Ernst Haeckel in Bad Freienwalde: Was die Stadt mit dem Jugendstil verbindet

Ausstellung im Schaufenster: Der Hobbyforscher Dr. Ernst-Otto Denk zeigt auf die Ernst-Haeckel-Exposition in der Tourist-Information, Uchtenhagenstraße 3, in Bad Freienwalde, die er gestaltet hat. Was es dort zu sehen gibt.
Steffen Göttmann- Bad Freienwalde zeigt in der Tourist-Info ein Haeckel-Schaufenster, kuratiert von Ernst-Otto Denk.
- Haeckel lebte 1860 in Bad Freienwalde und schrieb dort am Radiolarien-Werk.
- Denk kritisiert die geringe Würdigung Haeckels in der Stadt und wirbt für mehr Sichtbarkeit.
- Ausgestellt sind ein großes Haeckel-Gemälde und Fotos, teils von Expeditionen.
- Denk vermutet Einflüsse Haeckels auf den Jugendstil – Belege sammelt er noch.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ernst-Otto Denks große Leidenschaft ist die Geschichte von Bad Freienwalde und der Oder. In der Geschichtsdeutung geht der Augenarzt, der nicht mehr praktiziert, eigene Wege und verfolgt sie trotz des Widerstandes, der ihm mitunter entgegenschlägt.
So beschäftigt seit Jahren mit der Oder und dem Flussgott Viadrus. So heißt auch das Heimatbuch, das Denk jährlich herausgegeben hat. In Briefen grüßt er den Empfänger gerne mit Vivat Viadrus!
Das zweite Thema, das jetzt an die erste Stelle gerückt ist, bezieht sich auf Ernst Haeckel (1834-1919). Der Arzt, Zoologe und Philosoph hat in der zweiten Jahreshälfte 1860 in Bad Freienwalde gelebt.
Ernst-Otto Denk kommt Haeckels Würdigung in Bad Freienwalde zu kurz
Haeckel lebte in Bad Freienwalde bei seinem Bruder Karl Haeckel (1824–1897), der Richter in Wriezen war, im Freihaus von Loeben, in dem sich heute das Oderlandmuseum befindet. Denk versucht seit vielen Jahren, Haeckel in der Stadt mehr Bedeutung zu verschaffen, ihm eine Tafel zu widmen, was ihm jedoch bisher nicht gelungen ist. Umso mehr freut es den Hobbyforscher, dass ihm die Bad Freienwalde Tourismus GmbH ermöglicht, ein Schaufenster der Tourist-Information, Uchtenhagenstraße 3, Ernst Haeckel zu widmen.
Entst-Otto Denk kommt die Würdigung Haeckels in Bad Freienwalde viel zu kurz. Seiner Auffassung nach könnte die Kurstadt mehr mit dem prominenten Namen wuchern, als das bisher der Fall ist. Dem Augenarzt, der aus Altersgründen nicht mehr praktiziert, macht es schwer zu schaffen, dass seine Vorschläge in Bad Freienwalde stets und überall auf taube Ohren stießen. Dabei sieht er in Haeckel mehr als den Wissenschaftler.
Ausstellung zeigt Bilder von Ernst Haeckel
Das Schaufenster zeigt unter anderem ein großes Gemälde von Haeckel, das Denk zufällig in Halle entdeckt und erworben hat. Das Gemälde zeigt, wie der Wissenschaftler, der als Vertreter des Darwinismus in Deutschland gilt, einen Menschen- und einen Affenschädel vermisst.
Der Darwinismus, benannt nach dem britischen Naturforscher Charles Darwin, besagt, dass sich alle Lebewesen stetig an ihre Umwelt anpassen. Die am besten angepassten Individuen überleben eher und pflanzen sich fort. Zu sehen sind weitere Bilder von dem Naturforscher, unter anderem im Tropenanzug bei einer Expedition auf Ceylon (heute Sri Lanka).

Zu Ehren von Ernst Haeckel: Kristina Doerschel, bisherige Leiterin des Bertolt-Brecht-Gymnasiums Bad Freienwalde, mit Dorota Debska, Schulleiter Ferdynand Sanko und Radoskaw Nowak der Partnerschule in Lipkiwieliee im Jahr 2018 anlässlich der Eröffnung des Ernst-Haeckel-Raums in Gymnasium (Archivbild). Initiator war Ernst-Otto Denk.
Steffen GöttmannBevor Ernst Haeckel nach Bad Freienwalde kam, war er zu einer Forschungsreise nach Messina in Sizilien aufgebrochen. Während seines Aufenthaltes von Herbst 1859 bis April 1860 forschte er zu Strahlentierchen (Radiolarien), Einzellern, die im Meer leben und als Plankton durchs Wasser schweben. Ihre Skelette fand er auf dem Meeresboden im Golf von Messina. Er sammelte sie, legte sie unter ein Mikroskop und zeichnete sie nach. Dabei entdeckte er mehr als 100 bis dahin unbekannte Arten.
In Bad Freienwalde schreibt Haeckel über Radiolarien
„Seine Zeichnungen schickte Haeckel zu einem Grafiker nach Jena, der sie für den Buchdruck verfeinerte“, berichtet Ernst-Otto Denk. „In Bad Freienwalde schrieb Haeckel den größten Teil des Textes“, ergänzt er. Am 4. März 1861 habilitierte sich Ernst Haeckel mit einer Schrift über die Strahlentierchen an der medizinischen Fakultät in Jena, wo Haeckel lebte und starb.
Ernst-Otto Denk vertritt die These, dass Haeckels Zeichnungen der Radiolarien die Initiatoren des Jugendstils inspiriert haben könnten. Aus dieser Idee, so Denk, könnte Bad Freienwalde Kapital schlagen. „Bad Freienwalde könnte Ernst-Haeckel-Zentrum werden“, so der Kurstädter, der allerdings befürchtet, dass ihm alle Türen vor der Nase zugeschlagen werden, wenn er auf offizieller Bühne seine Idee bewirbt.
Spurensuche nach Verbindung zu Vertretern des Jugendstils
Seine Forschungen sind noch nicht so weit gediehen, dass er den Beweis führen kann, wo es eine direkte Verbindung zu den Vertretern des Jugendstils geben könnte. Indes verfolgt er eine Spur zu dem belgischen Maler, Architekten und Designer Hermann van de Velde (1863–1957). Denk vermutet die Verbindung in den Ehefrauen der beiden, die den gleichen Familiennamen trugen. Haeckel heiratete 1862 seine Cousine Anna Sethe, die jedoch zwei Jahre nach der Hochzeit starb. Van de Veldes erste Frau hieß Maria Sèthe.
Denk verweist zudem auf den monumentalen Haupteingang der Pariser Weltausstellung 1900 am Place de la Concorde in Paris, den der französische Architekt René Binet entwarf. Sein Entwurf im Jugendstil sei stark von den mikroskopischen Skeletten der Radiolarien inspiriert, die der Biologe Ernst Haeckel veröffentlicht hatte. Diese These vertritt jedoch nicht nur der Bad Freienwalder. Die Ausstellung bleibt etwa vier Wochen, anschließend werden die Bilder durch andere Haeckel-Bilder ersetzt.


