Corona-Pandemie: Alte Apotheke in Bad Freienwalde sucht für jeden Kunden eine Lösung

Für jeden eine Lösung finden: Pia Stach und Ilias Egkorian schicken keinen Kunden ohne ein passendes Medikament aus der Alten Apotheke in Bad Freienwalde. Diese nehmen auch Wartezeiten wegen der Corona-Maßnahmen bislang sehr gelassen hin.
Jörn KerckhoffGeduldig warten sie vor der Tür, bis sie an der Reihe sind. In der Apotheke hat Witzke einen Schutz aus Plexiglas an den Schaltern aufgebaut, um seine Mitarbeiter vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen.
Erfindungsreichtum gefragt
Die Krise macht erfinderisch, das sieht man in der Alten Apotheke. Der Erfindungsreichtum beschränkt sich aber nicht auf den Schutz der Angestellten, sondern geht bei der Medikamentenversorgung weiter. Dass es schon seit Wochen keine Desinfektionsmittel und Schutzmasken mehr gibt, ist bekannt, aber wie sieht es bei den Medikamenten aus? „Bislang ist hier noch niemand unversorgt rausgegangen“, erklärt Apothekerin Pia Stach, die in der Alten Apotheke arbeitet. Aber tatsächlich müsse man sich teilweise etwas einfallen lassen, ergänzt Robert Witzke. Da viele Medikamente in China oder Indien hergestellt werden, sei nicht jedes Präparat sofort verfügbar. „Bei Schmerzmitteln oder Blutdruckmedikamenten müssen wir teilweise erfinderisch werden“, so Witzke. Mitunter müssten die Präparate, die auf dem Rezept stehen, durch andere – mit gleichem Wirkstoff – ersetzt werden. Glücklicherweise hätten die Krankenkassen die Rabattverträge gelockert, so dass ein Wechsel recht problemlos sei, berichtet Witzke, dass von dieser Seite bereits früh auf die Gefahr von Engpässen reagiert wurde.
Einen vergleichbaren Fall, wie dem Ausverkauf von Toilettenpapier in den Supermärkten, gebe es in den Apotheken bislang nicht – mal abgesehen von Desinfektionsmitteln. „Chronisch Kranke legen vereinzelt Vorräte ihrer Medikamente an, aber Hamsterkäufe gibt es keine“, so Witzke. „Die Leute werden sogar entspannter“, berichtet Pia Stach. „Bislang war es so, dass die Leute alles sofort haben wollten und nicht glücklich waren, wenn wir ihnen sagten, dass sie am Nachmittag nochmal kommen sollen, weil wir das Medikament erst bestellen müssen. Jetzt sind sie glücklich, dass sie es bekommen, wenn wir ihnen sagen, dass es zwei Tage dauert. Alle reagieren, angesichts der Situation, verständnisvoll“, berichtet Stach aus dem Krisen-Alltag.
Bislang sei alles entspannt, erzählt auch Robert Witzke. Wie sich die Situation entwickele, sei aber schwer einschätzbar. Ihm geht es aktuell auch darum, seine Angestellten möglichst gut zu schützen. So habe er Multivitaminpräparate zur Stärkung des Immunsystems besorgt, das Schild vor der Tür und die Plexiglasscheiben tragen ihren Teil bei. Natürlich wäre es schlimm, wenn sich einer seiner Angestellten infizieren würde und daraufhin alle in Quarantäne müssten. Die Apotheke müsste schließen und stünde erst einmal nicht mehr für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung.
Noch keine Sonntagsöffnung
Außerdem will Witzke seine Mitarbeiter auch nicht überfordern. „Wir dürften im Moment zwar sogar sonntags öffnen, aber ich habe mich vorerst dagegen entschieden. Ich möchte meine Mitarbeiter nicht überfordern“, macht Witzke deutlich, dass eine Öffnung am Sonntag für ihn nicht infrage kommt, solange die Versorgung noch funktioniert.