Erneuerbare Energien: Erste Details zur Mega-Biogasanlage in Oder-Spree bekannt

Das Industriegebiet Hufenfeld existiert aktuell vor allem als Plan und als Straße. Die Flächen werden noch überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
Olaf Gardt- In Beeskow ist eine Biogas-Methananlage mit 60 MW thermischer Leistung geplant.
- Der Standort liegt im Industriegebiet Hufenfeld – vorgesehen sind rund 8 Hektar Fläche.
- Geplanter Baustart im Herbst 2027, Bauzeit 14 bis 16 Monate, Investition 150 Mio. Euro.
- Produziert werden soll Biomethan aus biogenen Reststoffen, ohne Mais- oder Grassilage.
- Netzanschluss an das EWE-Gasnetz ist offen, das LfU begleitet das Vorhaben in früher Phase.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Nachricht kam überraschend. Die Stadt Beeskow hat in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass im Industriegebiet Hufenfeld eine Biogasanlage mit einer Gesamtleistung von 60 MW entstehen wird. Investoren, so die Stadt, seien die FAB-Unternehmensgruppe sowie die Unternehmen Herecon und Wabio. Die FAB-Gruppe bestätigte die Pläne wenige Stunden später.
Biogasanlagen sind in Brandenburg und auch konkret rund um Beeskow lange eine Selbstverständlichkeit. Oft sind es landwirtschaftliche Betriebe, die solche Anlagen als ein wirtschaftliches Standbein aufgebaut haben und betreiben. Bestückt werden sie vorwiegend mit Maissilage, Mist und Gülle. Aber auch Grasschnitt und ganze Getreidepflanzen landen in den großen Behältern, den Fermentern. Aus einer Tonne Maissilage entstehen am Ende so um die 450 kWh Strom. Oft wird auch die Abwärme noch genutzt.
Die Biogasanlagen um Beeskow herum haben meist eine Leistung von 1 MW bis 2 MW. Letztere gelten schon als industrielle Großanlagen. Doch direkte Vergleiche sind schwierig. Denn man unterscheidet zwischen elektrischer und thermischer Leistung. Je öfter die Energie umgewandelt wird, desto höher die Verluste.
Die nun in Beeskow geplante Anlage erreicht jedenfalls eine gänzlich andere Dimension. Die Investoren sprechen von 60 MW thermischer Leistung. Dies, so Thomas Berler, Geschäftsführer der federführenden FAB-Gruppe, sei bezogen auf den Brennwert des erzeugten Biomethans. „Bei rund 8.500 Betriebsstunden im Jahr entspricht das einer Jahresenergiemenge in einer Größenordnung von etwa 510 Gigawattstunden“, so Bergler. Er erklärt: „Bei der geplanten Anlage handelt es sich technologisch um eine BioMethanfabrik.“
Das Investitionsvolumen liegt bei 150 Millionen Euro
Um diese Leistung zu erreichen, soll im Industriegebiet Hufenfeld, wenn man so will zwischen den Solarfeldern am Charlottenhof und den nur durch die Umgehungsstraße getrennten Hufenfeld-Windrädern, eine Fläche von rund 8 Hektar mit Biogasbehältern bebaut werden. Der Baustart ist für den Herbst 2027 geplant, die Investoren rechnen mit 14 bis 16 Monaten Bauzeit. Die Investitionssumme geben sie mit 150 Millionen Euro an.
Nach Fertigstellung sollen in der Produktionsanlage im durchgängigen Dreischichtbetrieb rund 35 Dauerarbeitsplätze entstehen. Für den Gesamtprozess mit Logistik, Instandhaltung und anderen Dienstleistungen rundherum rechnet das Unternehmen mit bis zu 80 Arbeitsplätzen.
Recht bedeckt hält sich das Unternehmen, wenn es um die Stoffe geht, die man in der Anlage einsetzen will. Es seien „ausschließlich biogene Reststoffe“, so Bergler. Anbaubiomasse, also Mais- oder Grassilage, komme nicht zum Einsatz. Auch mit dem Kraftwerk von Sonae Arauco, dort wird Holz in allen erdenklichen Formen verbrannt, bestehe kein Rohstoffwettbewerb.

Solarfelder und Windenergieanlagen prägen bereits das Bild im Süden von Beeskow. Nun könnte eine Biogasmethanfabrik hinzukommen.
Olaf GardtAlso lohnt ein Blick ins niedersächsische Friesyothe. Dort steht die wohl weltweit einzige vergleichbare Anlage. In ihr sollen jährlich rund eine Million Tonnen Mist und Gülle verarbeitet werden. Kommen andere Stoffe zum Einsatz, können die Mengen bei gleicher Energieausbeute wesentlich niedriger sein.
Das Landesumweltamt spricht noch von einer Flüssiggasanlage
Und es gibt noch etliche andere offene Fragen. Die Stadt Beeskow spricht in ihrer Mitteilung davon, dass das Projekt sich in einer „frühen Entwicklungsphase“ befinde. Das Landesumweltamt (LfU), das am Ende für die Genehmigung der Anlage zuständig ist, erklärt, dass seit dem vergangenen Jahr erste Informationen vorliegen. Im Rahmen eines Vorgesprächs seien die wesentlichen Grundzüge des Vorhabens erläutert worden. „Als Zweck der Anlage wurde die Erzeugung von Bio-LNG (liquid Natural Gas) und Bio-LCO₂ (liquid CO₂) angegeben“, schreibt Thomas Frey vom LfU.
Doch nun geht es wohl nicht um Flüssiggas, sondern um die Direkteinspeisung in das EWE-Gasnetz. Aber auch das ist nicht abschließend geklärt. „Es läuft aktuell ein Netzanschlussbegehren mit einer zugehörigen Netzanschlussprüfung. Ein Netzanschlussvertrag wurde bisher nicht geschlossen“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit.
Und auch die Beeskower wollen noch ein Wort mitreden. Auf der Sondersitzung der Stadtverordneten am Dienstag fragte der frühere Radinkendorfer Ortsvorsteher Nico Ludwig, warum das Thema bei der jüngsten Bürgermeistersprechstunde im Ortsteil nicht angesprochen wurde. Er wollte zudem wissen, ob man in Radinkendorf mit Belastungen durch die Anlage rechnen müsse. Der Frage schloss sich auch ein Anwohner der Radinkendorfer Straße an. Bürgermeister Robert Czaplinski versprach schriftliche Antworten.


