Wintersport: Bad Freienwalde investiert in Skisprungschanzen - warum Skispringer künftig viel Kraft sparen

Gilberto (r.) und sein Sohn Victor Fava aus Italien haben mit einem teil des Förderbandes, das sie für den Wintersportverein Bad Freienwalde aufgebaut haben.
Steffen Göttmann- Bad Freienwalde baut erstes Förderband für Skispringer in Deutschland – 84 Meter lang.
- Lift erleichtert Aufstieg, spart Kraft und steigert Trainingsmöglichkeiten für junge Springer.
- Kosten: 76.000 Euro, Gesamtprojekt mit Treppenlift: 180.000 Euro, gefördert durch Stadt und Eigenmittel.
- Kapazität: 1200 Personen pro Stunde, Geschwindigkeit bis 0,7 m/s, produziert in Italien.
- Fertigstellung verzögert durch Regen – Jugend-WM 2023 als mögliches Ziel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Hang im Papengrund befindet sich erneut im Umbruch. Wer unten steht blickt links der Zehn-Meter-Schanze auf eine Baustelle. Wie eine Rutschbahn sieht der Neubau aus, der innerhalb von zwei Tagen aus dem Boden gestampft wurde. Er befördert die Skifahrer nicht nach unten, sondern nach oben. Das Förderband besteht aus beweglichen Kunststoffgliedern, auf denen die Skifahrer sich den kräftezehrenden Weg nach oben sparen können. „Wir werden den Lifter am Sonnabend eröffnen“, kündigt Dieter Bosse, Vorsitzender des Wintersportvereins (WSV) 1923 Bad Freienwalde an.

Investition:Aufstiegshilfe für Skispringer in Bad Freienwalde
Günter Grützner/WSVOffene Brandenburgische Meisterschaften diesmal ohne Polen
Dann richtet der Verein die offenen Brandenburgischen Meisterschaften in der Nordischen Kombination und im Spezialsprunglauf aus. Die höchste Belastungsgrenze erreicht das Förderband sicher nicht. Die deutschen Sportler bleiben unter sich. Wegen der erneut angespannten Corona-Lage im Nachbarland hätten die Polen diesmal ihre Teilnahme abgesagt, bedauert der Vereinsvorsitzende.
„Wir haben den Lift speziell für Ski-Anfänger und Skispringer entwickelt und dieser ist der erste, den wir in Deutschland errichten“, sagt Gilberto Fava aus Mantua in Italien. Mit seinem Sohn Victor haben er und Mitglieder des Vereins innerhalb von zwei Tagen das Förderband aufgebaut. Beide sind Ingenieure, die die Produkte ihres Familienbetriebs in den Skigebieten auf der ganzen Welt verkaufen. Nicht nur in den Alpen laufen ihre Förderbänder, unter anderem auch in Japan, Korea, Kasachstan, Norwegen, Wales, Estland, Kroatien und Rumänien haben sie Förderbänder geliefert und gebaut.
Alle Teile in Italien produziert
„Wir haben alle Teile in Italien produziert“, versichert Gilberto Fava, der seinen Namen in die Kettenglieder stanzen ließ, um die Urheberschaft hervorzuheben. 84 Meter lang ist die Anlage und reicht vom Aufsprunghang zur obersten Plattform der Zehn-Meter-Schanze. Von dort müssen die Skispringer umsteigen in einen Treppenlift oder Schrägaufzug, der in einem zweiten Schritt gebaut werden soll. Für große Turniere fordert der Deutsche Skiverband diese Aufstiegshilfen. Denn die Sportler sind Kinder und Jugendliche, die durch den kräftezehrenden Aufstieg an Leistung verlieren und beim Training weniger Sprünge absolvieren können. 2023 feiert der Verein das 100-jährige Bestehen und könnte im August des Jahres die erste Jugend-WM des Internationalen Skiverbandes FIS im Skisprung und der Nordischen Kombination für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren ausrichten. Die Aufstiegshilfen sind eine der Kriterien, um das Turnier überhaupt ausrichten zu dürfen.
Pro Stunde Kapazität von 1200 Menschen
51 bis 200 Meter lang können die Förderbänder der Familie Fava sein, die jeweils mit einem Elektromotor angetrieben werden. Der in Bad Freienwalde leiste bis zu 22 Kilowatt und befördere die Springer mit einer Geschwindigkeit von 0,1 bis 0,7 Meter pro Sekunde nach oben. Pro Stunde können 1200 Menschen transportiert werden.
„Echt cool“, kommentiert Trainer Stefan Wiedmann den Lift kurz und knapp. 76.000 Euro kostet die Anlage, die der Wintersportverein durch Eigenmittel und einen Zuschuss der Stadt finanziert. Die Stadtverordnetenversammlung gewährt dem Wintersportverein für beide Aufstiegshilfen einen Zuschuss in Höhe von 91.000 Euro. Die Gesamtkosten für Förderband und Treppenlift gibt der WSV mit 180.000 Euro an. „Der Ministerpräsident hat uns bei seinem Besuch noch Lottomittel zugesichert“, berichtet Bosse. Wegen der starken Regenfälle mussten die Vereinsmitglieder am 4. November ihre Arbeiten einstellen. „Es fehlen nur noch wenige Teile“, so Bosse.
Freienwalder Unternehmer helfen beim Transport nach oben
Acht Tonnen sei die Anlage schwer. Der Sattelzug mit den Teilen kam aber nur bis zum Jahn-Stadion. Dann war Netzwerkarbeit gefragt. Unternehmer aus Bad Freienwalde unterstützten den Verein mit ihren Geräten. „Mit dem Bagger eines Elektrounternehmers habe er 200 Meter Kabelkanal gegraben“, so Bosse. Zudem hätten die Unternehmen geholfen, die schweren teile nach oben zu bringen. Und ohne den Radlader eines Bad Freienwalder Tiefbau-Unternehmers hätte er kaum schwere Teile auf die Plattform der Zehn-Meter-Schanze bringen können. Ein Rad griff ins andere.
Die italienischen Ingenieure haben sich in der Nacht zum 5. November auf den Rückweg nach Italien gemacht. Ein Trost für die Bad Freienwalder. Besseres Wetter erwartet sie dort auch nicht. „Bei uns regnet es auch und die Temperaturen sich die gleichen“, sagt Victor Fava.

