Zirkuscamp bei Wriezen
: Das ist das Besondere

Das kleine Reichenow bei Wriezen hat junge Gäste: Zwei Wochen lang findet das deutsch-polnische Zirkuscamp statt. Was die Kinder und Jugendlichen erwartet.
Von
Thomas Berger
Reichenow
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Vertieft in die Probenarbeit Christin Elchlepp, Gesamtleiterin vom Zirkuscamp in Reichenow bei Wriezen und Trainerin, gibt der Gruppe Tanz die nächste Übung vor.

Thomas Berger

„Bitte noch mal volle Konzentration!“ Freundlich, im Ton bestimmt in der Sache holt Achim Scheffler nach einer kurzen Trinkpause zur Erfrischung und zum Durchatmen erneut die von ihm betreute Akrobatikgruppe auf der Matte zusammen.

Die einzelnen Elemente der Übung, an der gerade gefeilt wird, sollen nun im Bewegungszusammenhang als Gesamtablauf geprobt werden. Nach zwei-, dreimaligen Hinweisen und Korrekturen an Details ist der erfahrene Trainer mit dem Teilstück schon sehr zufrieden.

Zirkuscamp bei Wriezen: Austausch zum Motto „Weltoffen“

"Das ist wie eine riesige Familie", sagt die 17-jährige Mia, die zu dieser Workshopgruppe gehört, über das zweiwöchige Zusammensein im Zirkuscamp auf dem ehemaligen Gutshofgelände, heute Colaborative, in Reichenow. Mia, in Berlin zu Hause und dort beim Circus Schatzinsel, der alljährlich mit seinem polnischen Partner das Camp organisiert, ist jetzt schon das vierte Mal dabei. „Es ist schön, alte Bekannte wiederzutreffen und zugleich neue Leute kennenzulernen“, schiebt sie hinterher. „Und jedes Mal ist es anders.“

Erstmals dabei ist hingegen direkt neben ihr Leon aus dem Oderbruchdörfchen Döbberin, mit knapp zwölf Jahren zudem einer der Jüngsten im Team der 22 deutschen und 20 polnischen Mädchen und Jungen. Ganz begeistert ist er von dem Miteinander, obwohl das Training durchaus fordernd sei: „Bei Jonglage sogar noch mehr als bei Akrobatik.“ Aber großen Spaß mache das, sei es nun die Arbeit an den eigenen Beiträgen für die gemeinsame Show oder das nachmittägliche Begleitprogramm.

Zirkuscamp bei Wriezen führt zusammen

„Baden und der Erlebnisparcours waren besonders schön“, berichtet Leon. An einem Tag haben sich alle auch noch mal explizit mit dem Motto „Weltoffen“ auseinandergesetzt, diskutiert, was das aus ihrer Perspektive bedeutet, Bilder gestaltet. Training der Akrobatikgruppe mit Achim Scheffler: Das sommerliche Zirkuscamp in Reichenow führt Jugendliche aus Deutschland und Polen zusammen.

Training der Akrobatikgruppe mit Achim Scheffler: Das sommerliche Zirkuscamp in Reichenow führt Jugendliche aus Deutschland und Polen zusammen.

Thomas Berger

Toleranz, gegenseitiger Respekt, kreatives Miteinander und eben Weltoffenheit: Das ist generell das, worauf es den Organisatoren schon so viele Jahre ankommt. Nicht immer sind die Umstände ganz einfach, wie in diesem Jahr die Reduzierung des Förderanteils durch den Hauptgeldgeber Deutsch-Polnisches Jugendwerk illustriert.

„Zum Glück ist für die Lücke der Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg eingesprungen“, erklärt Christin Elchlepp. Sie betreut die Tanzgruppe, hat erstmals aber auch, mit Achim Scheffler an der Seite, die Gesamtleitung in der Hand. Mit diesen Werten ein Zeichen zu setzen, so die junge Frau, sei gerade in einer Brandenburger Gegend, wo es bei den jüngsten Wahlen immer mehr Stimmen für Rechtsaußen gab, besonders wichtig.

Von Feuerworkshop bis Volleyballturnier

Rund die Hälfte der Jugendlichen sind mindestens schon das zweite Mal dabei. Gerade die Neuzugänge waren anfangs noch etwas zurückhaltender. Spätestens am dritten Tag ist das aber immer vorbei, sagt Christin Elchlepp, die auch schon jahrelang als Trainerin mitwirkte. Viele derer, die heute Betreuerkollegen sind, haben einst selbst als Teilnehmerinnen und Teilnehmer begonnen.

Froh sind alle diesmal, dass abseits einzelner warmer Tage nicht etwa die meiste Zeit extreme Hitze herrscht. Denn an Tuch und Trapez lässt sich nur draußen trainieren, und generell kommt man beim Üben vormittags schnell ins Schwitzen. Da bietet ein Massageabend mal den Gegenpol, ein Feuerworkshop am Nachmittag eine spannende Ergänzung, ein Volleyballturnier weiteren Spaßfaktor.

Zwei Disziplinen haben sich die Mädchen und Jungen wieder wählen können. Auch Steppen, Poi (ursprünglich von den Maori aus Neuseeland stammendes Schwingen von Objekten an Schnüren), Diabolo, Stelzenlauf und Hula-Hoop gehören neben den schon genannten Gruppen zur Auswahl. Am Ende wird alles Erarbeitete wieder zu einer beeindruckenden Showdarbietung zusammengefügt.

Zu erleben ist die erste Abschlusspräsentation am 2. August, 18 Uhr, vor Ort in Reichenow. Am Folgetag, 3. August, ist das Team um 16 Uhr mit dem zweiten Auftritt auf der Festwiese Waldsieversdorf zu Gast.