Jugendweihe: Wofür Mann Make-up benötigt

Zwischendurch mal ein Gruppenbild: Verena Gersdorf, Lynn Matzdorf, Heidi Eckert, Pauline Bartz, Jessica Tamme, Lynn Schulz, Conny Schmetzke, Dany Borrmann, Jette Grill, Max Masula und Paul Loest (v. l.), der im Wriezener Salon der Charmant Friseur und Kosmetik GmbH seine Friseur-Ausbildung begonnen hat.
Anett Zimmermann167 Mädchen und Jungen werden in diesem Jahr ihre Jugendweihe unter dem Dach des Oberbarnimer Kulturvereins machen. Zu den vorbereitenden Jugendstunden zählt auch ein Besuch im Friseursalon inklusive Schminktipps.
Im Damenbereich des Salons der Charmant Friseur und Kosmetik GmbH in der Wriezener Wilhelmstraße sitzen an diesem Nachmittag nur junge Leute in den für Kunden bereitstehenden Stühlen. Filialleiterin Verena Gersdorf, Heidi Eckert, sonst im Neuenhagener Salon anzutreffen, und Conny Schmetzke, die für die Ausbildung zuständig ist, kümmern sich gerade um die langen Haare dreier Schülerinnen. Da werden Zöpfchen geflochten und Wellen gelegt.
Dany Borrmann und Praktikantin Jette Grull aus dem Beauty-Studio in Bad Freienwalde haben mit etwas Überredungskunst Max Masula zu sich gebeten. „Das ist schon ungewohnt“, gibt er kurz darauf mit leichtem Make-up im Gesicht zu. Das Angebot, es sich gleich wieder entfernen zu lassen, lehnt er aber ab. Ohne viele Worte zu machen, hat er offenbar verstanden, was die Frauen ihm und seinen Altersgenossen mit auf den Weg geben wollen. Hautunreinheiten kann Mann auch abdecken, vor allem an solch wichtigen Tagen wie der Jugendweihe.
Max hat das Problem zumindest im Moment nicht und sieht – so Conny Schmetzke – mit seinen kurzen Haaren doch auch richtig gut aus. Sie rät ihm, mit seinem Undercut, wie die Frisur genannt wird, zwei Wochen vor der Jugendweihe zum Nachschneiden zu gehen. Das gelte für alle Kurzhaarschnitte, erklärt Conny Schmetzke und fügt hinzu: „Frisch geschnittene Haare wirken auf Fotos oft zu kurz und damit auch kantig. Wenn man das weiß, lässt sich das ja verhindern.“ Für die Haare von Max will sie dann nur noch zu etwas Gel greifen, um sie noch etwas in Form zu bringen.
„Die Jugendlichen kommen meist mit klaren Vorstellungen“, sagt Verena Gersdorf. Vor allem die Mädchen, die in dem Alter meist längere Haare haben. Aber passen die Vorstellungen auch zu dem, was sie und ihre Kolleginnen raten würden? „Meist sogar ganz gut“, bestätigt Heidi Eckert, die die Locken von Pauline Bartz gerade mit etwas Haarspray fixiert hat und sie dann zu Dany Borrmann schickt. „Cool“, meint diese kurz darauf, als Pauline verrät, dass sie sonst gern zu rotem Lidschatten greift. Damit kann die Kosmetikerin an diesem Tag allerdings nicht dienen. Und warum roter Lidschatten? Pauline zuckt mit den Schultern, findet, dass der ihr einfach gut steht. So lässt sie sich dann aber mal auf etwas Neues ein.
Insgesamt sechs Termine für jeweils bis zu acht Teilnehmer habe der Oberbarnimer Kulturverein (OKV) mit der Charmant Friseur und Kosmetik GmbH in Salons in Wriezen und Bad Freienwalde für die Jugendstunden vereinbaren können, berichtet Kirsten Rösener vom Jugendweihe-Team. Sie ist sonst Lehrerin an der Erna-und Kurt-Kretschmann-Oberschule in der Kurstadt.
In der dortigen Konzerthalle in St. Georg sorgt der OKV bereits seit zwanzig Jahren für das Veranstaltungsprogramm. Und die wird zu den Jugendweihen dann natürlich auch zur Festhalle für die Familien. Im Anbau der einstigen und zu DDR-Zeiten vor dem Abriss bewahrten Kirche hat der Verein, der seit zehn Jahren Jugendweihefeiern organisiert, zudem seinen Sitz. Dazu wurde innerhalb des Vereins das „Team Jugendweihe“ gebildet. „Auch bei den Jugendlichen soll damit das Interesse für Heimatliebe, Kultur und Städtepartnerschaft gefördert werden“, heißt es dazu auf der Internetseite.
In der nächsten Woche stehe im Rahmen der Jugendstunden noch ein Tanzkurs auf dem Programm. „Ach, wir haben da wirklich schöne Sachen im Angebot“, sagt Kirsten Rösener mit Blick auf zu DDR-Zeiten manches dröge oder gar ideologisch vorgegebene Thema. Heute würden für jeden Jahrgang Hefte vorbereitet, die die Jugendweihe-Teilnehmer zu Schuljahresbeginn erhalten.