Und da geht es jetzt schon darum, sich vorzubereiten und emsig an der Chronik zu arbeiten. Fotos gibt es dann noch eine Menge von Ernst Wolfgang Schulz und bis heute unter anderem von Günter Grützner, ebenso Filme. Günther Lüdecke hat zudem die Zeitungsausschnitte gesammelt. Aber es fehlt an der Struktur und Ordnung. Und so bleibt nichts weiter übrig, als sich jetzt in Zeiten der relativen Ruhe selbst in eine positive Unruhe zu versetzen. Sich aktiv mit den vorhandenen Materialien auseinanderzusetzen, die in verschiedenen Ordnern, Kisten und auf digitalen Speichermedien ruhen. Besonders Günther Lüdecke fällt bei manchem Foto immer wieder die eine oder andere interessante Anekdote ein.
Beim Sichten der Bilder aus dem Jahr 2005 ist aufgefallen, dass  genau vor 15 Jahren in Bad Freienwalde eine international hoch anbundene Veranstaltung stattfand, die es seit dem in Deutschland nicht wieder gegeben hat. Anfang April 2005 tagte im Hotel Eduardshof die Fédération Internationale de Ski (FIS), der internationale Skiverband. Wie kam es dazu, dass diese einzige FIS-Tagung in Deutschland gerade im flachen Bad Freienwalde und nicht in den Alpen stattfand? Bereits zur damaligen Zeit hatte sich international herumgesprochen, dass es in der Nähe von Berlin einen Wintersportverein gibt, der mit viel Ehrgeiz und Enthusiasmus daran gegangen war, im schönen Papengrund eine Skisprungarena zu entwickeln und dabei auch bereits im Nachwuchsbereich erste bescheidene Erfolge aufzuweisen hatte. Besonders durch die deutsch-polnische Kooperation war es schon seit 2001 gelungen, die K10, K20 und K40 aufzubauen und einen regen Trainings- und Wettbewerbsbetrieb zu etablieren.
Kurstädter sorgen für Furore
Sportler wie Elisa Gronau und der heutige Brandenburger Landestrainer Stefan Wiedmann gehörten zu den ersten jungen Skispringern, die in Deutschland dem damaligen Bundestrainer Reinhard Heß aufgefallen waren. Und dass die Sportler aus dem nord-östlichen Flachland der Republik kamen, war schon etwas Besonderes, nicht nur für die deutschen Skisportverantwortlichen. Dieter Bosse und Günther Lüdecke taten ihr Übriges, um bei den deutschen, polnischen und internationalen Skisportfunktionären für Bad Freienwalde zu werben. Und so gaben sich kurz nach der Saison 2004/2005 Wintersportoffizielle aus 20 Ländern der Welt in Bad Freienwalde ein Stelldichein.
Weltverband tagt in Kurstadt
Mit dabei waren unter anderem der FIS-Renndirektor Skispringen, Walter Hofer, der FIS-Renndirektor Nordische Kombination, Ulrich Wehling, der Sportliche Leiter des DSV, Horst Hüttel, der Direktor für die Vorbereitungen der Weltmeisterschaften 2007 in Japan, Kyoichio Omori, der Chef der Vergabekommission für Weltcupskispringen, Paul Ganzenhuber, und der damalige Rennsportdirektor des Österreichischen Skiverbandes, Toni Innauer. In Bad Freienwalde fand aus Anlass dieser Tagung ein Empfang des Ministerpräsidenten von Brandenburg, Matthias Platzeck, statt. Durch seine Aktivitäten war es dem WSV bereits 2005 gelungen, die Kurstadt Bad Freienwalde in der Welt bekannt zu machen.
Das wirkt bis heute nach. Nicht wenige der in Bad Freienwalde als Kinder und Jugendliche gesprungenen Athleten gehörten oder gehören heute zu den Spitzensportlern der Welt und erinnern sich an ihre Sprünge in der Kurstadt, so unter anderem Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Erik Frenzel, Stephan Leyhe, Juliane Seyfarth, Ramona Straub, Carina Voigt oder aus Polen Jakub Wolny, aus der Schweiz Andreas Schuler und aus Bulgarien Wladimir Zografski. Auch der heutige Weltmeister im Skeleton, Christopher Grotheer, sprang einst in Bad Freienwalde von der Schanze. Unter den Skispringern Europas ist die Stadt ein Markenzeichen.
Erster Sprung gehörte Sven Koch
Aber zurück zur FIS-Tagung 2005 in Bad Freienwalde. Am Rande dieser Tagung besuchten die Vertreter des internationalen Skisports natürlich auch den Papengrund und waren von der Professionalität der damals noch drei Schanzen überrascht. An der Schanzenanlage wurde eine Informationstafel aufgestellt, auf der für jedermann sichtbar das nächste Ziel, die K 60, dokumentiert war. Es sollte dann noch bis 2008 dauern, ehe die heutige Kurstadtschanze Helmut Recknagel in Betrieb genommen werden konnte. Den ersten Sprung von dieser Schanze wagte Sven Koch, der damals Trainer unserer Springer war, dessen Finanzierung im Ergebnis dieser FIS-Tagung ebenfalls gesichert werden konnte, und der im April 2005 seine Arbeit als Trainer aufgenommen hatte.
Neuerungen vorgestellt
Noch heute unterstützt der Deutsche Skiverband das Landesleistungszentrum Spezialsprunglauf und Nordische Kombination in Bad Freienwalde durch eine Teilfinanzierung des Landestrainers. Und auch die Unterstützung der FIS wirkt im Kinder- und Jugendbereich für Deutschland bis heute nach. Das unter den besten deutschen Skispringern in ihrer jeweiligen Altersklasse derzeit auch drei Bad Freienwalder Sportler zu finden sind, ist Ergebnis dieser Entwicklung. Während solcher Tagungen geht es neben der Vorbereitung der neuen Saison auch immer um die Vorführung von technischen Neuerungen. In Bad Freienwalde zum Beispiel wurde von einer finnischen Firma eine neuartige Skibindung vorgestellt, die es den Springern erleichtern sollte, während der Flugphase ihre Skier sicher zu beherrschen. Diese Bindung wurde damals von allen belächelt - heute ist der feststehende Sicherungsstab als Markenzeichen einer modernen Skisprungbindung allgemeiner Standard.
Die Fédération Internationale de Ski und der Deutsche Skiverband beobachten und unterstützen die Arbeit das Wintersportvereins Bad Freienwalde weiterhin. Sie wissen, dass in der Brandenburger Kurstadt eine der modernsten Skisprungarenen für den Nachwuchsbereich steht und ein sehr aktiver Wintersportverein ehrenamtlich daran arbeitet, dass von hier auch in Zukunft deutsche und polnische Nachwuchsathleten kommen werden, die das nationale und internationale Niveau mitbestimmen. Zurzeit werden die Schanzen alle überarbeitet und bald wird es weitere technische Verbesserungen für den nationalen und internationalen Trainings- und Wettkampfbetrieb im Papengrund geben. Die nächsten sportlichen Höhepunkte warten im September auf uns mit dem DSV Nord-Cup der Jugend und den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Spezialsprunglauf sowie dem Treffen der Legenden des Skisports.

FIS hat ihren Sitzin der Schweiz


Der Sitz der Fédération Internatio-nale de Ski  befindet sich in Ober-hofen am Thunersee in der Schweiz. Die Zuständigkeit der FIS betrifft sowohl den Breiten- als auch den Spitzensport, so erlässt sie die FIS-Regeln zum Verhalten auf Skipisten. Die Gründung des Vorgängerverbandes CIS (Internationale Skikommission) wurde am 18. Februar 1910 in Christiania (Norwegen) von Delegierten aus zehn Ländern beschlossen. Bereits ein Jahr später, im März 1911, wurde das erste international gültige Regelwerk verabschiedet. red