Karusseit: Bewegender Abschied im Herzen
Mit einer Lesung aus dem neuen Buch „Zugabe“ von Ursula Karusseit sollte am Sonntag die neue Spielzeit im „Theater am Rand“ in Zollbrücke beginnen. Stattdessen gab es dort eine bewegende und immer wieder von Heiterkeit geprägte Gedenkfeier.
„Klar, mit 79 Jahren kann man gehen. Aber doch nicht Usch“, hieß es am Sonntagnachmittag im „Theater am Rand“ in Zollbrücke. Und fast hätte man meinen können, Ursula Karusseit wäre noch da, so präsent war die bekannte und beliebte Schauspielerin in dem von einer Pause unterbrochenen fast dreistündigen Programm unter dem Titel „Wir erinnern uns. Eine Zugabe“.
Die Bühne war als Salon mit Sofa, Sesseln und Stühlen gestaltet, auf den Tischen standen neben Blumen auch Wasserkaraffen, Gläser und Naschereien. Und dann kamen sie: Carmen–Maja Antoni, Jens–Uwe Bogadtke, Matthias Brenner, Annekathrin Bürger, Louise Frost, Gabriele Gillen, Gabriele Gysi, Jutta Hoffmann, Manfred Karge, Herbert Köfer, Monika Lennartz, Angelika Mann, Uwe Matschke, Silvia Rieger, Wally Schmitt, Gisela Steineckert, Alexa Maria Surholt, Simone Uthleb, Jürgen Walter, Ursula Werner und natürlich Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann, die beiden Theatergründer.
Letzterer hatte ein Bild der jungen Karusseit dabei, das er an einen vorbereiten Nagel hängte. Es folgte ein erster Witz, erzählt von „Usch“, dem viele weitere folgen sollten, weil sie so gern Witze erzählte. Alexa Maria Surholt, Krankenhaus–Verwaltungschefin Sarah Marquardt in der ARD–Serie „In aller Freundschaft“, hatte sogar welche aus ihrer fränkischen Heimat dabei, denn Dialekt liebte Usch auch.
Auf einer Leinwand war sie immer wieder auch zu sehen — Porträts wechselten mit bewegten Bildern, darunter aus dem Wohnmobil auf dem Weg nach Zollbrücke, Szenen aus dem DDR–Film „Wege übers Land“ von 1968 und Aufnahmen, die anlässlich des 20–jährigen Bestehens des „Theaters am Rand“ erst vor wenigen Monaten entstanden sind.
Von Beginn an gehörte Ursula Karusseit dazu und nicht wenige im Publikum dürften sich wohl noch an die Anfänge im Fachwerkhaus nebenan erinnert haben. Zwischendurch aber doch immer wieder die Frage: Wer ist denn das? So las Simone Uthleb vom Eulenspiegelverlag eine Passage aus Karusseits posthum erschienen Buch „Zugabe“ — über Brechts „Witwen“. Silvia Rieger hatte sich mit Paul Celans „Gespräch im Gebirg“ offenbar vorgedrängelt. Und Uwe Bogadtke überraschte mit dem selbstverfassten Lied „Das passt zu Ursula Karusseit“ — eine Premiere und der Refrain einfach zum Mitsingen. Für alle.
Ehe es zu ernst wurde, kam wieder etwas Heiteres. Und natürlich waren sie da — die Tränen der Trauer und Rührung, die bei den Weggefährten im Bühnenlicht natürlich viel deutlicher zu sehen waren als die im Publikum. Einige Theatergäste hatten bereits Karten reserviert, als Ursula Karusseit noch lebte, andere bei der Ankündigung der Gedenkfeier über Facebook sofort reagiert und sich einige sogar kurzfristig eingefunden, obwohl die Veranstaltung als ausgebucht galt.
Änderungen im neuen Spielplan wird es, so kündigte Thomas Rühmann an, nicht geben, also auch wieder „Mitten in Amerika“ und „Siddhartha“ zu sehen sein — mit Kathleen Gaube, die hier bereits im vergangenen Jahr Vorstellungen für Ursula Karusseit übernommen hatte. Zwischendurch erklärte Matthias Brenner, dass er sich im „Theater am Rand“ wie in Uschs Herzen fühlt: „Ich bin sehr glücklich in Deinem Herzen — danke.“

