Landrat Rolf Lindemann und die hauptamtlichen Bürgermeister und Amtsdirektoren des Kreises Oder-Spree appellieren in einem gemeinsamen offenen Brief an Vernunft und Selbstdisziplin der Bürger, um die Ausbreitung des Corona-Virus über die Weihnachtsfeiertage nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.
„Über 70 Bürgerinnen und Bürger haben für unsere Nachlässigkeiten bereits mit ihrem Leben bezahlt“, heißt es in dem Schreiben. Auch diejenigen, die die Gefährlichkeit des Corona-Virus verharmlosen oder gar leugnen würden, sollten sich bewusstmachen, dass sie auch bei anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einer schweren Unfallverletzung auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen seien.
„Sie sollten bedenken, dass Ihnen die lebensrettende intensivmedizinische Behandlung nicht gewährleistet werden kann. Wenn in einem solche Falle alle Intensivbetten belegt oder das benötigte ärztliche und pflegerische Personal nicht mehr zur Verfügung steht, dann bleibt Ihnen die lebensrettende intensivmedizinische Behandlung unter Umständen versagt“, schreibt Lindemann.

Pandemiegeschehen außer Kontrolle

Das alles seien keine Hirngespinste, sondern nicht weit von uns sei es bereits bittere Realität. In dem Schreiben heißt es unter anderem, dass im Süden des Landes das Pandemiegeschehen bereits außer Kontrolle geraten und die intensivmedizinische Versorgung erschöpft sei. Im Landkreis Oder-Spree würden jetzt Woche für Woche rund 750 Bürger neu an dem Virus erkranken.
Diese Entwicklung sei nicht unvorhersehbar gewesen und stelle auch keine schicksalhafte Fügung dar, schreibt der Landrat. Jetzt komme es darauf an, Zeit zu gewinnen, bis im Frühjahr flächendeckend ein Impfstoff zur Verfügung stehe.
„Ärzte im Landkreis Oder-Spree mahnen uns dringend, die Möglichkeiten, die uns die jetzige Eindämmungsverordnung gerade über Weihnachten einräumt, nicht auszuschöpfen. Sie befürchten, dass wir das Gleiche durchmachen werden, was auch den Amerikanern nach ihrem Thanksgiving-Fest widerfahren ist. Ein sprunghaftes Ansteigen der Infektionszahlen“, heißt es in dem Brief. Lindemanns Forderung: „Beherzigen Sie dies bitte auch wenn sie ‚nur’ mit der Familie die Weihnachtsfeiertage verbringen.“ Ein „weihnachtlicher Wanderzirkus“, bei der sich die erweiterte Familie in immer neuen Konstellationen trifft, würde verheerende Folgen haben.

Gesundheitssystem an der Grenze

Das jetzt auf der Internetseite des Kreises veröffentlichte Schreiben stellt auch noch einmal die derzeitige Lage im Kreis dar. Das Gesundheitssystem sei auch im Landkreis an seinen Grenzen angelangt., weil zunehmend auch das ärztliche und pflegerische Personal außer Gefecht gesetzt sei. Am Wochenende habe der Landrat deshalb die Feststellung eines Großschadensereignisses verfügt. „Das bedeutet nichts anders, als dass wir hinsichtlich der Gewährleistung einer funktionierenden intensivmedizinischen Versorgung den Katastrophenfall feststellen mussten“, so Lindemann.
Lob gibt es in dem Schreiben für die Eisenhüttenstädter. Das Krankenhaus der Stadt hatte bereits vor ungefähr zwei Wochen in einem Aufruf dafür geworben, dass sich Menschen mit medizinischen oder pflegerischen Grundkenntnissen als Helfer zur Verfügung stellen. „Glücklicherweise war dieser Hilferuf von Erfolg gekrönt und es konnten Menschen auf diese Art und Weise als Unterstützungskräfte gewonnen werden.“

Feuerwerksverbot angekündigt

Außer dem Appell wird der Landkreis auch mit amtlichen Verfügungen strengere Verhaltensregeln festlegen. So hat der Kreis als erster im Land Brandenburg angekündigt, dass es zu Silvester ein Feuerwerksverbot auf allen öffentlichen Straßen und Plätzen geben werde. Damit sollen Menschenansammlungen vermieden und die alljährlich auftretenden Feuerwerksunfälle, die den Rettungsdienst und die Krankenhäuser zusätzlich belasten, vermieden werden.