Seniorenbetreuung
: Alte Menschen mobil halten

Zwölf Ehrenamtliche, die ältere Menschen in Wriezen und Bad Freienwalde begleiten, haben eine besondere Schulung absolviert.
Von
Anett Zimmermann
Wriezen/Bad Freienwalde
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Kleine Helfer aus dem "Zauberbeutel": Ingrid Deutschland und Dagmar Reichmuth (r.) zeigen, mit welch einfachen Mitteln Spaß an der Bewegung im Alter geweckt werden kann. Auch Schwämme und Tücher eignen sich als "Sportgerät".

Anett Zimmermann

Sturzprävention mit André Schulze von der AOK Nordost steht am Dienstag noch als Thema der Fortbildung für Ehrenamtliche zur Bewegungsförderung im hohen Alter in den Räumen der Diakonie-Sozialstation am Wriezener Marktplatz auf dem Programm. Für den letzten der vier Tage, an dem es auch die Zertifikate geben soll, haben die Verantwortlichen unter anderem den Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm und dessen Amtskollegen Ralf Lehmann (beide CDU) eingeladen. Schließlich begleiten die zwölf Ehrenamtlichen des Diakonischen Werks Oderland-Spree, das jetzt auch Netzwerkpartner der Initiative „Lange mobil & sicher zu Hause“ ist, bereits seit mehreren Jahren ältere Menschen in beiden Städten.

Alexa Ziegler, Bereichsleiterin der Diakonie-Pflegekette, dankt den Teilnehmern, dass sie für andere da sind. Zeit zu schenken, sei nicht selbstverständlich. Aber auch in Seelow gebe es einen großen Kreis an Ehrenamtlichen, so dass bereits an eine weitere Schulung im nächsten Jahr gedacht wird. Bewegung gelte heute fast als Allheilmittel, sagt sie und erinnert unter anderem daran, dass die aktivierende Pflege seit den 1980er-Jahren zunehmend Bedeutung erlangt habe. Bewegung sei gut für Körper und Geist.

Regelmäßig praktiziert, seien zum Teil sogar verloren geglaubte Fähigkeiten reaktivierbar, so Alexa Ziegler. Während Jugendliche Mobilität oft mit Freiheit gleichsetzen, verbinden Ältere damit vor allem ein selbstbestimmten Leben möglichst lange in den eigenen vier Wänden. Umso wichtiger sei es, Bewegung in den Alltag einzubauen. „Das Bewusstsein dafür ist da, aber es soll natürlich Spaß machen.“

Den hatten sichtlich auch die Teilnehmer, die – wie Heike Seyfarth, Projektkoordinatorin bei der Diakonie, berichtete – noch vor Weihnachten eine Idee umsetzen wollen: Kaffee mit Bewegung, immer dienstags für zwei Stunden in Wriezen. Die Diakonie arbeite bereits seit 2003 mit Ehrenamtlichen. In Wriezen seien es zurzeit 30, etwa 20 in Bad Freienwalde und noch einmal rund 30 in Seelow. „Wir bekommen häufig Anrufe älterer Menschen, die raus möchten, mal spazieren gehen.“ Doch oft seien die Erwartungen hoch und die Einschränkungen bereits groß. „Da gilt es, kleine Ziele zu setzen, um die Menschen zu mobilisieren.“

Zahl Hochaltriger steigt

Ingrid Witzsche, Projektkoordinatorin der seit 25 Jahren bestehenden Akademie 2. Lebenshälte, verwies auf viele „Hingeh-angebote“, aber auch auf die wachsende Zahl hochaltriger Menschen über 85 Jahre. Nach einem Sturz oder bei Schmerzen würden Senioren oft aber nicht mehr rausgehen, weil sie Angst haben. „Das heißt, wir brauchen Leute vor Ort“, sagt Ingrid Witzsche und verweist auf den unter anderem vom DRK in Baden-Württemberg angebotenen „Aktivierenden Hausbesuch“. In Brandenburg gebe ganz unterschiedliche lokale Träger, die sich über das Netzwerk „Lange mobil & sicher zu Hause“ auch regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen. Der sei ihnen ebenfalls wichtig, wurde von Teilnehmern der Schulung in Wriezen hervorgehoben.

Wachsendes Netzwerk

Das landesweite Netzwerk für mehr Bewegung im hohen Alter, in dem Ehrenamtliche im Rahmen ihrer Besuche beziehungsweise der Begleitung von Gruppen hochaltriger Menschen den Aspekt der Bewegung verstärken, besteht seit 2015. Initiiert durch den Förderverein Akademie 2. Lebenshälfte mit Sitz in Teltow und die AOK Nordost und unterstützt durch das Sozialministerium des Landes Brandenburg gibt es bereits in zehn Kreisen und an 25 Standorten engagierte Partner sowie motivierte und geschulte Gruppen Ehrenamtlicher, die mit ihren Aktivitäten zu mehr Lebensfreude, Wohlbefinden und Selbständigkeit alter Menschen, die zu Hause leben, beitragen. Märkisch-Oderland ist jetzt neu dabei.⇥red

Internet: www.lange-mobil-und-sicher-zu-hause.de