2020 besondere Vorzeichen
Es ist eine Tour, die in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht unter besonderen Vorzeichen stattfindet. Zum einen bremst die Corona-Pandemie viele Veranstaltungen aus und zwingt jenen, die stattfinden, ein besonderes Hygienekonzept auf. Zum anderen ist die Anti-Rassismus-Bewegung nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in vielen Ländern der Welt erstarkt. Und nicht nur Proteste gegen Rassismus erleben gerade große Unterstützung, auch Bewegungen gegen Sexismus, Antisemitismus und Ausgrenzung im Allgemeinen mobilisiert derzeit viele Menschen.
Wo mehr protestiert wird, muss es umgekehrt aber auch mehr Gründe dafür geben, sich einem solchen Protest anzuschließen. Eine Beobachtung, die auch Günter Grützner macht. "In den Anfangsjahren der Tour merkte man auch bei den Teilnehmern, dass das Thema Toleranz in den gemeinsamen Gesprächen eine große Rolle spielte. Mit der Zeit schlief das ein wenig ein, aber seit vier oder fünf Jahren geht es wieder mehr darum."
Eigentlich freue er sich darüber, dass die Toleranz aller Menschen, egal welche Hautfarbe, Kultur, Religion, sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht sie haben, in den Gesprächen thematisiert wird. Andererseits sei es aber auch eine traurige Entwicklung, dass wieder mehr darüber geredet werden müsse, weil die Toleranz gerade schwere Zeiten erlebe. Und genau deswegen erklärt Grützner eben, dass es Sinn sein müsse, dass sich eine Veranstaltung wie die Tour de Tolérance selbst überflüssig mache. Wenn jeder jeden so akzeptiere wie er ist, dann bräuchte es solche Demonstrationen nicht. Die Tatsache, dass die Tour in diesem Jahr ihre 19. Auflage erlebe, mache deutlich, dass sie absolut nicht überflüssig ist.
"Wir sind ja eine Veranstaltung mit weniger als 1000 Teilnehmern, deswegen dürfen wir stattfinden", erklärt der Mitorganisator. Dabei seien in den Anfangszeiten bis zu 1600 Teilnehmer mitgeradelt, inzwischen habe sich die Zahl bei 150 bis 250 eingependelt. "Damals stellten uns Firmen noch Busse und Lkw zur Verfügung, mit denen wir die Teilnehmer und ihre Räder abholen und wieder nach Hause bringen konnten", erklärt Grützner den Unterschied. "Es wäre schön, wenn wir die 1000er-Marke mal wieder knacken würden, aber in diesem Jahr ist es vielleicht auch ein Glück, dass wir wohl darunter bleiben werden." Es könne aber natürlich sein, dass diesmal tatsächlich mehr Radfahrer an der Tour über 75 Kilometer teilnehmen werden. "Zum einen gibt es ja weniger Veranstaltungen in diesem Jahr, das könnte dafür sorgen, dass mehr Leute mitmachen. Zum anderen ist das Thema Toleranz eben tatsächlich derzeit eines, das die Menschen bewegt und mobilisiert."
Dabei ist es Günter Grützner aber ganz wichtig, dass jeder der Teilnehmer den Gedanken der Toleranz auch selbst in sich trage und dies auch nach außen zeige. "Wir sind bei der Tour de Tolérance für und nicht gegen etwas", macht er deutlich, dass Protest längst nicht gleich Protest ist.
Planung auf gut Glück begonnen
Mit der Planung für die 19. Auflage der Tour habe man im Mai begonnen. "Einfach auf gut Glück. Ob sie tatsächlich stattfinden kann, wussten wir da noch nicht." Da die Tour durch zwei Landkreise gehe – Oder-Spree und Dahme Spreewald – habe man die Genehmigung auch von beiden Landkreisen einholen müssen. Die Planung sei schon besondere Herausforderungen gewesen, macht Grützner deutlich. Schirmherr ist übrigens auch diesmal wieder Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Eine Anmeldung zur Tour sei nicht notwendig, aber aufgrund der speziellen Situation natürlich sinnvoll. "Abstand halten ist auf dem Rad ja kein Problem und an den neuralgischen Punkten, wie bei der Eintragung in die Teilnehmerliste kann man ja einen Mundschutz tragen", erläutert Günter Grützner. Dass die Wahl als Austragungsort für die Tour 2020 auf Erkner gefallen sei, sei übrigens einem Zufall zu verdanken. "Im vergangenen Jahr ist der Bürgermeister von Erkner, Herr Henryk Pilz mitgefahren, da sind wir ins Gespräch gekommen und so hat sich das ganz schnell ergeben", beschreibt Grützner, dass es manchmal ganz einfach ist.
Informationen zur 19. Auflage der Tour de Tolérance und die Möglichkeit der Anmeldung gibt es auf der Internetseite www.tourdetolerande.de.