Schriftsteller aus Bad Freienwalde: Schreibende Schüler gedenken Jugend in der DDR

Lesung: :Marianne Beise, die zu den ersten „Schreibenden Schülern" gehörte, liest anlässlich des bundesweiten Vorlesetages 2017 einer dritten Klasse der Käthe-Kollwitz-Grundschule in Bad Freienwalde vor.
Steffen Göttmann- Der Zirkel „Schreibende Schüler“ feiert 50-jähriges Jubiläum am 12. April 2025 in Bad Freienwalde.
- Gegründet 1975 von Hildegard und Siegfried Schumacher, viele ehemalige Mitglieder erinnern sich.
- Marianne Beise und Ralph Biesdorf betonen die fördernde Atmosphäre des Zirkels.
- Treffen und Lesungen prägen die Veranstaltung, die auch öffentlich zugänglich ist.
- Berliner Verein Wortbau führt die Arbeit des Zirkels weiter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Schriftsteller-Ehepaar Hildegard (1925-2003) und Siegfried (1926-2018) Schumacher aus Bad Freienwalde hat vor 50 Jahren den Zirkel „Schreibender Schüler" ins Leben gerufen. Ihre Schüler von damals organisieren aus diesem Grund ein Treffen in Bad Freienwalde, wo die Bewegung in der DDR ihren Anfang nahm.
Marianne Beise aus Angermünde, aufgewachsen in Hohenwutzen, und Ralph Biesdorf aus Falkenberg gehören zu den „Schreibenden Schülern“ der ersten Stunde und erinnern sich an die Zeit als Jugendliche in der DDR.
Bei Talentausscheiden aufgefallen
„Im September 1974 öffnete das Kreiskulturhaus ‚Alexander Puschkin‘ im Schloss Freienwalde das erste Mal seine Türen für fünf Mädchen, hoffnungsvoll erwartet vom Schiffstellerehepaar Hildegard und Siegfried Schumacher", berichtet Marianne Beise. Bei Talentausscheiden an Schulen waren sie aufgefallen mit ihren Gedichten und Geschichten.

Prägten Generationen von Jugendlichen: Der-Schriftsteller Siegfried Schumacher (1926-2018) in seinem Arbeitszimmer im Jahr 2008 und seine.Frau Hildegard (1925-2003).
Hannelore Siebenhaar„Dies war die Geburtsstunde des Zirkels ‚Schreibender Schüler Bad Freienwalde‘. Dass aus ihnen durch einfühlsame Förderung mal Künstlerinnen werden würden, war nicht vordergründig. Freude am Schreiben war wichtig, so wie Dietmar Schade es dichtete: „Der Poet ist ein Athlet, zwar nicht im Sport, jedoch im Wort", ergänzt die Angermünderin, die heute noch dichtet, Bücher herausgibt, Lesungen organisiert und sich im Vorstand der Uckermärkischen Literaturgesellschaft engagiert, Ihr Berufsweg war ein anderer. Sie war lange Jahre Amtsleiterin, Kämmerin und stellvertretende Bürgermeisterin in Bad Freienwalde. Ihr Bruder Dietmar Schade folgte später in den Zirkel.
Die ersten Zirkelmitglieder waren neben Marianne Beise und Ihrer Schwester Charlotte Thürling, beide geborene Schade, Sabine Buchholz, Annette Prinz, Marion Hader, danach kamen Ralph Biesdorf, Martin und Jürgen Dexheimer sowie Carmen Winter, die als Schriftstellerin bekannt ist. Ralph Biesdorf schrieb Geschichten. Aktuell schreibt er nicht mehr, arbeitet als IT-Techniker im Amt Barnim-Oderbruch. Die Lebensumstände mit Familie und Beruf lassen es zurzeit nicht zu.
Gespräche vom Humanismus geprägt
„Ich wäre ein anderer Mensch geworden, wäre ich nicht im Zirkel gewesen und hätte die Schumachers nicht gekannt", sagt Biesdorf nachdenklich. Eine linientreue Indoktrination habe seitens der Schumachers nie stattgefunden, so Marianne Beise und Ralph Biesdorf. Vielmehr habe das Ehepaar einen Raum für freies Denken geschaffen. „Es war schon etwas Besonderes, wir haben mit den Schumachers über Themen gesprochen, mit denen wir mit unseren Eltern nie geredet hätten“, ergänzt er. Fasziniert waren sie von den humanistischen Ansätzen, die Schumachers versucht haben, ihnen näherzubringen. „Wir wurden geformt, nicht bevormundet“, betont Beise.
Was das Schriftsteller-Ehepaar bewogen hat, sich den Schülerinnen und Schülern zu widmen, können die Beiden nur ahnen. Sie hatten den Lehrerberuf an den Nagel gehängt und wollten auf diese Weise die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wieder aufnehmen. Die Schumachers waren aber mehr wie Eltern als Lehrer. Bei ihnen gab es immer etwas zu essen, die Jugendlichen durften rauchen.
Erste Schreibwerkstatt im Winter 1975 in Frankfurt (Oder)
In den Zirkelstunden lasen die Schülerinnen und Schüler den Schumachers selbst geschriebene Texte vor, die das Ehepaar rezensierte. Zuerst kam das Lob, dann hagelte es mitunter Kritik, gefolgt von Anregungen, wie sie sich verbessern können. „In den Winterferien 1975 fand das erste Spezilager statt, eine Woche Schreibwerkstatt zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus Zirkeln in Schwedt, Frankfurt, Seelow, Eisenhüttenstadt … in den Räumen der Sprachheilschule in Frankfurt“, erinnert sich Marianne Beise.
Für weit mehr als hundert junge Menschen seien Zirkel und Spezilager unverrückbare Institutionen in ihrer Freizeit, ihrem Terminkalender und ihrer Entwicklung gewesen. „Sie haben Verseschmiede hervorgebracht, Romanschreiber, Poetryslamer, Literaturpreisträger, Schriftsteller und was das Wichtigste ist: wache Menschen und viele Freundschaften über diese lange Zeit hinweg“, berichtet Marianne Beise.
Stolz über abgedruckte Gedichte im Neuen Tag
Für die Schüler war es Lob, Ehre und Anerkennung ihr selbstgeschriebene Gedicht gedruckt in einem Heft, im Freienwalder Heimatkalender, im Neuen Tag zu lesen, im Radio zu hören (und da gab es sogar Geld dafür), die eigene Geschichte vor Leuten vortragen zu können, auch im Fernsehen bei „Wie wärs?“. Fahrten des Zirkels führten nach Weimar an die Wirkungsstätte Goethes und Schillers, nach Buchenwald, nach Auschwitz, nach Görlitz, Spezilager gab es in Grünheide, in Biesenbrow, Gartz, in Bad Freienwalde in der Jugendherberge am Teufelssee. Schreibende Schüler nahmen an den zentralen Poetenseminaren der FDJ teil und waren Gäste beim Schriftstellerverband in Frankfurt. Die Arbeit der Zirkel „Schreibender Schüler“ wird vom Berliner Verein Wortbau weitergeführt.
Am 12. April um 14 Uhr reffen sich viele Ehemalige wieder. Die Konzerthalle bietet Raum für Begegnung und ab 14 Uhr eine öffentliche Lesung aus Texten von damals und heute.



