Video Game Racing Test
: F1 23 - die Königsklasse in Las Vegas erleben

Die Formel 1 debütiert in Las Vegas und EA Sports lädt alle Gamer ein, dabei zu sein.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Viva Las Vegas. Die Formel 1 debütiert in der Spielermetropole und Gamer können das Event frei spielen.

Codemasters/EASports

Max Verstappen ist wieder Weltmeister und Mercedes als auch Ferrari fahren die zweite Saison in der Motorsport-Königsklasse hinterher. Abwechslungen bieten derzeit vor allem die Austragungsorte.

Und da lockt mit dem Debüt in Las Vegas ein besonderes Highlight. Denn in der Spielerstadt in der Wüste Nevadas werden die Piloten den berühmten Strip entlangrasen. Obwohl im Free-TV hierzulande die Formel 1 keine Rolle mehr spielt, können Fans mit Benzin im Blut das Ereignis miterleben. Virtuell zumindest. Denn die aktuelle Spielumsetzung von Codemasters unter dem Dach von EA Sports hat natürlich alle Fahrer, Teams und Strecken.

Für die Premiere in der Glitzer-Metropole allerdings braucht es nicht einmal das lizenzierte Spiel. Denn die Woche vor dem Ereignis kann der Grand Prix auf den Next-Gen-Kosolen sowie auf dem PC über Steam kostenlos gespielt werden. Codemasters hat - natürlich nicht nur dafür - das bekannte Game ordentlich aufgebohrt. Einzelne Rennwochen zu absolvieren ist dabei nur ein Punkt im Spielmenü. Ganz oben steht natürlich die komplette Saison, die man entweder im Rennanzug eines der bekannten Fahrer von Verstappen bis Tsunoda absolvieren kann oder eben mit einem eigenen Avatar, der dann gegen einen der originären Piloten eingetauscht wird.

Mit Verstappen im Team

Wer’s gern noch umfangreicher haben möchte, gründet gleich seinen eigenen Rennstall, wird Manager, Fahrer und Ingenieur in Personalunion. Neben Künsten am Volant kommen dann auch solche für die Finanzen hinzu. Und der Entwicklungsbaum der Technik muss zudem geschickt befüllt werden. Denn regelmäßige Updates sollen sicherstellen, dass einen die Konkurrenz nicht schon am Reißbrett abhängt. Einsteiger und Gelegenheitsspieler sind damit garantiert überfordert. Aber auch für die zeigt Codemasters Herz.

F1 World. Der Einstieg in die Königsklasse - leicht gemacht.

Codemasters/EASports

Denn ganz neu hielt mit F1 World ein Feature Einzug, dass einen sehr behutsam und lehrreich an die Gesamt-Thematik Königsklasse heranführt. Hier erlernt der Spieler nicht nur die Grundlagen von Fahren und Management, sondern es finden sich ebenso kurzweiliger und abwechslungsreicher Spielspaß abseits des stoisch zu absolvierenden Rennkalenders. Last but not least erfährt die Story „Breaking Point“ eine Fortsetzung und lässt uns neben knackigen Quests ein wenig in die Psyche des Rennfahrerdaseins eintauchen.

Konkurrenz nach Maß

Apropos knackig. Gleich an mehreren Stellschrauben hat Codemasters gedreht, um es aber auch jedem recht machen zu können. Zum einen wären da die Simulationseinstellungen, die es als bekannte Presets wie Anfänger oder Profi gibt und die in jeder Einzelposition veränderbar sind. Dazu ist es möglich, den Schwierigkeitsgrad der KI individuell einzustellen. Hier darf jeder für sich entscheiden, bis zum welchem Leistungsniveau der Konkurrenz einem das Spiel noch Spaß macht, bevor zu frustrierend wird. Allerdings, einen Verstappen als Newbie ein ums andere Mal zu versägen macht auf Dauer nur bedingt Freude.

Fahrphysik top

Um so mehr dafür, wie sich die Entwickler die Hinweise von Fans und Profis zu Herzen genommen haben. Die Boliden sind jetzt deutlich mehr an jener Wirklichkeit, von der Michael Schumacher einmal meinte, dass ein F-1-Bolide theoretisch an der Decke fahren könne. Will sagen, die Traktionskontrolle wird nunmehr - auch hörbar - deutlich ihrer Aufgabe gerecht. Und ebenso in Sachen Downforce haben die Boliden einen spürbaren Schritt nach vorne gemacht. Hervorragend zu spüren ist dabei der Unterschied, ob der Grip mechanische oder aerodynamische Ursachen hat. Bei letzteren kommt der Schnitt von fahrbar zu unlenkbar in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit so plötzlich wie im echten Leben. Das gesamte Fahrverhalten macht nun deutlich mehr Spaß und ermöglicht zudem realistisch, mit verschiedenen Fahrzeug-Setups zu experimentieren.

Ein Spiel für alle

Zum runderneuerten Fahrgefühl tragen die überarbeiteten Controller-Einstellungen bei. Allerdings hat man hier vielleicht etwas viel gewollt. Vielfache Doppelbelegungen verwirren mitunter. Apropos: Wenn bei einem Feld von ausschließlich männlichen Teilnehmern von Fahrer:innen gesprochen wird, mutet das ein wenig komisch an. Überhaupt macht sich der Eindruck breit, dass v.a. in der deutschen Portierung Gendern ein ganz wichtiges Thema war. Hier wird Seriosität dann doch zu sehr dem Zeitgeist geopfert. Richtig hingegen, dass es bei der Erstellung des Alter Egos alle Möglichkeiten in Sachen Geschlecht und Hautfarbe gibt. Und nicht zuletzt haben auch einige weibliche Rennprofis den Weg ins Spiel gefunden, darf jeder Breaking Point Spieler F2-Champion Callie Mayer steuern.

Frauen ans Steuer. In der Story Breaking Point 2 darf auch die F-2-Pilotin Callie Mayer gespielt werden.

Codemasters/EASports

Ja, die „Junior“-Königsklasse spielt erneut eine Rolle und dingt sich all jenen an, die entweder den Weg zum Champion realistisch absolvieren oder erstmal eine Etage tiefer den Rennzirkus erleben wollen. Schließlich sind die Piloten hier auf den gleichen Kursen unterwegs, die Boliden allerdings fahren sich deutlich einfacher. Vergleichbar ist natürlich das ganze Drumherum und ebenso das Gameplay. So müssen für das Sammeln von Erfahrungspunkten in den Trainingssessions Aufgaben absolviert werden, um den Ingenieuren die notwendigen Daten zu liefern. Zugegeben, mitunter nervt das, andererseits eine gute Gelegenheit, Auto und Strecke zu verinnerlichen.

KI auf Konfrontationskurs

Auf der ist dann ohnehin jeder auf sich allein gestellt. Die Box liefert zwar immer wieder Infos, aber letztendlich braucht der Spieler als Pilot jede Aufmerksamkeit, um auf der Piste zu bleiben. Eine ganz oder teilweise in den Kurven angezeigte Ideallinie ist eigentlich das beste Hilfsmittel zum Erfolg. Allerdings ist die KI, egal in welcher Schwierigkeitseinstellung, nicht wirklich kooperativ. Während beim Training noch brav Platz gemacht wird, gibt es bei den Rennen kein Zurückzucken. Im Gegenteil. Mitunter wird sofort Kampflinie gefahren. Zum Glück sind moderne F-1-Boliden im allgemeinen und die im Spiel im besonderen hart im Nehmen. Und wer möchte kann das Schadensmodell auch gern auf unkaputtbar stellen und rambolike durchs Feld pflügen. Allerdings stehen da die Stewards dagegen, die auf Fairness und Tracklimits gleichermaßen achten.

Las Vegas, Baby!

Der automobile Rennzirkus ist natürlich nicht nur Sport, Taktik, Wirtschaft - er ist auch jede Menge Show. In Las Vegas erst recht. Und Entertainment kann EASports nun wirklich. Wie auch bei den Fußball-, Eishockey- oder anderen Spielen gehen Optik, Akustik und Originalität Hand in Hand. Das alles haben die Entwickler von Codemaster in eine wirklich sehenswerte Grafik gegossen. Auch wenn der Spruch mittlerweile abgedroschen wirken mag, aber die Lücke zu den TV-Bildern wird immer kleiner, sofern man sie überhaupt noch sieht.

Im Regen von Spa verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und InGame-Grafik.

Codemasters/EASports

Das beste Formel-1-Spiel ever

Die Formel 1 mag im deutschen TV-Universum kaum noch eine Rolle spielen. In den Gamer-Zimmern sollte sie es aber. Zu authentisch kommt die 23er Version von F1 daher. Grafik, Gameplay und Unterhaltung haben die Entwickler auf ein ganz hohes Niveau gehoben, dies aber gleichzeitig allen Fähigkeitsstufen zugänglich gemacht. Wer Motorsport mag, wird dieses Spiel lieben, egal ob ein kurzes Zeitrennen zwischendurch oder eine ganze Saison in Angriff genommen wird. Das beste Formel-1-Spiel ever.

F1 23 Test-Fazit

Langeweile im Motorsport? Nicht bei der aktuellen virtuellen Umsetzung der Königsklasse. Show, Lizenzen, Gameplay, Grafik - Codemasters hat sich selbst übertroffen. Jeder findet den Anspruch als Fahrer oder Manager, den er sucht und damit ist langer Spielspaß garantiert.

Website