Hobby
: „Das ist die pure Freiheit“

Der Falkenberger Thomas Müller züchtet seit 47 Jahren Tauben. Im Januar wurde er zum zweiten Mal Deutscher Meister.
Von
Conradin Walenciak
Falkenberg
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  • Es gurrt und flattert: Im Brieftauben-Schlag auf dem Grundstück von Thomas Müller herrscht ein Kommen und Gehen. Die Tiere genießen ihren Freiflug, müssen sich aber vor Greifvögeln in Acht nehmen.

    Es gurrt und flattert: Im Brieftauben-Schlag auf dem Grundstück von Thomas Müller herrscht ein Kommen und Gehen. Die Tiere genießen ihren Freiflug, müssen sich aber vor Greifvögeln in Acht nehmen.

    Conradin Walenciak
  • Der Stolz der Züchtung: Thomas Müller präsentiert seinen "Internationalen Champion". Mit ihm gewann der Falkenberger auf der "Internationalen Mövchenschau 2018" den Preis für die schönste Taube.

    Der Stolz der Züchtung: Thomas Müller präsentiert seinen "Internationalen Champion". Mit ihm gewann der Falkenberger auf der "Internationalen Mövchenschau 2018" den Preis für die schönste Taube.

    Conradin Walenciak
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„Mein Name ist in der Branche weltweit ein Begriff“, sagt Thomas Müller über sich und lächelt. Dass das so ist, erfüllt den Falkenberger sichtlich mit Stolz. Schließlich hat sich das der 56–Jährige hart erarbeitet — seit inzwischen 47 Jahren ist er leidenschaftlicher und erfolgreicher Taubenzüchter.

Erst in diesem Frühjahr trug die Arbeit wieder Früchte, im Januar wurde Thomas Müller mit seinen Deutschen Schildmövchen — so heißt die Rasse — Deutscher Meister. „Das war eine ziemlich knappe Kiste“, sagt Müller. 566 Punkte musste er mit seinen sechs Tieren erreichen, 567 Zähler wurden es am Ende. Nach 2015 war es die zweite Deutsche Meisterschaft für ihn, 2012 war er auch schon Europameister.

Die Faszination für Tauben entdeckte der gelernte Korbmacher und spätere Bundespolizist schon sehr früh. „Als Taubenzüchter wird man geboren“, sagt er deshalb auch. Als Neunjähriger trat Müller dem Kleintierzuchtverein Falkenberg bei, eiferte damit seinem Vater und dessen Onkel nach, die sich ebenfalls der Taubenzucht verschrieben hatten. "Ich betreibe das hier also schon in der dritten Generation.“

Seit seiner Kindheit nehmen die Vögel also einen wichtigen Platz in Müllers Leben ein — und haben ihm dafür aber auch schon eine Menge zurückgegeben. „Ich habe schon viele Tiefen erlebt“, sagt er. „Wenn ich mich dann mit meinen Tauben beschäftige, holen sie mich immer wieder nach oben.“ Allein den Tieren beim Fliegen zuzuschauen, gebe ihm ein gutes Gefühl. „Das ist die pure Freiheit.“

Eine von Müllers Schildmövchen wird man im Himmel über Falkenberg allerdings nicht zu Gesicht bekommen. „Viel zu gefährlich“, sagt der Züchter und verweist auf die Greifvögel, die in der Umgebung ihr Unwesen treiben. Da er auf seinem Grundstück aber auch noch eine Brieftauben–Zucht betreibt, kann er seinen Tieren täglich beim Fliegen zuschauen — denn die Brieftauben bekommen die Möglichkeit zum Freiflug. „Ich hatte sie erst eingesperrt“, erzählt Müller. „Aber irgendwann habe ich mir gedacht ‚das sind Tauben, die wollen fliegen’. Dann hab ich sie rausgelassen.“

Jetzt muss er aber damit leben, dass immer wieder ein Tier dem Habicht oder dem Falken zum Opfer fällt — alleine im letzten halben Jahr waren es 30 Stück. Eine allzu enge emotionale Bindung baut Müller zu seinen Tauben aber ohnehin nicht auf. „Ich bin damit aufgewachsen, dass auch die eigenen Zuchtvögel im Kochtopf landen.“ So handhabe er das auch heute noch. „Ich gebe meinen Tieren auch keine Namen“, sagt er. Dafür seien es auch einfach zu viele.

Einen persönlichen Favoriten hat der Falkenberger in seiner Volliere allerdings schon sitzen: seinen Champion. Dieser wurde auf der „Internationalen Mövchenschau 2018“ in Aschersleben das Tier mit der besten Bewertung in seiner Klasse. „Er trägt jetzt den Titel ‚Internationaler Champion’“, sagt Müller über sein Prachtexemplar.

Dass sich seine Tauben auf einer Vogelschau den Preisrichtern auch richtig präsentieren, müsse vorher trainiert werden, erläutert der Falkenberger. „Die Preisrichter haben kaum mehr als 90 Sekunden Zeit, um sich ein Bild von den Vögeln zu machen. In dieser kurzen Zeit muss die Taube zeigen, was sie hat.“ Um seine Tieren an die ungewohnte Atmosphäre bei einem Wettkampf zu gewöhnen, nimmt er zum Füttern schonmal ein Radio mit und zieht sich einen weißen Kittel an — die übliche Arbeitskleidung eines Preisrichters. „Ich nehme den Tauben dadurch die Scheu davor“, sagt Müller und ergänzt: „Wir Taubenzüchter sind halt alle ein bisschen bekloppt.“

Geld verdienen kann Thomas Müller mit seiner Zucht im Übrigen nicht. „Das ist einfach ein teures Hobby“, sagt er. Zwar verkaufe er hin und wieder mal ein Tier, aber alles was dadurch reinkomme, habe man vorher investiert. „Wenn ich am Ende bei Plus–Minus–Null stehe, bin ich zufrieden.“ Was die Zukunft der Taubenzucht betrifft, sieht der Falkenberger indes schwarz — zumindest in dieser Region. „Nachwuchs ist schwer zu finden. Wenn das so weitergeht, stirbt die Taubenzucht hier aus.“