Lange Reise
: Auf der Walz nach Bad Freienwalde

Der Wandergeselle Ben aus Luxemburg arbeitet derzeit in Bad Freienwalde. Zwei Jahre und elf Monate ist er unterwegs.
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
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Auf  Wanderschaft: Tischlergeselle Ben (23) aus Luxemburg macht Station in einem Café in Bad Freienwalde.

Steffen Göttmann

Seit zwei Jahren und elf Monaten ist Ben auf der Walz. Quer durch Europa führte die Tour des Tischlergesellen aus Luxemburg, der seine Lehre jedoch in Köln absolviert hat.. In dieser Woche erreichte er Bad Freienwalde. Aktuell arbeitet Ben, der während der Wanderschaft seinen Nachnamen abgelegt hat, bei einem Forstdienstleister in Hohenwutzen. „In drei Wochen darf ich erstmals nach Hause zurückkehren“, sagt der 23–Jährige. Denn Wandergesellen unterliegen strengen Regeln. In der Zeit ihrer Wanderschaft dürfen sie sich ihrer Heimat nur bis höchstens 50 Kilometer nähern. Weil Luxemburg so klein ist, konnte er nicht einmal sein Heimatland besuchen.

„Ich klopfe bei den Betrieben an und frage, ob sie Arbeit haben“, berichtet Ben. Das klappt meist sehr gut. In der Regel bekomme er Logis und erhalte Tariflohn. Manchmal arbeite er auch für gemeinnützige Betriebe nur für Kost und Unterkunft.

Von Luxemburg aus zog Ben über Frankreich und Italien in die Schweiz, wo er lange gearbeitet und viel gelernt habe. Fast überhaupt keine Arbeit fand er dagegen in Italien, wo die Gesetze die Beschäftigung von Wandergesellen  den Betrieben fast unmöglich machten. Ben zahlt in der Regel keine Miete, so dass er gut mit seinen Einnahmen auskommt. Die Wege legt er meist per Anhalter zurück, was jedoch in Brandenburg nicht so gut klappe. „Da muss man mitunter länger warten“, sagt Ben.

Von den 500 bis 600 Gesellen, die unterwegs sind, seien viele in Vereinen, auch Schächte genannt, organisiert. Es gebe aber auch viele, die frei umherziehen, wozu er sich zählt. Im Sommer organisiere er in Fürstenwalde ein großes Treffen der Wandergesellen. „Da kommen bestimmt 100 Leute zusammen“, ist er sich sicher. Wenn er nach hause zurück kommt, will Ben die Meisterprüfung absolvieren und sich selbstständig machen.

Den Verlauf der Wanderschaft dokumentiert Ben in seinem Wanderbuch. Um die Stationen nachzuweisen, holt er sich Stempel in den Rathäusern. Die Arbeitgeber spiegeln sich wider, wie auch das, was er von ihnen gelernt hat.