Das Interview mit der Chefin der Bad Freienwalde Tourismus GmbH, Ilka Krüger, vom vergangenen Wochenende hat viele Reaktionen hervorgerufen. Marie-Theres Suermann vom Freundeskreis Schloss Freienwalde findet, die Aussage, das Moor allein nicht ausreiche völlig richtig. "Das kann man nur unterschreiben." Aber: "Deswegen sind aber auch Produkte wie Moorbier, Schokolade, Liköre oder Brände ganz nett, aber marginal." Die Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal sei völlig richtig und notwendig, so Marie-Theres Suermann.
Nur verwundert sie, dass das in Angeboten für Familie, Erlebnis, Naturtourismus oder Aktivurlaub gefunden werden soll. "Das alles sind keine Alleinstellungsmerkmale. Man kann diese Angebote in zahlreichen anderen Orten finden. Aber welcher der Kurorte in Brandenburg kann mit zwei Schlössern aufwarten? Eines mit aktivem bürgerschaftlichen Engagement betrieben, das andere das Schloss von Walther Rathenau, ein Ort der Demokratiegeschichte." Hinzu kommt das Kurhaus von Langhans. "Ich fürchte manchmal, dass nur wenige wissen, welcher Schatz da im Kurpark steht."
"Kulturferne" angemahnt
Darüber hinaus habe Bad Freienwalde ein wunderschönes Rathaus, so Marie-Theres Suermann weiter, mit repräsentativem Marktplatz und alter gotischer Kirche sowie einem weitgehend intakten Stadtkern. "Die Kulturferne, die aus dem Interview mit der Tourismus GmbH spricht, hat mich erschreckt. Sie findet sich auch in der Tatsache wieder, dass der Oderbus, eine im Prinzip hervorragende Idee, zwar unterhalb von Schloss Freienwalde her fährt, aber nicht darauf hinweist oder das Schloss irgendwie erwähnt." Natürlich müssten Wanderwege und entsprechende Angebote ausgebaut werden, aber das seien Grundvoraussetzungen und keine Alleinstellungsmerkmale.
Dass dennoch etwas für die touristische Infrastruktur getan werden muss, fordert Hans Cender aus dem Freienwalder Ortsteil Hohenwutzen. Der Oderradwanderweg liegt im besonders am Herzen. "Die Oderstraße in Hohenwutzen wurde seinerzeit als ortstypische Verbindungsstraße als Spielstraße gebaut. Der Radwanderweg sollte durch den Ort geführt werden. Deshalb waren auch Rad- und Fußgängerverkehrszeichen dort, wo ein gefahrarmes Passieren gewährleistet werden sollte, aufgestellt worden. Dieser Radwanderweg wurde mit Zustimmung der Stadt am Ortseingang gesperrt, die Schilder wurden abgerissen und der Fahrradweg unterbrochen", ärgert er sich. "Die verkehrsberuhigte Zone wurde in eine Mischstraße umgewandelt, wo offensichtlich die Touristen ausgesperrt werden sollten. Jetzt quälen sich tausende Autos, wie eine Verkehrszählung ergeben hat, durch den Ort beziehungsweise die Oderstraße. Viele Fahrradtouristen finden die Gegend an der Oder sehr schön. Und können nicht begreifen, das woanders in Europa der Fahrradtourismus gefördert und hier behindert oder vergrault wird." Hunderte von Fahrradtouristen befahren die Ortslage Hohenwutzen. Aber, so Cender: "Die Werbetafeln der Stadt fallen fast auseinander und machen keinerlei Werbung für die Stadt." Trotzdem bleibt Marie-Theres Suermann dabei: "Die erwähnte Identifikation mit der Heimat entsteht nicht allein durch Wanderwege, sondern auch durch ein intensives Erleben der Stadt und ihrer Geschichte!" Aus diesem Grunde habe ja auch die Stadt enorme Anstrengungen unternommen, um den Stadtkern weiter zu beleben und zu strukturieren und deshalb das Postgebäude angekauft. "Auch der Bahnhof sieht bald einer glanzvolleren Zukunft entgegen." Dass zur Stadt aber auch die Ortsteile gehören, unterstreicht der Hohenwutzener Cender. "Die Tourismus GmbH sollte unbedingt in ihre Überlegungen die Ortsteile mit einbeziehen. Etwas, das zurückliegend abgelehnt wurde und wo alle aktiven Personen, die mit Tourismus was zu tun hatten, versagt haben, so sein bitteres Resümee.