Dieses Jahr hatte der Wriezener Carnevals Club (WCC) die Ehre, nach zwei Jahren Corona-bedingter Zwangspause die gemeinsame Rosenmontagssitzung der „närrischen acht“ auszurichten. Dabei handelt es sich um einen Verband der acht lokalen Karnevalsvereine im Oderland. Mitglieder sind der Altreetzer Karnevalsclub (AKC), der Falkenberger Carnevalclub (FCC), die Freienwalder Karnevalsgesellschaft (FKG), der Harnekoper-Sternebecker Carnevalclub (HSCC), der Kruger Carnevalsclub (KCC), der Neulewiner Karnevalclub (NKC), der Neuenhagener Carnevals-Club und natürlich der diesjährige Gastgeber, der WCC.
Für die Gäste wurde ein schwungvolles Unterhaltungsprogramm geboten. Nach dem Einmarsch und der Begrüßung der Gäste durch den WCC zeigten die Wriezener Funken und die Funkengarde ihren gelungenen Gardetanz. Auch der Showtanz der Funken des HSCC und der Gardetanz des KCC heizten die ohnehin gute Stimmung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle der Salvador-Allende-Schule weiter an. Laute „Zugabe, Zugabe!“-Rufe des Publikums waren die Folge. Die jüngsten Mitglieder des WCC, die Fünkchen, sorgten im Anschluss mit ihrem Showtanz im Stile indischer Bollywood-Filme für einen Schuss Exotik.

Trabantreifen mit „DDR-Luft“

Auch der folgende Gardetanz des NCC kam beim Publikum an. Anschließend wurde es etwas ruhiger, denn Uwe Webert, Nadine Postelt und Francesco Krienelke führten einen Sketch auf, in dem sich alles um eine Polizeikontrolle in einem Trabant drehte, dessen Reifen wohl noch mit „DDR-Luft“ gefüllt waren. Etwas ganz besonderes hat sich der FKG einfallen lassen: Die Funkengarde betrat zunächst in schwarzen Roben die Bühne, bevor sie mit ihrem „Geistertanz“ den Saal zum Kochen brachten. Einen ruhigeren Kontrapunkt mit Gesang und Akkordeon setzte das Duo Lucas und Laureen des FCC, bevor die Funken des NKC mit ihrem schwungvollen Showtanz das Publikum vor der Pause zum Klatschen brachten.

400 Euro für die Nachwuchsarbeit

Nach etwa 30 Minuten ging es dann unter dem Motto „jedes Jahr an Rosenmontag, da brennt im Oderbruch die Luft!“ mit dem Gardetanz der Rosenmontagsgarde, einer Formation aus Mitgliedern verschiedener Vereine, heiter weiter. Daraufhin überreichte der Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm auch im Namen seiner Kollegen aus Bad Freienwalde, dem Amt Falkenberg-Höhe und dem Amt Barnim-Oderbruch einen Gutschein im Wert von 400 Euro an Nick Schröter, Präsident des WCC, der den Abend souverän und schwungvoll moderierte. Ilm sagte, der Betrag „soll ein weiterer Ansporn sein“ für die gute Jugendarbeit, die in den acht Vereinen geleistet wird. Schröter entgegnete ihm: „Ich war zwar nicht die Leuchte in Mathe, aber 400 kann man ja ganz gut durch acht teilen.“
Im Anschluss bewies die alte Garde des FCC mit ihrer Tanzperformance, dass sie keinesfalls zum alten Eisen gehört. Christine Reichmuth und der Bad Freienwalder Bürgermeister Ralf Lehmann ließen es sich im Anschluss nicht nehmen, die obligatorische Büttenrede zu halten. Mit an Lehmann gerichteten Witzen begeisterte Reichmuth den Saal. „Wenn man dir ditt Bad aberkennt, dann biste nur noch Freienwalde“, meinte sie etwa zu dem Bürgermeister der Kurstadt – närrisches Gelächter schallte durch den Saal. Lehmann nahm es gelassen. Er war nicht der einzige Politiker vor Ort – auch die Bundestagsabgeordnete Simona Koß (SPD), der Amtsdirektor von Barnim Oderbruch Karsten Birkholz sowie der Amtsdirektor von Falkenberg-Höhe Holger Horneffer waren anwesend.

Körpereinsatz und viel nackte Haut

Im Anschluss gab es wieder Tanzaufführungen zu bestaunen: Die Präsidentengarde des AKC, die Mariechen des NCC und das Bauerballett des NKC trugen ihren Teil zur immer besser werdenden Stimmung im Saal bei. Danach folgten die Jahresendflügelpuppen des KCC, die sich als Mitglieder der Rockgruppe Kiss verkleidet hatten und Playback zu „I was made for loving you“ performten. Die darauffolgende Aufführung des Männerballettes der FKG erfolgte unter größtem Körpereinsatz und mit viel nackter Haut– am Ende ihrer schweißtreibenden Performance ließen die Herren die Hüllen fallen und standen nur in Unterhose bekleidet auf der Bühne.
„Wie kam man auf diese Kostüme?“, fragte Moderator Nick Schröter.„War es das knappe Budget? Oder wollte die Tanzlehrerin doch etwa mehr nackte Haut sehen?“, überlegte er laut – zur hörbaren Freude des Publikums. Doch langsam neigte sich das offizielle Programm dem Ende zu und wurde mit Showtänzen der Funkengarde HSCC und des WCC würdig und stimmungsvoll abgeschlossen.

Rückgabe des Wriezener Rathausschlüssels

Anschließend folgte noch die Verabschiedung. „Ich bitte alle Präsidenten, alle Fahnenträger auf die Bühne“, ruft Schröter in sein Mikrofon. Natürlich wurde auch der am 11.11. 2022 an den WCC überreichte symbolische Schlüssel zum Rathaus wieder ordnungsgemäß an den Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm übergeben. Gegen null Uhr war damit der offizielle Teil der Rosenmontagsgala beendet und der zwanglose Tanz in die Nacht begann – die letzten Gäste verließen erst um zwei Uhr die Turnhalle der Allende-Schule.
Am Dienstagvormittag folgte dann ab neun Uhr der Abbau, bei dem etwa 25 Mitglieder des WCC anpackten. Die Vorstandsvorsitzende Claudia Wesolek zieht jedenfalls ein positives Fazit: „Klar sind wir zufrieden. Stimmung war gut, Programm war gut, besser geht es nicht!“ Am Aschermittwoch endet dann das närrische Treiben vorerst. Die Wriezener Karnevalsfreunde müssen sich bis November gedulden, bis es wieder heißt: „Wriezen Helau!“