Ausstellungen
: Wie die Altstädte gerettet wurden

Fünfundsiebzig Jahre nach Kriegsende wollen 2020 viele märkische Kommunen mit Ausstellungen und Führungen an die Aufbauleistungen erinnern.
Von
Mathias Hausding
Potsdam
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Zerstört – erhalten – gerettet: Blick auf die Marienkirche in Beeskow (Oder-Spree). Sie wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, in den 1970er-Jahren gesichert und ab 1991 wieder aufgebaut. 2002 erhielt sie ihre Turmspitze zurück.

Patrick Pleul/dpa

An solche Aufbauleistungen will die Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen in diesem Jahr anlässlich von 75 Jahren Kriegsende erinnern. Eingebettet in das Kulturlandjahr Brandenburg, das 2020 unter dem Motto „Krieg und Frieden — 1945 und die Folgen“ steht, heißt es für die AG der 31 Städte: „Zerstört — Erhalten — Gerettet: Lebenswerte Altstädte“.

Kommentar:Weil Städte wichtig sind

Frank Steffen, Bürgermeister von Beeskow und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, blickte am Freitag schon einmal voraus: „Wir machen zum Beispiel thematische Stadtführungen und beziehen dabei Menschen mit ein, die zu DDR–Zeiten mit der Schubkarre über die Mauern der Kirche gefahren sind und das Gebäude gesichert haben.“

In Beeskow und fünf weiteren Orten sind außerdem Ausstellungen unter anderem mit selten gezeigten Fotos zum Umgang mit den Kriegsfolgen sowie Rundgänge mit einem Audioguide geplant. In Altlandsberg etwa, das von Kriegszerstörung verschont geblieben ist, führt der Audio–Rundgang zu diversen Kriegsmahnmalen in der Stadt. Es wird gefragt, wie sich das Gedenken und Erinnern verändert hat und welche Einzelschicksale hinter den eingravierten Namen stehen.

Bangen um das Fördergeld

Politisch brennt der Arbeitsgemeinschaft die Zukunft der Städtebauförderung auf den Nägeln. Im vergangenen Sommer kam die Sorge auf, dass sich vom Bundestag geplante Änderungen für märkische Kommunen negativ auswirken könnten. Brandenburgs neuer Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) konnte die Befürchtungen am Freitag zerstreuen. Die Kommunen mit historischen Stadtkernen könnten auch künftig auf Zuschüsse für den städtebaulichen Denkmalschutz hoffen. Bei der Neuordnung der Förderung bleibe der Bereich unangetastet, sagte Beermann. Durch die Reduzierung von einst acht Programmen auf drei könnten Projekte effektiver unterstützt werden. „Lebendige Zentren“, „sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ heißen die drei Säulen.

Nach 46,7 Millionen im Jahr 2019 stehen für das Land in diesem Jahr 45,7 Millionen Euro zur Verfügung. Vorhaben werden weiter nach dem Schlüssel 40:40:20 gefördert — 40 Prozent vom Bund, 40 Prozent vom Land und 20 Prozent von der Kommune. „Ich bin beruhigt“, sagte Bürgermeister Steffen im Anschluss an die Ausführungen des Ministers. „Es war aber auch wichtig, dass wir mit einem Aufruf im vergangenen Sommer ausdrücklich auf das Thema städtebaulicher Denkmalschutz hingewiesen haben.“ Er erinnerte daran, dass mit einem Euro Förderung etwa sieben Euro Investitionen angeschoben werden könnten.