Onlinelesung
: Theater am Rand in Zollbrücke in der Krise digital

Mit der Lesung „Die Entdeckung der Langsamkeit“ mit Sten Nadolny geht das Theater am Rand ausnahmsweise online.
Von
Jörn Kerckhoff
Zollbrücke
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  • Der Autor und der Redakteur beim Fachsimpeln: Sten Nadolny (links) bespricht die Aufnahmen für die kurzen Sequenzen der Lesung im Theater am Rand mit Jens-Uwe Korsowsky vom MDR.

    Der Autor und der Redakteur beim Fachsimpeln: Sten Nadolny (links) bespricht die Aufnahmen für die kurzen Sequenzen der Lesung im Theater am Rand mit Jens-Uwe Korsowsky vom MDR.

    Wolfgang Rakitin
  • Unterhaltung ist wichtig: Sten Nadolny (rechts) las am Dienstag aus seinem Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit". Tobias Morgenstern (links) und Thomas Rühmann begleiteten ihn musikalisch.

    Unterhaltung ist wichtig: Sten Nadolny (rechts) las am Dienstag aus seinem Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit". Tobias Morgenstern (links) und Thomas Rühmann begleiteten ihn musikalisch.

    Wolfgang Rakitin
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„Die musikalische Lesung des Buches haben wir seit Anbeginn des Theaters am Rand  im Repertoire“, erzählt Uwe Wolf, Pressesprecher des kleinen Theaters in Zollbrücke. Nadolny selbst habe aber erst im vergangenen November Zeit gefunden, sich die Aufführung seines Werkes, in dem er das Leben des britischen Polarforschers John Franklin widerspiegelt, anzuschauen. „Er war begeistert und hat erzählt, dass er seinen eigenen Text neu für sich entdeckt habe“, so Wolf.

Kamera statt Publikum

Daraus habe sich dann auch die Idee zur Lesung des Autors im Theater am Rand ergeben. Eigentlich sei diese für den 24. April geplant gewesen — mit Publikum. Dieser Plan wurde durch die Corona–Krise gekippt. Die Lesung selbst aber nicht. Nadolny habe sich nach Ausbruch der Krise bei Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann gemeldet und gefragt, ob er irgendwie helfen könne. So sei die Idee entstanden, die Lesung aufzunehmen und per Facebook, Instagram und YouTube zu verbreiten.

„Wir selbst haben nicht die technischen Möglichkeiten dafür“, räumt Wolf ein. Das sei aber auch genauso gewollt. „Der digitale Weg ist eigentlich nicht unserer. Wir wollen die Leute wegholen von PC und Handy und stehen für das Handgemachte. Alle Veranstaltungen finden ohne Technik statt. Außerdem haben wir hier draußen gar kein WLAN“, führt Wolf Gründe an, warum der Weg des Theaters am Rand nicht digital sein soll und kann.

Die Gelegenheit, eine Lesung mit Sten Nadolny aufzunehmen, wollte man aber dennoch nutzen. Durch seine guten Kontakte zum MDR sei es Thomas Rühmann schließlich gelungen, diesen Sender zu gewinnen. Der schickte ein Team, das die Lesung in kurzen Sequenzen aufnahm. Außer aus der „Entdeckung der Langsamkeit“ las Nadolny noch aus „Das Glück des Zauberers“, „Er oder ich“ und aus „Grauband“ ein bislang noch unveröffentlichtes Buch, in dem mehrere Autoren ihre Erlebnisse der Nachwendezeit schildern. Mit diesem Buch will Nadolny am 9. August nochmal ins Oderbruch kommen und vorlesen — dann hoffentlich wieder vor analogem Publikum.

Auch Unterhaltung wichtig

Die Lesesequenzen sind in den kommenden Wochen über die digitalen Kanäle zu sehen, dazu gibt es auch noch irische Witze, die Thomas Rühmann und Walfriede Schmitt erzählen. „Wir nutzen unsere bescheidenen Möglichkeiten, um mit kleinen Maßnahmen im Bewusstsein der Menschen zu bleiben“, erklärt Uwe Wolf. Große Hilfe könnten sie in der Corona–Krise nicht leisten, aber ein wenig unterhalten. Die Beiträge sind über die Internetseite www.theateramrand.de abrufbar.

Der MDR zeigt heute Abend einen Beitrag über die Lesung von Sten Nadolny in seinem Kulturmagazin „artour“ ab 22.05 Uhr.