Bereits vor 120 Jahren galt der Thumsee nahe Bad Reichenhall/Oberbayern als beliebtes Urlaubsziel – und das nicht von irgendwem: Sigmund Freud, weltberühmter Begründer der Psychoanalyse, verbrachte im Sommer 1901 gemeinsam mit seiner Familie mehrere Wochen dort und ließ dafür auch mal seine wissenschaftliche Arbeit liegen.

Türkisblauer Naturbadesee

„Die Familie empfand den Aufenthalt am Thumsee als einen der schönsten Urlaube überhaupt, auch wenn er für Sigmund Freud eher improvisiert war, nachdem sich andere Ferienpläne zerschlagen hatten“, weiß der Bad Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Noch heute dient das idyllische Naherholungs- und Wandergebiet oberhalb der Alpenstadt nicht nur als willkommene Abkühlung bei heißen Temperaturen, sondern ist auch Startpunkt zahlreicher Touren in der Region. Durch beinah unberührte Natur etwa verläuft ein Rundweg um den glasklaren Gebirgssee. Beste Ausgangsposition dafür ist der direkt am Ufer gelegene Seewirt, wo schon Sigmund Freud residierte und Gäste heute feinste österreichische Schmankerl genießen.
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120 Jahre sind vergangen, seitdem der Wiener Neurologe Sigmund Freud zu Besuch am Bad Reichenhaller Thumsee war. Und noch heute ist der türkisblaue Naturbadesee nahe der oberbayerischen Alpenstadt bei Einheimischen wie Urlaubern so beliebt wie eh und je. „Freud war offenbar sehr begeistert von der Gegend, von den – wie er schreibt – bis an den See hinunter reichenden Alpenrosen, dem ‚kleinen grünen Wasserbecken‘, den umliegenden Wäldern und den dort wachsenden Erdbeeren“, erzählt Stadtarchivar Dr. Lang. „Er verbrachte die Zeit überwiegend mit Angeln und Pilzesammeln oder unternahm mit der Familie Ausflüge in die Stadt Bad Reichenhall, etwa zur Besichtigung der ehemaligen Stiftskirche St. Zeno oder des Museums Bad Reichenhall.“
Am Seewirt, in dem die Familie damals nächtigte, findet sich heute eine Informationstafel mit Hinweisen zu Freuds Sommerurlaub. „Sein Aufenthalt ist auch für die Geschichtswissenschaft sowie die Antisemitismusforschung von Interesse. Denn aus den Erinnerungen von Freuds Sohn Martin ist ein antisemitischer Vorfall belegt, der sich am Thumsee ereignete. Freud ist somit ein prominentes Opfer des sogenannten Bäder-Antisemitismus“, so der habilitierte Historiker.

Bestellungen über den See gerufen

Die Seewirt-Terrasse reicht direkt ans Wasser und er gilt als idealer Startpunkt für Wander- und Bergtouren. Schon 1901 galt die urige Stätte als beliebtes Ausflugsziel insbesondere für Kurgäste. „Manchmal riefen sie ihre Bestellungen sogar von der anderen Uferseite aus über den See, sodass die Tische dann bereits gedeckt waren, wenn sie tatsächlich eintrafen“, erzählt Dr. Lang. Damals nächtige auch Sigmund Freud mit Familie in dem Gasthof – zu der Zeit die einzige Unterkunft, die es am See gab. Ausgangspunkt vieler Wanderrouten ist das dortige Wegezentrum. So führt etwa der leichte, zweieinhalb Kilometer lange Thumsee Rundwanderweg vorbei an Liegewiese und Thumseebad weiter durch größtenteils idyllische Natur. Am Ostufer befindet sich außerdem das Seemösl, Deutschlands älteste Seerosenfarm. Bereits 1936 angelegt, verläuft an dieser Stelle ebenso der Soleleitungsweg in Richtung Weißbachschlucht.

Bad Reichenhall

Vitale Alpenstadt mit Shoppingmeile, Deutschlands einziges philharmonisches Kurorchester, eine der spektakulärsten Seilbahnen der Welt und vieles mehr: Bad Reichenhall darf sich mit klangvollen Attributen schmücken. Natürliche Salzvorkommen – sogenannte AlpenSole – haben die „Mini-Metropole“ im Südosten Oberbayerns einst bekannt und reich gemacht. 2021 feiert Bad Reichenhall 175 Jahre BADekur: Seit Eröffnung der ersten Kuranstalt Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die ehemalige Industriestadt zu einem modernen Kurort weiterentwickelt und steht bis heute für Gesundheit, Lebensqualität sowie Kultur vor eindrucksvoller Bergkulisse.