.
Münchner Dirndl - Tracht trifft auf Heimatliebe
Während die Stoffe noch in Tirol maschinell bedruckt werden, erfolgt die Verarbeitung zum Kleidungsstück per Hand. Und so entstehen am Ende lauter Unikate, gleichwohl jedes Dirndl natürlich einer Mustervorlage folgt. Für Carolin Engelhardt sind ihre Dirndl eine Liebeserklärung an
Tradition und Heimat, die die Käuferin aber natürlich persönlichen Vorlieben noch anpassen kann. Dazu gehört beispielsweise das "Froschgoscherl", eine besondere Verzierung rund ums Balkonett, also dem oberen Abschluss des Mieders. Oder aber frau variiert mit Stoffen zwischen Leinen, Baumwolle und Samt. Da Engelhardts Anspruch der perfekte Sitz ist, wird natürlich nicht von der Stange gekauft. Beratung auch per Video und Anprobe vor Ort sind ein Muss. Ebenso ein Termin für den Besuch im Atelier. Denn klassische Öffnungszeiten gibt es nicht.

Münchner Dirndl. In Carolin Engelhardts Atelier wird die Liebe zu München auf dem Dirndl ersichtlich.
Frank StolleVorbeizuschauen hat noch einen weiteren Vorteil, vor allem für Ortsfremde. Denn die Geschäftsfrau gehört zu den Münchner Viertelliebe-Botschaftern. Also jenen, die ihren Kietz, wie wir es nennen würden, besonders gut kennen. Und so schließt sich mitunter nach der Anprobe noch ein Spaziergang durch Schwabing an, bei dem selbst Carolin Engelhardt von Zeit zu Zeit Neues entdeckt. Aber vor allem viele Insider-Tipps geben kann.
Julius Brantner - Wo die Bayern schwäbisches Backwerk begehren
Sofern man ihn antrifft, sind die auch von Julius Brantner zu erwarten, da der ebenso sein Viertel Altstadt als Botschafter vertritt. Dabei ist der Bäckermeister gar ein (Orts)Fremder, was immer wieder in seinen Ladengeschäften für Verwirrung sorgt. Denn natürlich kennt der die bayerischen Brezen, nur backen tut er sie eben nicht. Als Schwabe kommen beim knapp 30-Jährigen nur Brezeln aufs Blech. Dass der Unterschied mehr als eine Schreibweise ist, erklärt Brantner gern und mit Langmut und lässt dabei Einblicke in die Firmenphilosophie zu. Denn seine (bisherigen) zwei Bäckereien sind defacto Glas-Manufakturen, die dank großer Fenster erlauben, dass die stets bis nach draußen Wartenden mit ansehen können, wie was in den Ofen rein- und später wieder rauskommt.

Julius Brantner (m). Derzeit Münchens In-Bio-Bäcker mit schwäbischen Wurzeln. Die Backstuben sind gläserne Manufakturen.
Frank StolleAlles Bio und nachhaltig obendrein. Denn sollte mal etwas übrigbleiben, wird dieses Brot gehäckselt und wieder im neuen Teig verarbeitet. Das bringe das Aroma der frischen Kruste auch in den Innenteil. Und daher backt man beim Brantner gern mehr als verkauft wird, was an Sonnabenden, wo bis zum letzten Brot geöffnet bleibt, kaum umsetzbar ist. Zu groß der Andrang. Der Schwabe ist mittlerweile fast schon ein Münchner Unikat mit eigenem Auftritt auf Social Media. Neben neuen Erkenntnissen in Sachen Altstadt und Bäckerhandwerk, gibt's also nicht nur was zu sehen, sondern auch zu schmecken und zu riechen. Bäckerei wie früher, das kommt nicht nur bei Boomern gut an.
Keramikwerkstatt Heigert/Möbs - Altes Handwerk neu aufgetischt
Früher ist auch in einem Souterrain in Haidhausen wieder ein Thema, nicht nur, weil der Stadtteil urkundlich betrachtet älter ist als Münchens Wahrzeichen Altstadt. Seit mehr als 30 Jahren wird von Barbara Heigert und Cornelia Möbs traditionelles Handwerk hier am östlichen Isarhochufer neu aufgetischt. Beim Studium haben sich die Frauen kennengelernt und betreiben seitdem gemeinsam eine Keramik-Werkstatt. Echte Handarbeit an der Drehscheibe und mit Ton, in jüngerer Vergangenheit ist Porzellan dazugekommen. Hektische Entwicklungen sind dabei eher weniger das Ding des bayerisch/hessischen Duos. Denn die Steinzeug-Geschirrserien aus der Anfangszeit gibt es heute immer noch. Man wolle den Käufern Langlebigkeit bieten, auch in der Art, dass es stets Stücke nachzukaufen gäbe, erklärt Cornelia Möbs.

Echte Handarbeit. Barbara Heigert und Cornelia Möbs (r.) betreiben seit über 30 Jahren ihre Keramik-Werkstatt.
Heigert/MöbsRund 100 Teile umfasse das Portfolio mittlerweile. Das Wachstum resultiert vor allem aus speziellen Kundenwünschen, die man dann einfach mit dem Namen der Auftraggeber in die Serien aufgenommen hätte. Auch wer nicht gleich eine Komplett-Garnitur mitnehmen will, ist bei den Damen willkommen. Denn sie betreiben ihre Werkstatt bewusst offen, also auch nur zum Zuschauen. Darüber hinaus sind nach Absprache Kurse möglich für all diejenigen, die nicht glauben wollen, dass das, was so leicht aussieht, echte Arbeit und Können verlangt. Und gerade in Zeiten, in denen Deko-Ketten weltweit die gleichen Designs anbieten, könnte bei Heigert /Möbs der Ort sein, an dem Individualisten fündig werden oder womöglich als Namensgeber für neue Teile in die Firmengeschichte eingehen.
Haderner Bräu - Das besondere Bier aus München
Neu ist das, was Thomas und Marta Girg im Südwesten der Landeshauptstadt als Gewerbe betreiben, nun wirklich nicht und schon gar nicht in München. Sie brauen Bier. Allerdings nicht irgendwelches, sondern Bio. Und deshalb ist das "Haderner Bräu" dann doch ein Unikat als erstes seiner Art. Er Biersommelier und seit über 20 Jahren im Braugeschäft, sie Weinsommelier mit ebenso langer Erfahrung in der Bio-Branche. Die Brauerei, im Vergleich zu den Platzhirschen, eher klein und übersichtlich, das Angebot dennoch breit. Fünf traditionelle und drei saisonale Biere - das nötigt Respekt ab. Auch, dass sich neben den Klassikern wie Hellem, Weissbier, Märzen und Bock ebenso Exoten wie IPA (India Pale Ale) finden.

Vom Feld ins Glas. Thomas und Martha Girg stehen mit Harderner Bräu für biologisches Bier aus München.
Schelke BonnetsmuellerVom Feld ins Glas ist dabei das Motto in der modernen Brauanlage, die man natürlich auch besichtigen kann. Dabei erklärt Marta, dass Hopfen, Malz und Hefe selbstredend aus Bayern kommen und das Endprodukt frei von irgendwelchen Zusatzstoffen, auch bei den Zutaten ist. Das Endprodukt selbst - unbehandelt, frisch und unfiltriert - kommt also ebenso Bio daher wie die Ausgangsstoffe. Da eine Führung, zumal in einer Brauerei, durstig macht, sollte unbedingt auch verkostet werden. Denn einmalig wie der Herstellungsprozess für München ist der Geschmack der Biere. Überraschend, anders, angenehm.
Werksviertel - Die Alm mitten in der Stadt
Ein paar Volumen-Prozentpunkte nach oben geht es im Osten Münchens. Im Stadtbezirk Berg am Laim produzierte bis 1996 Lebensmittel-Gigant Pfanni. Das 40 Hektar große "Werksviertel Mitte" ist heute ein Wohn-, Kultur- und Unterhaltungsviertel. Zu den jüngsten Bewohnern gehört die Edelbrandmanufaktur Joh’s Eckart. Was hier zu Hochprozentigem gebrannt wird, stammt wiederum aus der Umgebung. Denn Lieferanten sind die Einwohner der Stadt selbst, die bringen, was ihre Gärten im wahrsten Sinne des Wortes abwerfen oder was auf Streuobstwiesen zu holen ist.

Erste Charge Edelbrand. Joh’s Eckart ist ganz neu im Werksviertel Mitte und verarbeitet Obst aus der Stadt.
Fabian GlückertFür Fabian Glückert, Edelbrand-Sommelier, eine klare Win-Win-Situation. Die Brennerei hat lokale Zulieferer, fördert die Biodiversität und erhält zugleich innerstädtische Obstbäume, was insgesamt zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen würde. Auch bei Joh’s Eckart geht es eher manufakturartig zu. Der Raum mit dem Destillationsapparat ist klein, ebenso die erste Charge an Bränden, die gerade in den Verkauf gekommen ist. Ein Besuch in der Schaubrennerei lohnt aber nicht nur wegen des Alkohols und ist für Familien mit Kinder durchaus empfehlenswert. Denn über Glückert erhält man auch Zugang zur Stadt-Alm.

Stadtalm Werksviertel. Echte Schafe, echte Hütte mitten in München.
Ivana BilzUnd die ist wieder so etwas Einzigartiges in München. Auf dem Dach eines der ehemaligen Fabrikgebäude, dem Werk 3, gleich nebenan findet sich tatsächlich eine richtige Wiese mit rustikaler Hütte und - zahlreichen Tieren. Hier grasen das ganze Jahr über Walliser Schwarznasenschafe mit Blick aufs Umadum Riesenrad sowie Hühner und werden ihrerseits von den Gästen in den Glaskabinen bestaunt. Die Oase inmitten der Großstadt bietet auch eine „Almschule“, die Stadtkindern die Natur näherbringt und ihnen den Wert nachhaltiger Lebensweisen vermittelt.
Ein Münchener Original - Auer Dult
Wer neben einer Sighseeing-Tour zu den handgemachten Sehenswürdigkeiten Münchens noch mehr Bedarf an Handwerk, Kunst und Antiquitäten hat, sollte den Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt so legen, dass er in einen Zeitraum fällt, in dem auch die Auer Dult stattfindet. Dreimal im Jahr gibt es diese Möglichkeit - Frühjahr Ende April, Sommer Ende Juli und Herbst Ende Oktober. Dann nämlich verwandelt sich der Platz rund um die Mariahilf-Kirche in der Vorstadt Au für neun Tage in eine Mischung aus Marktplatz und Rummel. Komplett gefüllt mit Ständen sind dann die schmalen Gassen hinter dem Gotteshaus. Verkauft wird neben einigem Tinnef vor allem, was in Haushalten Bayerns Familientradition besitzt. Von der historischen Lederhose über originale Charivari bis hin zu Bierseideln aus Zeiten des 1. Weltkrieges.

Münchener Original. Dreimal im Jahr findet auf dem Mariahilfplatz ein einzigartiges Volksfest statt – gemütlich, nachbarschaftlich und traditionell. Die Auer Dult.
München Tourismus, Markus DlouhyDie Münchner lieben dieses Volksfest, das Touristen kaum finden. Und um die Händlerbuden wird hart geboten oder sie werden gar vererbt. In jedem Fall gibt es reichlich Originale zu sehen und zu bestaunen, gar zu essen. Etwa der Steckerlfisch bei der Fischer-Vroni. Man muss also nicht zwingend die Wies'n besuchen. In jedem Fall aber eines der Wirtshäuser, denn die, zusammen mit der Bierkultur gehören zur Stadt wie der englische Garten. Künftig bietet München Tourismus gar spezielle Touren an, die die Vielfältigkeit und Tradition mit der modernen Craft-Bier-Szene in Einklang bringt. Und wer nun noch standesgemäß nächtigen will, steigt im Platzl Hotel in der Altstadt, direkt gegenüber vom Hofbräuhaus, ab. Hier vereinigen sich Tradition, Gastlichkeit, Handwerk und modernes Leben fast schon als Gesamtkunstwerk.
München - Anreise und nachhaltig unterwegs
Von Berlin/Brandenburg nach München sind es knapp 620 Kilometer. Seit Inbetriebnahme des ICE Sprinters von Berlin nach München geht es dreimal am Tag in knapp vier Stunden von der Hauptstadt in die Landeshauptstadt. Inklusive An- und Abfahrt ist die Flugverbindung vom BER nur rund eine halbe Stunde schneller, wird 72 Mal in der Woche angeboten.
Alle unseren vorgestellten Handmade-München-Attraktionen sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Inklusive sind diese bereits in der München Card, hinzu kommen Ermäßigungen und Rabatte auf Eintrittsgelder. Ebenfalls kostenlos mit dem ÖPNV fahren Besitzer vom München City Pass, in dem dann auch die Eintritte in Museen, Ausstellungen, Touren und Sehenswürdigkeiten enthalten sind.
