Es wird noch eine Weile dauern, ehe Fußgänger und Radfahrer die einstige Eisenbahnbrücke bei Bienenwerder passieren können. Auf deutscher Seite führt der Oderbruchbahnradweg bis kurz vor das normalerweise fest verschlossene Tor. Und auch auf polnischer Seite ist der Radweg bis zur Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki, so der offizielle Name, bereits hergestellt. "Auf 32 Kilometer Länge", berichtet Jürgen Denkert aus Berlin, der am Donnerstag mit seinem E-Bike eine Runde von Eberswalde über Hohenwutzen, Wriezen und Kunersdorf bis nach Strausberg drehen will.
Auch ihm ist das ungewöhnliche Fahrzeug mit Fuldauer Kennzeichen auf dem technischen Denkmal aufgefallen. Seit acht Uhr steht es auf den Schienen. Und rollt hin und wieder ein Stück weiter. Bis zum Wochenende sollen alle Brückensegmente überprüft werden. "Die Schienen bleiben", weiß Stefan Weber, der sich als Brückenuntersichtgerätefahrer bezeichnet. Mit einem kleinen Funkgerät verständigt er sich zwischendurch immer wieder einmal mit den zwei Frauen, die gerade nicht zu sehen sind, weil sie vom Korb aus Brückenteile von unten überprüfen. "Geht es euch gut?", fragt er und bekommt nicht gleich Antwort. Doch kurz darauf ist Ute Bringezu doch klar zu hören: "Ja, wunderbar."
Das erscheint bei windigen sechs Grad Celsius zwar etwas übertrieben, aber die beiden Mitarbeiterinnen der Potsdamer VIC Planen und Beraten GmbH sind entsprechend ausgerüstet.. Mit ihren blauen Helmen sowie Seil und großem Karabiner an der Seite sehen sie wie zwei Bergsteigerinnen aus. "Gleich zwei Frauen – das ist toll", sagt Stefan Weber anerkennend, denn das Fachwerk der Brücke macht die Arbeit über der Oder etwas schwieriger. Und so klettert eine der Frauen immer wieder aus dem Korb, wenn das Fahrzeug ein Stück weiter fahren soll und der Korb zwischen den Stahlteilen hindurchbugsiert werden muss. Es ist Ute Bringezu.
"Wir sind angenehm überrascht", sagt sie. Die Stahlkonstruktion sei für ihr Alter in einem sehr guten Zustand. Das gelte auch für die Brückenlager. Für die anstehende Instandsetzung erfasst sie mit ihrer Kollegin Margitta Günther die vorhandenen Schäden und will, wenn das Bauwerk für seinen neuen Zweck freigeben ist, gern mit dem Fahrrad wiederkommen. "Einen Teil des Oder-Neiße-Radwegs kennen wir bereits", erzählt sie.
Nur dass der Taucher noch nicht da ist, verwundert kurz darauf auch Annett Wendt von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Von Hohensaaten aus ist sie am frühen Nachmittag noch einmal mit dem Auto gekommen. "Auch die Taucher müssen eingewiesen werden.". Am nächsten Tag, wenn Ute Bringezu mit ihrer Kollegin das Hauptsegment der Brücke überprüfen wird, seien auch zwei Wahrschauer im Einsatz. "Das kommt von wahrnehmen", erklärt die Bauwerksprüferin. Die beiden sollen vom Deich aus den Schiffsverkehr im Auge behalten und die Frauen im Korb warnen.
"Schiffsverkehr?", fragt Fritz Röper, der ein paar Meter entfernt von der Brücke angelt. "Ein Wels wäre mal nicht schlecht", meint er und hat in den vergangenen Jahren nur selten einen Schubverband auf der Oder gesehen. "Heute allerdings schon zwei", sagt er. Doch dann weckt ein Motorboot das Interesse aller. Es ist ein Team des Potsdamer Aquaworker Tauchservice, das aus Richtung Güstebieser Loose kommt. "Das Wasser hat elf Grad, haben die Fischer gesagt", berichtet einer der Männer auf Nachfrage. Kurz darauf untersucht er die unter Wasser liegenden Teile des ersten Brückenpfeilers.