Tour de Tolerance: Initiator aus Altranft ausgezeichnet – wohin geht es 2024?

Ausgezeichnet: Günter Grützner (3.v.l.) wird als Initiator der „Tour de Tolerance“ im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Laudator ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (l.)
Frank Sonnenberg/bpb/bundesfotoDer Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für Politische Bildung zeichnet seit 2017 jährlich erfolgreiche zivilgesellschaftliche Projekte aus, die das Grundgesetz im Alltag auf kreative Weise mit Leben füllen und damit die aktive Demokratie gestalten und Toleranz in der Gesellschaft fördern.
Ziel sei es laut der Bundeszentrale für Politische Bildung, „bewährte und erfolgreiche Projekte zu würdigen und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen“. Gesucht seien „Vorbilder und Erfolgsgeschichten der engagierten Zivilgesellschaft“.
Auszeichnung in der Kreuzeskirche in Essen
Die Preisträger für den Wettbewerb von 2023 sind am 22. Juni (Sonnabend) in der Kreuzeskirche in Essen ausgezeichnet worden. Unter den 65 Preisträgern aus der ganzen Bundesrepublik war Günter Grützner aus Altranft. Er wurde für sein Engagement als Initiator der Tour de Tolerance ausgezeichnet und mit 2000 Euro Preisgeld belohnt. Grützner hat die Radtour 2001 in Zusammenarbeit mit der damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Bierwirth ins Leben gerufen: „Wir wollten ein Zeichen setzen.“
Die große Masse der Menschen muss dem kleinen Haufen von Idioten zeigen, dass sie nicht recht haben“, sagte der 75-Jährige im August 2023 gegenüber moz.de. Die Initiatoren wollten damals beweisen, dass Eberswalde „keine rechte Hochburg“ ist. Auf der Stadt lastete das Image, seit dort der Angolaner Amadeu Antonio am 6. Dezember 1990 von einer Gruppe rechtsextremer Skinheads und rechtsorientierter Jugendlicher getötet worden war. Mehr als 1000 Menschen nahmen 2001 etappenweise an der Tour von Eberswalde zur Bundesgartenschau nach Potsdam teil.
Politische Fahrraddemonstration als Zeichen der Toleranz
„Das Projekt „Tour de Tolérance“, ausgehend von einer Gruppe Engagierter aus Bad Freienwalde in Brandenburg, ist eine politische Fahrraddemonstration, die an einen rassistischen Anschlag von 1990 in Eberswalde erinnert und öffentlich ein Zeichen für Toleranz und Mitmenschlichkeit setzen will", heißt es in der Laudatio, die der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh hielt. Unter dem Motto „Gemeinsam Stärke zeigen“ findet die Tour seit 2001 jährlich im September statt ,Ausrichterin ist jedes Jahr eine andere Gemeinde Brandenburgs. An der Tour nehmen seit 2001 jährlich 150 bis 1.200 Radfahrerinnen und Radfahrer teil.
An der Vorbereitung und Durchführung beteiligen sich Vertreter der jeweiligen Kommune, aber auch Institutionen wie der Internationale Bund Neuenhagen, das THW Brandenburg, die Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg, die Bundespolizei sowie regionale Kranken- und Sparkassen und weitere Behörden und Unternehmen der Region.“ Seit dem ersten Start der „Tour de Tolérance“ am 22. September 2001 haben insgesamt rund 9.000 Radfahrer 1.800 Kilometer für den Gedanken der Tour zurückgelegt. Kern der Organisatoren sind Günther Grützner, Bodo Böhlemann aus Bernau und Hedelinde Benzinger, ehemalige Mitarbeiterin von Petra Bierwirth, die von 1998 bis 2009 Bundestagsabgeordnete war.
Dreh- und Angelpunkt der nächsten Tour ist Falkensee
Die Vorbereitung für die „Tour de Tolerance“ 2024 am 14. September läuft bereits auf Hochtouren. Dreh- und Angelpunkt ist diesmal Falkensee (Havelland). Von dort geht es nach Paaren im Glien, dann nach Nauen, Ketzin, Elstal und zurück nach Falkensee. „Ich wünsche mir, dass sie bald wieder in unsere Region zurückkehrt“, sagt Grützner. Zuletzt startete sie 2015 in Altranft und führte über Bliesdorf zum Ausgangspunkt zurück.

Tour de Tolerance 2019: die richtige Größe? Günter Grützner reicht einem Nachzügler beim Stopp in Rüdersdorf ein Tour-T-Shirt.
Uwe SprangerFür Grützner, der nicht einmal weiß, wer ihn zu dem Wettbewerb angemeldet hat, ist die Ehrung des „vorbildlichen zivilgesellschaftlichen Engagements“ eine Bestätigung. „Ich habe irgendwann einmal eine Anfrage bekommen, eine Projektbeschreibung zu schicken“, berichtet er. „Ich freue mich natürlich über den Preis, weil offensichtlich jemand gemerkt hat, dass es Arbeit ist und nicht nur Spaß macht“, so Grützner und fügt lachend hinzu: „Es macht aber auch Spaß.“ In der Regel werde im Dezember der jeweilige Ort bestimmt. „Und im März fangen wir mit der Organisation an“, berichtet er.


