Jüdisches Leben
: Geschichte der Bad Freienwalder „Judentreppe“

Reinhard Schmook taucht tief ein in die Vergangenheit des jüdischen Lebens in der Kurstadt.
Von
Jacqueline Westermann
Bad Freienwalde
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  • Auf den Spuren der Vergangenheit.

    Auf den Spuren der Vergangenheit.

    Jacqueline Westermann
  • Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Jacqueline Westermann
  • Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Jacqueline Westermann
  • Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Jacqueline Westermann
  • Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit Bad Freienwaldes mit Reinahrd Schmook. Neben der Judentreppe erinnert die Gedenkstätte an ehemaliger Stelle der Synagoge.

    Jacqueline Westermann
  • Spuren jüdischen Lebens: Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde, ist entsetzt über den Müll, der sich über die Fläche der Gedenkstätte am Fuß der Judentreppe verteilt. Seit 2012 erinnert das Denkmal in der Fischerstraße an die ehemalige Synagoge, deren Vergangenheit der Gedenkstein widerspiegelt. Auf Bürgersteigen m Bad Freinwalder Stadtgebiet gibt es sogenannte Stolpersteine, die an jüdische Bürger erinnern, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden.

    Spuren jüdischen Lebens: Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde, ist entsetzt über den Müll, der sich über die Fläche der Gedenkstätte am Fuß der Judentreppe verteilt. Seit 2012 erinnert das Denkmal in der Fischerstraße an die ehemalige Synagoge, deren Vergangenheit der Gedenkstein widerspiegelt. Auf Bürgersteigen m Bad Freinwalder Stadtgebiet gibt es sogenannte Stolpersteine, die an jüdische Bürger erinnern, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden.

    Jacqueline Westermann
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„Obwohl es da unten dran steht.“ Schmook ist sichtlich – und verständlich – verärgert: Der Müll liegt verteilt auf dem Gras und im Gebüsch am Hang des Denkmals für die ehemalige Synagoge in Bad Freienwalde.

Kaum jemand kennt die Geschichte der Kurstadt wie Schmook. Seit 1977 leitet er das Oderlandmuseum, hat sich intensiv mit der Geschichte des Oderbruchs beschäftigt und dazu publiziert. So kann er zur jüdischen Vergangenheit der Kurstadt erzählen und Hintergründe erklären, die den durchschnittlichen Betrachter eines Stadtplans von Bad Freienwalde wahrscheinlich stutzig werden lässt: Die gestrichelte Linie, die neben dem Denkmal für die ehemalige Synagoge eingezeichnet ist, trägt den Namen „Judentreppe“. Um den Begriff genauer zu erklären, holt Schmook allerdings aus. Die Geschichte des Judentums in Bad Freienwalde spielt hier natürlich eine Rolle.

Von Schutzbriefen zu Bürgerrechten

Seit der Gründung des Gesundbrunnens, seit Ende des 17. Jahrhunderts, hätte es Juden in Bad Freienwalde gegeben, auch wenn die jüdische Gemeinde immer klein war und bis zur Nazi–Zeit klein blieb. „Die einheimischen Bürger und Kaufleute haben sie als Konkurrenten angesehen“, erzählt Schmook. Ihre Beschwerden beim Kurfürsten stießen auf taube Ohren. "Der Kurfürst brauchte die für den Handel, vor allem den Handel nach Osten, und hat sie deswegen ins Land geholt.“ Bis 1815 mussten sie Geleit– und Schutzbriefe erwerben, die ihre Anwesenheit duldeten.

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Die preußischen Reformen von 1815 räumten den Juden dann Bürgerrechte ein. Ab 1816 trugen sie vererbbare Familiennamen – eine Voraussetzung, um ihre Bürgerrechte auszuführen. Die kleine Gemeinde hielt, laut Schmook, ihre Gottesdienste abwechselnd in den Wohnhäusern der jüdischen Familien ab. 1819 wurde ein Wohnhaus in der heutigen Fischerstraße gekauft. Umgebaut zur Synagoge hielt die Gemeinde ihre Gottesdienste bis 1933 hier ab. "Wenn die jüdischen Familien zum Gottesdienst gegangen sind, fein angezogen mit Zylinder, das fiel natürlich auf. Dass die nicht zur Kirche gingen, sondern in die Richtung hierher“, erzählt Schmook. Die Synagoge nannten die christlichen Bürger „der Tempel“ und die Treppe neben dem Gebäude wurde so zur „Judentreppe“. „Diese Treppe hier heißt in alten Katasterunterlagen offiziell ‚Verbindungstreppe zwischen Neuebergstraße und Fischerstraße’. So ist der offizielle Name der Treppe und die Freienwalder haben natürlich seit 1819 hier Judentreppe dazu gesagt,“ erklärt der Doktor der Philologie. Auch Hans Keilson, der gebürtige Bad Freienwalder Arzt, dem noch 1936 die Emigration gelungen war, und der als letzter Jude 1933 im S. Fischer Verlag veröffentlichte, erwähnte die „Judentreppe“ in seinen Memoiren. Seit 1998 ist die Treppe offiziell die Straße „Judentreppe“. Die Stadtverordneten beschlossen die Widmung. Auf die Frage, ob die Stadt das angemessen fand, antwortet Schmook: „Ja klar, das ist ja der Volksmund.“ Der so zum offiziellen Terminus werde. Es gebe in Brandenburg viele ähnliche Straßen: Judengasse, Judenstraße oder Jüdenstraße.

Garagen mit Asbest–Wellblech

2012, am Holocaust–Gedenktag, wurde auf dem Gelände das Denkmal für die ehemalige Synagoge eingeweiht. Die Nationalsozialisten hatten die Synagoge im Zuge der Reichspogromnacht 1938 angezündet, ließen sie ausbrennen. "Hier wohnte ein strammer Nazi in dem Haus“, Schmook senkt die Stimme und deutet auf ein gelbes Haus, „der vielleicht sogar beteiligt war.“ Am frühen Morgen des 10. November hätte das Feuer schnell auf jenes, jetzt gelbes Haus übergreifen können, sodass die Feuerwehr angeblich die Order hatte, das Haus zu schützen. Innerlich ausgebrannt, wurde die Synagoge nach dem Krieg provisorisch hergerichtet und eine Tischlerwerkstatt zog ein. „1969 stand das Haus leer und war so baufällig, dass man es abgerissen hat. Einfach so. So war die DDR. Weg, alles aus den Augen, aus dem Sinn“, berichtet Schmook. „Das ‚Judenthema’ war Tabu in der DDR. Der Mord wurde erwähnt, aber das war auch schon alles.“

Nach dem Abriss errichtete man Garagen mit Wellblech auf dem Grundstück. „Asbest–Wellblech“, spezifiziert der Geschichtskenner. Nach der Wende hätte er die Besitzer angesprochen und nachgehakt, ob die überhaupt wüssten, auf welchem Grund ihre Garagen da stünden. Sie wussten es nicht. Erst 2011 seien sie abgerissen worden und Planungen für die Gedenkstätte begannen. Jedes Jahr am 9. November findet eine Gedenkveranstaltung statt, zu Schmooks Bedauern mit sehr kleiner Anteilnahme.

Während Schmook zurück zur Königstraße spaziert, wo Stolpersteine an die jüdischen Bad Freienwalder erinnern, die deportiert und umgebracht wurden, wandern seine Gedanken zurück zur aktuellen Vermüllung der Gedenkstätte. Die Pflege der Anlage liege in Stadtverantwortung. Hin und wieder würde man auch Schmierereien sehen. Der David–Stern zwischen den Metallstäben am rostfarbenen Eingangstor wird manchmal verdreht, es lag auch schon mal ein Ziegelstein in der Mikwe, dem Reinigungsbad. „Das muss aber nicht unbedingt ein Anschlag sein, das sind dumme Jungenstreiche“, meint Schmook. Was er bei seinen Mitbürgern vermisse, sei, dass man sich um einen Gedenkort auch mal persönlich kümmere, obwohl es einen vielleicht privat nichts angehe.

Reinhard Schmook dreht sich um. Er will zurück zur Judentreppe. Den Müll auf der Rasenfläche und zwischen den Büschen am Hang der Gedenkstätte einsammeln.