Wearable Smartwatch Test
: Amazfit Balance - Wohlbefinden übers Handgelenk?

Den Wellbeing-Coach immer mit dabei. Per Smartwatch sollen wir zur inneren Ruhe finden. Ein Selbstversuch.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Amazfit Balance. Über Körper-Monitoring zur inneren Ruhe finden.

Amazfit
  • Amazfit Balance Smartwatch bietet umfangreiche Gesundheits- und Wohlbefinden-Funktionen.
  • Zepp OS 3.0 mit Bubble Cloud und Zepp Pay für kontaktloses Bezahlen.
  • GPS-Ortung präzise, unterstützt Kompass und Höhenmesser; Verbindung zu Komoot.
  • Schlafanalyse, Stresslevel, Körpertemperatur und sportliche Betätigung werden überwacht.
  • Jahresabo für erweiterte Funktionen und Inhalte, Preis: 250 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Angebot an Smartwatches ist mittlerweile fast schon unüberschaubar. Neben den Klassikern von Apple und Samsung, die mitunter wie Miniaturausgaben von Handys daherkommen, entwickeln sich aber nicht nur in den Nischen immer mehr Spezialisten, die sich für besondere Anwendungen oder Zielgruppen empfehlen.

Cheetah, der Gepard, das schnellste Landtier des Planeten, war Namensgeber für eine Smartwatch von Amazfit, die sich vor allem an Läufer richtete. Mit „Balance“ nur wollen die Chinesen sozusagen die gegenteilige Zielgruppe ansprechen. Jene, die dem Stress des Alltags entfliegen und/oder ihre innere Ruhe finden wollen. Das Wearable als Coach fürs Wohlbefinden, der einen stets und ständig überwacht und dann in den Alltag eingreift. Klappt das und vor allem, wollen wir das überhaupt.

Das erste Zusammentreffen mit der üppig dimensionierten Balance jedenfalls ist mehr als beruhigend. Denn das 1,5 Zoll große AMOLED-Display im 46-Millimeter-Gehäuse zeigt nicht etwa einen hektisch dahin springen Zeiger, sondern tatsächlich eine laufende große Sekunde, wie sie sonst nur von mechanischen Werken zu erwarten ist. Kleiner Wermutstropfen anbei, außer dem wenig aussagekräftigen Standard-Ziffernblatt bietet keines der vielen analogen im Shop außerdem dieses Feature. Zumindest unter den kostenlosen. Ansonsten herrscht hier eine bunte Vielfalt von vor allem vielen und sehr detaillierten Oberflächen, die zudem super zum neuen Design passen. Auf „Sonnenuntergangsgrau Mitternacht“ hört im Übrigen die Farbe der Alulegierung.

Design mehr Uhr als Smartwatch

Und mit einer Body-Screen-Ratio von „nur“ 73,4 Prozent geht man auch mehr in Richtung Uhr als Wearable. Dazu passen schließlich noch die aufgedampfte Lünette sowie die dreh- und drückbare Krone. Wie gehabt findet sich noch ein zweiter Drücker bei der Vier. Das in Akzenten von Grau gehaltene und stufenlos verstellbare Nylonarmband vollendet den optisch durchaus gelungenen Gesamtauftritt einer Smartwatch, die trotz ihrer Größe mit gerade mal 35 Gramm buchstäblich nicht ins Gewicht fällt.

Amazfit Balance. Alubody mit Nylonband.

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Wenden wir uns den inneren Werten zu. Amazfit spendiert der Balance das firmeneigene Betriebssystem Zepp OS in der dritten Ausbaustufe. Und mit der zieht ein alter Bekannter ein. Denn statt der einfachen Auflistung der integrierten Apps finden wir die aus WearOS bekannte Bubble Cloud wieder, die einfach die Icons ohne nähere Bezeichnung kreisförmig anordnet und wo der User sich vor allem anfangs munter durchprobieren darf. Zur inneren Ruhe trägt das eher weniger bei, auch wenn’s stylisch aussieht. Zum Glück kann aber in den Uhreinstellungen auch die Listenansicht ausgewählt werden. Nächste - wirkliche - Neuerung der aktualisierten Software ist Zepp Pay. Mastercard ist Partner und bis zu acht verschiedene Bankkarten können fürs kontaktlose Bezahlen per Handgelenk-Einsatz gespeichert werden.

Zepp Pay. Erstmals gibt es bei Amazfit eine Bezahlfunktion via Smartwatch.

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Damit macht die Balance einen wichtigen Schritt hin zur „richtigen“ Smartwatch. Als Sicherheitsfeature wurde zugleich eine PIN-Funktion eingeführt und der Aufruf der Karte(n) erfolgt per Doppelklick auf den ausgewählten Button. Verzichten muss der User dagegen auf die wirklich gut funktionierende Naviagtion, wie man sie in der Cheetah fand. Orientierungslos steht trotzdem niemand in freier Natur. Denn der Import von Routen, etwa aus Komoot, ermöglicht zumindest, vorausgewählte Wege zu finden. Dazu ist die GPS-Ortung wirklich tadellos und arbeitet mit allen gängigen Satelliten-Systemen zusammen. Davon profitieren ebenso Kompass und Höhenmesser. Gerade letzterer ist, nach etwa einminütiger Kalibrierung, auf den Meter genau.

Fast komplettes Gesundheitsmonitoring

Die Outdoor-Tauglichkeit ist aber eigentlich nur ein Goodie der Balance, die ja, wie erwähnt, vor allem auf Wohlbefinden und Stressabbau abzielt. Der hauseigene Biotracker 5.0, der mit zwei LEDs arbeitet, sammelt und liefert ununterbrochen Daten. Neben den bekannten von Herzfrequenz bis Sauerstoffsättigung des Blutes oder dem Stresslevel wird nun auch die Körpertemperatur überwacht. Nicht jedoch in absoluten Zahlen, sondern in Abweichung vom Durchschnitt nach oben oder unten. Daraus errechnet dann die Zepp-App auf dem Smartphone einen Teil des Wohlbefindens oder ob gesundheitliche Risiken drohen. Wenn gewollt, lässt sich auch der Schlaf komplett analysieren.

Schläft nie. Der neue Biotracker überwacht alle wichtigen Funktionen des Schlafes.

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Tiefschlaf, REM, Puls, Atemqualität sind dabei nur einige Faktoren, aus denen eine Gesamtpunktzahl der Qualität errechnet wird. Hier zeigen sich allerdings dann auch die Tücken des Systems. Denn ein wichtiger Faktor ist beispielsweise der Anteil des Tiefschlafs, weil eben besonders bedeutsam für die Erholung. Wer kurz schläft, aber über weite Strecken tief, kommt so im Ergebnis oft besser weg als jene, die lange schlafen und dabei die gleiche Tiefschlaflänge vorweisen können. Das Verhältnis Tief-Gesamtschlaf überdeckt also ein wenig, wie man sich tatsächlich fühlt. Wer’s gern genauer wissen will, muss sich die Mühe machen, per Icon seine Morgenstimmung dem System mitzuteilen. Dann lernt es daraus.

Gegen Aufpreis: Algorithmus fürs Wohlbefinden

Der Schlaf ist aber nur ein Teil des Gesamtsystems. Stresslevel, sportliche Betätigung, Körperzusammensetzung wie Fett, Muskeln, Wasser - all dies fließt in ein Analyse-Tool ein, das sich Bereitschaft nennt und den wahren Kern der Balance darstellt. Dies muss extra ausgewählt werden, weil es zulasten der ansonsten hervorragenden Akku-Ausdauer geht. Im Gegenzug erhält der Nutzer eine Einschätzung über körperliche und mentale Erholung, Puls- und Herzfrequenz, Atem- und Schlafqualität sowie besagte Körpertemperatur. Aus alldem errechnet der Algorithmus einen Gesamtwert, der zudem farblich unterlegt ist. Gut im grünen Bereich, versteht sich von selbst. Die Analyse geht allerdings noch tiefer, wenn man sich für einen In-App-Kauf entscheidet.

Gegen Aufpreis. Die innere Balance gibt es im Jahresabo, Meditation und Musik inklusive.

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Für knapp 40 Euro im Jahr werden nicht nur alle Daten aufgedröselt, es gibt zudem auch Verhaltensempfehlungen, Schlaf- und Meditationsinhalte, Musik, um zur Ruhe zu kommen sowie einen KI-Assistenten, der unter Berücksichtigung der Historie Fragen rund ums mentale Wohlbefinden beantwortet. Wer sich rundum wohlfühlt, braucht die Extras über die ohnehin schon gebotenen hinaus sicher nicht. Jene Zeitgenossen aber, die gern in sich hineinhorchen und dann auch bereit sind, proaktiv an ihrer Situation etwas zu ändern, bekommen hier sicher ein nützliches Helferlein an die Hand.

Sportmodi satt, Trainer dabei

Für alle gleichermaßen sinnvoll ist der Sportmodus der Balance. Hier greift man auf Bewährtes zurück, wie es beispielsweise auch in der Cheetah zu finden ist. Über 150 Sportmodi sind installiert, 25 davon erkennt die Uhr auf Wunsch von selbst. Alles, was draußen stattfinden kann, wird zudem mit GPS aufgezeichnet, sodass es hinterher eine exakte Kartenansicht mit allen notwendigen Details von Rundenzeiten über Höhenmeter bis zu Spitzengeschwindigkeiten gibt. Erfreulich genau funktioniert nun auch die Herzfrequenzüberwachung, da schwächelten andere Modelle beim Sport mitunter. Wieder ist der Zepp-Trainer mit an Bord, der aus den Körper-Eckdaten und den persönlichen Zielen rudimentäre Trainingsprogramme aufstellt und mitteilt, inwieweit die täglich oder wöchentlich erfüllt werden. Wer diese Art kickass für körperliche Betätigung braucht, dem wird hier geholfen.

Über 150 Sportmodi sind integriert, 25 Übungen werden automatisch erkannt.

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Die Balance will aber, wie schon angemerkt, mehr als Sportuhr oder Wellness-Berater sein. Die Bezahlfunktion ist ein Aspekt, der andere, dass die Smartwatch natürlich auch als Verlängerung des Handys taugt. Wie schon bei den meisten neuen Amazefit-Modellen ist Bluetooth-Telefonie möglich. Verbindung und Sprachqualität sind dabei gut und vollkommen ausreichend. Die Info über eingehende Nachrichten, nach Gusto von Mail über WhatsUp bis Instagram, stellt jetzt auch Emojis dar. Fotos jedoch nur als Icon.

Und antworten ist weiterhin nur als Short Message über Android-Geräte möglich. Wer all die Infos vom Smartphone auf die Uhr haben will, muss allerdings täglich händisch dafür sorgen, dass die Verbindung hergestellt wird, indem er die Daten über die App synchronisiert. Denn wurden Uhr und Telefon räumlich einmal getrennt, gibt es keine automatische Verbindungsaufnahme. Daran sollte man arbeiten.

Direkter Kontakt zu Alexa

Dafür lässt sich die Balance ins heimische Netzwerk einbinden. Das wiederum ist mit Hinblick auf Alexa praktisch. Denn innerhalb des eigenen WLANs braucht es so keine zwingende Verbindung zum Smartphone, um den Sprachassi zu nutzen. Gleiches gilt fürs Abspielen von Musik. Denn das Wearable verfügt über einen 2,2 GB großen internen Speicher. In Sachen Telefon sei noch erwähnt, dass man selbiges per Knopfdruck suchen kann - das Handy gibt ein Vibrationsfeedback. Und auch die Kamera lässt sich bequem von der Balance aus auslösen. Ist echt entspannter als der Self-Timer.

Was uns gefällt

Der Balance sieht man auf den ersten Blick nicht das Wearable an. Schlankes, modernes Design, mehr an der klassischen Uhr ausgerichtet. Mittlerweile Smartwatch würdiger Funktionsumfang. Jede Menge Gesundheitsfeatures, die das Monitoring des eigenen Körpers auf die Spitze treiben. Wer will, kann hier tatsächlich einen virtuellen Wellbeeing-Coach finden. Voraussetzung, der User lässt sich darauf ein. Der Sportbereich ist, wie bei Amazefit üblich, mehr als üppig. Viele Sportarten, auch Exoten, mit guten und genauen Aufzeichnungswerten. Gleiches gilt für das überragende GPS, inklusive Höhenmesser und Kompass. Navigation ist zumindest mit importierten Routen möglich. Last but not least: Telefonieren via Handy und bezahlen auch ohne, so soll es sein. Schlussendlich: Die Balance macht Outdoor wie im Gym, bei der Arbeit, der Freizeit oder im Spa eine gute Figur und ist auch elegant genug für den Boulevard

Was uns nicht gefällt

Nicht viel und auch nicht wirklich kaufentscheidend, aber: Wie mittlerweile üblich fehlt ein Manual komplett. Auch wenn viele Funktionen selbsterklärend sind, bei anderen wird’s echt fummelig überhaupt etwas oder das Richtige herauszufinden. Für Tech-Aficinados sicher kein Problem, Normalo-User können aber schonmal verzweifeln. Nicht so glücklich ebenso der Umstand, dass es In-App-Käufe bedarf, um den vollen Funktionsumfang zu nutzen. Was tut Mensch nicht alles fürs eigene Wohlbefinden...

Amazefit Balance - Test-Fazit

Mit der Balance macht Amazefit den finalen Schritt zur echten Smartwatch. Bis auf die eigene eSim ist alles an Bord, was solch ein Wearable auszeichnet, inklusive Bezahlfunktion. Dazu kommen die überbordenden Gesundheits- und Wohlbefinden-Funktionen, letztere leider teils kostenpflichtig. Insgesamt aber für 250 Euro ein fast unschlagbares Angebot.

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