Erneuerbare Energien: Turbulenzen um Windpark in Beeskow

Um die Akzeptanz von Windrädern steht es noch schlecht. Anwohner fürchten Beeinträchtigungen, auch wegen der Größe. Die Anlagen vom alten Typ im Norden von Beeskow an der Umgehungsstraße sind, verglichen mit denen, die jetzt gebaut werden, winzig.
Jörn TornowDoch zurück: Im Beeskower Ortsteil Schneeberg soll laut Regionalplan Oder–Spree ein Windpark entstehen — ausgewiesen als Windeignungsgebiet (WEG) 50. Geplant sind elf Windenergieanlagen mit einer Höhe von je 250 Metern. Die Anwohner sind dagegen. Die Windenergieanlagen wollen wir nicht, sagt die Bürgerinitiative (BI) „Nein zu Schneeberg 50“. Selbst eine Petition hat es gegeben, mit 124 Unterschriften.
Anwohner sind besorgt
Im Dezember 2019 hat sich Andreas Gurtz im Namen der BI–Mitglieder per Brief an die Stadtverordneten gewandt. Kritisiert wird, dass einzelne Ortsteile wie Schneeberg, selbst wenn es einen Bebauungsplan gebe, kein Mitspracherecht hätten. Argumente gegen den Windpark sind die Höhe der Anlagen im Zusammenhang mit einem zu geringen Abstand (1000 Meter) zur Wohnbebauung. Anwohner fürchten, dass die Emissionsschutzrichtlinien nicht eingehalten werden können.
Und dann sind da noch die Störche. „Wir wollen von der Stadt Beeskow die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für eine unabhängige ornithologische Begutachtung des WEG 50, insbesondere als Storchenhabitat“, schreibt Andreas Gurtz. „Wir sehen die Vögel jedes Jahr auf den Flächen.“
Auch das Umweltamt habe damals Bedenken geäußert und schaffte es, das WEG 50 aus dem Regionalplan zu nehmen. Erst ein daraufhin in Auftrag gegebenes Gutachten des Windparkinvestors Loscon erzielte die Ausweisung des WEG.
Zur Entscheidungsfindung der Stadtverordneten soll ein Antrag von Ortsvorsteher René Breitung im Auftrag der Schneeberger Einwohner beitragen. Es wird um die Einsicht in das vollständige Umweltgutachten gebeten — und zudem auf verschiedene Rechtsverfahren zu WEG und deren Auswirkungen verwiesen. Auch ein Anschreiben des Beeskower Bürgermeisters Frank Steffen an Wolfgang Rump, den Leiter der Regionalen Planungsstelle, liegt der Beschlussvorlage bei — ebenfalls wird um eine Kopie des Gutachtens gebeten. Insbesondere wegen der Nahrungshabitate des Weißstorchs, die nicht im WEG liegen sollen. Nach Erinnerungen des Bürgermeisters basiert diese Feststellung auf einem artenschutzfachlichen Gutachten, welches die Firma Loscon beauftragte und durch das Landesumweltamt geprüft wurde.
Anwohner sind müde geworden
Im Rahmen einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung endete kürzlich die öffentliche Auslegung des Vorentwurfs zum Bebauungsplan Nr. K3 „Windpark Schneeberg“. In dieser Zeit bestand die Möglichkeit, schriftlich Stellung zum Plan zu nehmen. „Es sind 37 Stellungnahmen von Privatpersonen eingegangen“, teilt Kerstin Bartelt, Fachbereichsleiterin und Stellvertretende Bürgermeisterin, mit. Sie sagt aber auch: „Wir stehen mit der Planung noch ganz am Anfang.“ Die Auslegung diene dem Sammeln von Informationen. Jetzt werde ausgewertet.
„Die Leute haben die Schnauze voll und sind inzwischen müde geworden“, ärgert sich Andreas Gurtz. Sollten eines Tages Windräder in der Oelseniederung stehen, habe für die BI die Politik versagt und die Gier der Menschen gewonnen.
