Werk ohne Autor: Eine deutsche Geschichte

Werk ohne Autor
2001 SNOWBOUND, ALL RIGHTS RESERNein, ein Oscar ist es dieses Mal nicht geworden für Florian Henkel von Donnersmarck. Zu lang, zu sperrig und irgendwie auch zu unkonventionell für jene, die über den großen Teich aufs Werk blicken. Der Nazi-Mummenschanz ist recht schnell vorbei angesichts der satten drei Stunden Spielzeit und mit DDR-Kunst kann die Academy wohl überhaupt nichts anfangen. Bliebe die geschickte Drehung dahingehend, dass der Vater der Freundin zugleich der Mörder der Tante ist. Doch hier verweigert von Donnersmarck das zu Erwartende. Sicher, manch Zuschauer hierzulande wird daher nachdenklich zurückbleiben. Aber in der Gesamtheit gesehen passt das zu den Überraschungen, die der Regisseur einzubauen vermag, damit auch all jene, die die Geschichte dreier deutscher Staaten kennen und denen die Namen Joseph Beuys und Gerhart Richter etwas sagen, nicht alles vorhersehen können. Denn ganz klar ist die Story vom Leben Richters inspiriert. Dass das Ungewöhnliche am Endergebnis vor allem daraus resultiert, dass von Donnersmarck einen wichtigen Umstand weggelassen hat, erfahren allerdings nur näher Interessierte. Wer mehrere Jahrzehnte Geschichte filmisch umsetzen muss, der verdichtet. Das ist gut gelungen, ohne, dass entscheidende Deutungen verloren gegangen wären. Allerdings hätte es zur Betonung von Aussagen nicht unbedingt noch aufgesetzter Stereotype bedurft. Hier scheiden sich die Kritiker-Geister am Werk.
Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 188 Minuten; Verleih: Buena Vista; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck; Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer; D 2018
