Brennende Windräder, in Flammen geratene Photovoltaik-Module – es gibt wenig, was Feuerwehrleute und Gemeinderäte mehr fürchten. Doch je mehr Anlagen es gibt, desto größer werden die Befürchtungen, wie in vielen Diskussionen in den Gemeinden immer wieder deutlich wird. Über das brandaktuelle Thema sprachmit Martin Zohles, Leiter Fachdienst Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis Märkisch-Oderland.
Herr Zohles, welche Herausforderungen gibt es bei der Planung und Genehmigung von Solar- und Windkraftanlagen?
Aus Sicht der Brandschutzdienststelle des Landkreises ist die Löschwasserversorgung die größte Hürde. Hier sind vielerlei Abstimmungen mit Wasserversorgern, Grundstückseigentümern, Betreibern und anderen Genehmigungsbehörden notwendig. Im Ergebnis konnten bisher aber immer Einigungen im Sinne aller Beteiligten gefunden werden.
Wie ist ein mögliches Eingreifen bei einem Brand durch die freiwilligen Feuerwehren geregelt?
Die Ämter und Gemeinden sind verpflichtet, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechend leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten, die dann zum Einsatz kommt. Bei einem Brand in Solaranlagen und auch bei Windkraftanlagen gilt dies analog. Dazu wurden Merkblätter herausgegeben. Auch gibt es eine Taschenkarte für Einsatzkräfte, die alle wichtigen Aspekte betrachtet.
Bei einem Brand in einer Solaranlage muss differenziert werden: Handelt es sich um reine Vegetationsbrände unter den Anlagen, können diese problemlos gelöscht werden. Sollte es zu einem Brand der Solaranlage gekommen sein, gilt es die entsprechenden Mindestabstände einzuhalten. Da es bei dem Brand einer solchen Anlage zu Atemgiften kommt, ist der Einsatz von Atemschutzgeräten unumgänglich. Größtenteils handelt es sich jedoch um Atemgifte, die auch bei Wohnungsbränden auftreten. Bei den Maßnahmen vor Ort handelt es sich dennoch um routinemäßige Abhandlungen die den Einsatzleitern in ihrer Ausbildung vermittelt werden.
Und bei Windenergieanlagen?
Hier ist zu unterscheiden, wo sich der Brand genau befindet. Kommt es zu einem Brand im oberen Teil der Anlage, kann durch der Feuerwehr keine adäquate Brandbekämpfung durchgeführt werden, sodass hier lediglich Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden und im Ergebnis herab gestürzte Teile abgelöscht werden, bzw. die Ausbreitung des Brandes auf dem Boden verhindert wird. Entsprechende Sicherheitsabstände sind hier durch die Feuerwehren einzuhalten.
Wissen die Brandschützer was da auf sie zukommt und sind entsprechend geschult?
Die Ämter und Gemeinden haben leistungsfähige Feuerwehren zu unterhalten, die entsprechend der vorhandenen Gefahren- und Risikoanalysen und der sich daraus ergebenen Brandschutzbedarfsplanungen aufgestellt sind. Sollten im Gemeinde- oder Amtsgebiet also solche Anlagen vorhanden sein, so sind sie in den Analysen zu berücksichtigten und der Bedarf an Technik und Personal entsprechend abzubilden. Hierzu zählt dann auch, dass die Einsatzkräfte geschult sind. Erst in diesem Jahr wurde der Brand der Windkraftanlage im Amt Falkenberg-Höhe ausgewertet und wichtige Schlussfolgerungen gezogen.
Welche potenzielle brandschutztechnische Gefahr geht von Solaranlagen aus, die sich über mehrere Hektar Land und zwischen Ortschaften erstrecken?
Aus Sicht des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes geht keine erhöhte potenziell brandschutztechnische Gefahr von solchen Anlagen aus, die nicht auch in anderen Industrieanlagen vorkommen kann. Die Kommunen wissen um den Bau solcher Anlagen und werden ihre Feuerwehren entsprechend informieren oder, wie bereits geschehen, in die Planungen mit einbeziehen, sodass diese sich darauf vorbereiten können. Eine erhöhte Gefährdung wird unsererseits dadurch nicht gesehen.
Solarmodule und Kabel enthalten jedoch Werkstoffe, die bei einem Brand Giftstoffe freisetzen können. Das können nicht nur die Kabelmäntel sein, sondern auch andere Kunststoffe oder toxische Stoffe, die bei der Fertigung der Solarmodule verwendet werden. Diese können sowohl Menschen als auch die Umwelt vor Ort gefährden.
Nach dem letzten Brand eines Windrades wurde Kritik am Betreiber laut, der erst nach Stunden für die Einsatzkräfte erreichbar war. Wie kann so etwas verhindert werden?
Auch hier gilt, dass sich die Kommunen mit den Betreibern in Verbindung setzen müssen, um Einsatzvorplanungen aktiv zu gestalten. Die Kommune hat zur wirksamen Bekämpfungen von Bränden Alarm- und Einsatzpläne aufzustellen. Und dazu zählen, wie in diesem speziellen Fall, auch die jeweiligen An- und Abfahrtswege, Erreichbarkeiten und sonstige wichtige Informationen.
Im Ergebnis des Brandes wurde dies auch noch einmal mit den Amts-, Gemeinde- und Stadtwehrführern besprochen. Dort wurde auch bekannt gegeben, dass es eine Datenbank der Windkraftbetreiber gibt, aus der Erreichbarkeiten und Ansprechpartner hervorgehen können. Diese werden in den Regionalleitstellen, also auch in Frankfurt (Oder) vorgehalten.