Wanzen: Lästige Tierchen zu Besuch

Mit einem Insektenbestimmungsbuch in der Hand: Hans Domnick wohnt in der Bad Freienwalder Waldstadt und ist am Mittwoch froh über eine Regenpause. Das zuletzt sonnige Wetter hatte zahlreiche Wanzen an die Hausfassade und ins Innere gelockt.
Anett ZimmermannHans Domnick wohnt in der Bad Freienwalder Waldstadt. Am Montag stand er etwas ratlos in der Lokalredaktion dieser Zeitung. Was man denn gegen diese lästigen kleinen Tierchen machen könne, die jetzt häufig an den Fassaden zu entdecken sind. „Da kann man ja nicht einmal mehr lüften“, meinte er. Und so hänge beim ihm noch der Mittagsdunst vom Vortag in der Wohnung.
Der Rentner meint Wanzen, genauer zwei Arten, die derzeit vermehrt in Wohnungen und Häuser kommen, ist sich Angelika Weirauch vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) mit Sitz in Müncheberg sicher. Erst vor wenigen Tagen habe sie mit ihrer Kollegin Mandy Schröter eine ähnliche Anfrage für die WDR-Sendung „Quarks“ beantwortet. Bei den lästigen Tierchen handelt es sich demnach um die Amerikanische Kiefernwanze Leptoglossus occidentalis (Heidemann 1910) und die Graue Gartenwanze Rhaphigaster nebulaosa Poda 1761.
Wärme lockt in die Häuser
„Meist wollen die Leute zu diesen beiden Wanzenarten Informationen bekommen“, erklärt Angelika Weirauch und fügt hinzu: „Oft wird gedacht, dass diese schädlich sind oder durch unzureichende Hygiene ins Haus gelangen. Dem ist aber nicht so.“
Dass die beiden Wanzenarten gerade jetzt in Wohnungen und Häuser kommen, hänge mit ihrer wärmeliebenden Natur und den sinkenden Außentemperaturen in den Herbstmonaten zusammen. „So wie wir uns dann lieber ein warmes Plätzchen suchen, tun es uns die Wanzen gleich“, erläutert die technische Assistentin am SDEI. Es sei ein typisches Phänomen für diese Jahreszeit. „Für uns Menschen ist das vermehrte Eindringen der Tiere in unsere Behausungen vielleicht hin und wieder lästig, jedoch ansonsten völlig ungefährlich“, macht Angelika Weirauch deutlich. Da beide Wanzenarten an Pflanzen saugen, können sie keine Krankheiten auf den Menschen übertragen.
Es müsse also niemand in Panik geraten, wenn die Wanzen zu „Besuch“ kommen. „Wer sich von ihnen im Haus dennoch gestört fühlt und etwas gegen sie tun möchte, dem raten wir aber von einem Vorgehen gegen die Tiere mittels Insektiziden ab – auch in Anbetracht der eigenen Gesundheit.“ Sinnvoller sei es, die Tiere vorsichtig einzufangen und wieder ins Freie zu entlassen. Auch Fliegengitter an den Fenstern würden einen recht zuverlässigen Schutz gegen das Eindringen der Wanzen darstellen.
Sekret nicht nur als Abwehr
Im Übrigen stimme es, dass die Wanzen Duftdrüsen besitzen, über die sie Sekrete verschiedenster Art absondern können, geht Angelika Weirauch auf eine weitere häufig gemachte Beobachtung ein. Die Sekrete seien aber nicht bei allen Wanzen übelriechend und würden sowohl der Abwehr als auch der chemischen Kommunikation dienen.
Die Amerikanische Kiefernwanze, auch als Amerikanische Zapfenwanze bekannt, stammt, so Angelika Weirauch, ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas. Seit Mitte der 1950er-Jahre komme sie ebenfalls an der Ostküste der USA vor und habe wahrscheinlich über den Import von Nadelgehölzen Ende der 1990er-Jahre Europa erreicht.
Die hier heimische Graue Gartenwanze bevorzuge dagegen Laubgehölze. Sie habe sich in Deutschland seit dem Jahr 2000 stark nach Norden hin ausgebreitet. In Städten werde sie oft häufiger beobachtet als in deren Umland.