Ute Boeckholt, Leiterin des Saatgut- und Permakulturgartens in Alt Rosenthal, Ortsteil von Vierlinden, bei Seelow, führt ein halbes Dutzend Seminarteilnehmer über ihr Grundstück. Das sind 3500 Quadratmeter Garten, eingeteilt in durch Hecken getrennte Parzellen. Mit den schnurgeraden Beeten eines Kleingartens hat das nichts zu tun. Neben Gemüsepflanzen gedeihen Wildkräuter und Gräser. Die scheinbare Unordnung ist jedoch gewollt.
„Permakultur ist kein geschützter Begriff, aber er verbindet die zwei Worte permanent und agriculture. Es geht dabei darum, über Jahrhunderte ausreichend zu ernten, ohne Böden zu zerstören oder Pflanzen und Tiere zu beschädigen. Das kann man durch das Schaffen von dauerhaften naturnahen Kreisläufen erreichen“, erläutert Ute Boeckholt.

Bei der Permakultur der Boden im Mittelpunkt

Der Garten werde als ein gesamtes natürliches System aus Pflanzen, Mikroben und Tieren gesehen, in dem man behutsam wirtschaftet. Dabei stehe der Boden im Mittelpunkt. Die Gärtnerin sorgt dafür, dass der Boden überall mit absterbendem organischem Material bedeckt ist.
Nachhaltig düngen heißt, auf mineralischen Dünger verzichten. Mulchen ist dagegen das Zauberwort. Es sorgt für Feuchtigkeit und bildet Humus. Ute Boeckholt spricht vom „Dschungelprinzip“. Was von oben herunterfällt, bleibt liegen, bildet Humus und erzeugt üppige Vielfalt und gibt vielen Tieren eine Lebenswelt.

Heimische Gemüsesorten brauchen mehr Pflege

Allerdings, gibt sie zu, ganz ohne Eingriff geht in die Natur es dann doch nicht. Viele heimische Gemüsesorten überleben nicht, wenn sie von anderen Pflanzen unterwandert oder überwuchert werden. Sie brauchen ein gewisses Maß an Pflege. Zudem sind Schläuche ausgelegt, um die Gemüsepflanzen in der Sommerhitze tröpfchenweise zu wässern. Sie werden reihenweise gepflanzt.

Mit einem „aufgeräumten“ Kleingarten aufgewachsen

„Wir haben einen kleinen Garten neben dem Haus und uns Hochbeete angelegt“, sagt Katja Felsmann aus Trebnitz, eine der Teilnehmerinnen des Lehrgangs. Dort gedeihen unter anderem Tomaten und Mangold.
Sie habe zwei kleine Kinder und eigentlich wenig Zeit, sich ständig um den Garten zu kümmern, fügt Katja Felsmann hinzu. Sie sei mit einem Kleingarten aufgewachsen, der ihre Vorstellung vom Gärtnern geprägt habe. Dort müsse immer alles ordentlich sein und aufgeräumt werden. Mit Blick auf die Insekten habe sie bereits Kapuzinerkresse angebaut. Das Seminar habe ihr gezeigt, dass sie guten Gewissens Schnitt und Laub liegen lassen kann.

Premiere für Schloss Trebnitz

Wir haben erstmals einen solchen Lehrgang angeboten“, sagt Susen Hollmig, Koordinatorin der Heimbildungsstätte des Bildungs- und Begegnungszentrums Schloss Trebnitz. „Seit Jahren gehe die Anzahl der Insekten und Vögel stark zurück und der Humusgehalt der Böden sinkt in besorgniserregender Geschwindigkeit“, heißt es in der Ankündigung.
Dörfer, landwirtschaftliche Nutzflächen, selbst die Grünflächen und meisten Zier- und Gemüsegärten der Wohnhäuser seien „aufgeräumt“ und „sauber“ und bieten kaum Nahrung und Schutz für Tiere. Die Permakultur biete in dieser Hinsicht durch eine bestimmte Wirtschaftsweise und weitgehend heimische Pflanzenauswahl Ansätze für mehr Nachhaltigkeit und naturnahe Gärten.

Nach zwei Stunden Theorie kam die Praxis

Am Vormittag startete das Seminar mit zwei Stunden Theorie im Schloss Trebnitz. Anschließend fuhren die Teilnehmer mit Ute Boeckholt, die den Lehrgang leitete, nach Alt Rosenthal, um die Theorie in der Praxis nachvollziehen zu können. „Bei anderen Seminaren haben wir praktische Arbeiten direkt im Garten vorgenommen, zuletztt im September“, berichtet Ute Boeckholt.

Gärtnerei gehört der „Samen-Bau Nordost-Kooperative“ an

Der Betrieb von Ute Boeckholt lebt nicht vom Verkauf des Gemüses, sondern des Saatgutes, das daraus gewonnen wird. Er gehört der „Samen-Bau Nordost-Kooperative“ an, ein Zusammenschluss von mehreren Gärtnereibetrieben, die die biologische Saatgutvermehrung von Gemüse, Zierpflanzen und Kräutern betreiben.

Robuste Sorten für Privatgärtner, Selbstversorger und Direktvermarkter

Vornehmlich bauen sie alte Sorten, Raritäten und Wildpflanzern an. „Ihr Ziel sei es, Privatgärtnern, Selbstversorgern, Direktvermarktern gute Sorten zur Verfügung zu stellen, die dem hiesigen Standort angepasst sind, freilandtauglich und robust sind sowie einen guten Geschmack und ein schönes Ausspähen haben. Alte Sorten seien besser geeignet als moderne, die für die industrielle einmalige Ernte gezüchtet werden“, heißt es auf dem Faltblatt der Kooperative.
Die Seminarreihe mit Ute Boekholt wird fortgesetzt: Am 12. November von 10 bis 16 Uhr geht es um die „Saatgutgewinnung im eigenen Garten“. Anmeldung: Susen Hollmig, Telefon 033477 519 18, E-Mail: hollmig@schloss-trebnitz.de