Kolonisten im Oderbruch
: Neulietzegöricke ist der angesagte Treff der Region

Beim Kolonistentag haben sich die Einwohner von Neulietzegöricke bei Bad Freienwalde wieder als gute Gastgeber erwiesen. Aber auch sonst gibt es dort viel zu erleben.
Von
Ulf Grieger
Neulietzegöricke
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"Lietze" ist und bleibt Kult: Das erleben auch die Veranstalter wie Horst Wilke, der jahrzehntelang dort Bürgermeister war und die Gäste durch sein Dorf führte.

„Lietze“ ist und bleibt Kult: Das erleben auch die Veranstalter wie Horst Wilke, der jahrzehntelang dort Bürgermeister war und die Gäste durch sein Dorf führte.

Ulf Grieger
  • Kolonistentag in Neulietzegöricke zog Gäste aus Oderbruch, Berlin und Frankfurt (Oder) an.
  • Das Dorf von 1753 bietet Hoffeste mit Handwerk, Küche, Gärtnern und Kunst – vieles privat organisiert.
  • Evangelische Gemeinde öffnete Kirche als Ort der Stille und veranstaltet kulturelle Konzerte.
  • Conny und Peter Nagel engagieren sich seit 20 Jahren, halfen auf dem Bensemannhof bei der Party.
  • Ausstellungen: Gundula Schubert im Gemeindehaus, Ulrich Zeutter am Pfarrhaus, Kalender von Niclas Baronsky.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn die Gemeinde und der Klub der Kolonisten zum Kolonistentag nach Neulietzegöricke laden, gibt es kein Halten mehr. So auch am 6. September. Das 1753 als erste Kolonie im trockengelegten Oderbruch entstandene Dorf lockt Gäste aus dem gesamten Oderbruch, aber auch aus Berlin, Frankfurt (Oder), Schwedt oder Eberswalde an.

Der Kolonistentag lebt von den vielen Angeboten und Initiativen auf den Höfen, die die Eigentümer selbst gestalten und für die sie sich auch Handwerker, Gärtner, Köche, und Künstler eingeladen haben.

Neben dem Klub der Kolonisten gibt es im Dorf auch eine sehr rührige evangelische Gemeinde, die zu diesem und vielen anderen kulturellen Ereignissen einlädt.

Liebe zum Dorf auf den ersten Blick

Mal ganz entspannt durchatmen und mit Kind und Kegel über die Höfe schnüren. Dort mal einkehren und da ein Schwätzchen halten. Das ist es, was den Kolonistentag in Neulietzegöricke ausmacht. Bei den üblichen Dorffesten finden sich vor allem die Einwohner der unmittelbaren Nachbarschaft ein. In Neulietzegöricke gehören neben Bad Freienwaldern und Wriezenern eben auch Seelower, Manschnower, Küstrin-Kietzer, Golzower, Letschiner und Gorgaster zu den Akteuren, wie die Manschnower Spritzkuchenfreunde, oder die Gärtnerei Arndt aus Küstrin-Kietz.

Vor allem aber macht es Spaß, mit den Kolonisten selbst ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wie es sich denn so in einem Ort wohnt, der weithin Kult ist und in dem sehr auf den Denkmalschutz geachtet wird. Erzählen kann davon zum Beispiel Conny Nagel.

Seit 20 Jahren in Lietze zu Hause: Conny Nagel hatte sich mit ihrem Mann Peter bei einem Tag des offenen Denkmal in das Kolonistendorf verliebt. Nagels gehören zu den Aktivposten im Ort.

Seit 20 Jahren in Lietze zu Hause: Conny Nagel hatte sich mit ihrem Mann Peter bei einem Tag des offenen Denkmals in das Kolonistendorf verliebt. Nagels gehören zu den Aktivposten im Ort.

Ulf Grieger

Viele Jahre lang hatten auch sie und ihr Mann Peter ihren Hof beim Kolonistentag geöffnet und waren selbst Gastgeber. Diesmal jedoch nicht. Was nicht bedeutet, dass Nagels die Hände in den Schoß gelegt haben. Sie waren auf dem Bensemannhof, dem Domizil des  Kolonistenclubs gleich in der Nähe zum legendären „Feuchten Willi“, aktiv. „Um halb sechs war die Nacht zu Ende“, erzählt sie. Denn es galt, Schmalzstullen zu schmieren und Chiche zu machen für die Party auf dem Hof. Während Peter mit anderen den Abwasch bewältigt, erzählt sie von ihrer Liebe zum Dorf.

„Vor mehr als 20 Jahren waren wir in Wulkow zur Hochzeitsfeier geladen und kamen zum Tag des offenen Denkmals erstmals nach Lietze. Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt sie. Seit 20 Jahren gehören sie nun schon zur Dorfgemeinschaft. Wo sie sich von Anfang an sehr stark engagiert haben.

Die Spinnfrauen von Lietze: Es ist eine alte Freundschaft, die die Frauen für ihr Hobby zusammengeführt hat. Denn Margot Kunze und Gisela Kadur haben früher zusammen in der Kita und beim Konsum gearbeitet. Renate Krause und Doris Schröder haben sichangeschlossen.

Die Spinnfrauen von Lietze: Es ist eine alte Freundschaft, die die Frauen für ihr Hobby zusammengeführt hat. Denn Margot Kunze (v.l.)  und Gisela Kadur haben früher gemeinsam in der Kita und beim Konsum gearbeitet. Renate Krause und Doris Schröder haben sich angeschlossen.

Ulf Grieger

Auf dem Gemeindehof sind die Spinnfrauen von Lietze aktiv: Es ist eine alte Freundschaft, die die Frauen für ihr Hobby zusammengeführt hat. Denn Margot Kunze (v.l.) und Gisela Kadur hatten früher gemeinsam in der Kita und beim Konsum, das war dort, wo heute das Kolonistencafé ist, gearbeitet. Renate Krause und Doris Schröder haben sich angeschlossen. Zu sehen sind sie so allerdings nicht zum Kolonistentag.

Kirche als Ort der Stille

Zu den Aktivposten im Dorf gehört auch der Gemeindekirchenrat. Gisela Sommer, Georg Bauer und Ulrich Zeutter hatten nicht nur die Eröffnungsandacht zum Kolonistentag in der Kirche vorbereitet, sondern boten ihre Kirche auch als Ort der Stille und der Einkehr an, während rundherum das lustige und laute Treiben des Kolonistentages brodelte.

Aber die Dorfkirche ist nicht immer so still. Denn sie ist oft auch ein beliebter Ort für kulturelle Veranstaltungen, die u.a. die Kirchengemeinde organisiert. So wird am 18. September ab 19 Uhr dort das Quintett „Atmah“ gastieren. Die Musiker präsentieren das Programm „Fünf Jahreszeiten“, bei dem sie Stücke von Antonio Vivaldi und von Astor Piazzolla in den Dialog bringen. Zudem ist Musik des syrischen Komponisten und Buzuq-Spielers Mervan Younes zu hören.

Am 27. September ist ab 16 Uhr das Ensemble Herrenhaus zu Gast. Das Programm des Männerchores steht unter dem Motto „Schönes Wetter heute“ und enthält Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten.

Entspannt für das Kolonistendorf: Bei Führungen mit dem Dorfschulzen Horst Wilke erfährt man auch viel Persönliches über die Oderbrücer.

Entspannt für das Kolonistendorf: Bei Führungen mit dem Dorfschulzen Horst Wilke erfährt man auch viel Persönliches über die Oderbrücher.

Ulf Grieger

Zu den Künstlern beim Kolonistentag gehört Gundula Schubert. Sie eröffnet im Gemeindehaus die Ausstellung „Land und Leute“ mit vielen Motiven aus dem Oderbruch. Der Maler Ulrich Zeutter stellt am Pfarrhaus aus und der in Eberswalde aufgewachsene Fotograf Niclas Baronsky aus Zelliner Loose präsentiert seinen neuen Kalender.