Von Frauenbund zu Frauenbund
Waltraut Miethe ist seit Jahrzehnten aktiv in Sachen Frauenrechten. Schon zu DDR-Zeiten war sie Kreisvorsitzende im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD). Nach der Wende wurde sie – wie zahlreiche Leidensgenossinnen – schnell arbeitslos. Bei einer Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen wurde ihr klar: Nur im Verein kann man in der Demokratie etwas bewegen. So fand sie zum neuen Frauenbund Brandenburgs. Und machte eine Ausbildung zur Sozialberaterin. "Ich habe versucht, die Frauen aufzufangen", so Miethe. "Angefangen haben wir mit Beratungen zu Kindergeldanträgen." Alleinerziehende Mütter waren eine ihrer ersten Zielgruppen. Die von ihr initiierte sozialpsychologische Schwangerenberatung gibt es noch heute.
Zur ersten Brandenburger Frauenwoche 1991 wurde sie von Regine Hildebrandt eingeladen: "Das war unheimlich motivierend", erinnert sich die 68-Jährige. Angekommen im Jahr 2020 ist sie voll in die Vorbereitungen der 30. Frauenwoche eingebunden und weiter im Beeskower Frauenladen aktiv.  Früher wurde dort selbst Hergestelltes verkauft, heute ist er mehr Treff für ältere Frauen, die viel allein sind.
Frauentag und Frauenwoche sind für Miethe trotz positiver Entwicklungen noch lange nicht überflüssig. "Die Gleichstellung muss noch ausgebaut und gefestigt werden", meint sie. "Mit der Frauenwoche wollen wir die breite Öffentlichkeit sensibilisieren." Besonders auch beim Thema häusliche Gewalt: "Da gibt es noch viel zu tun. Die Dunkelziffer ist noch sehr groß." Und das in allen Altersgruppen.
"Bei der Chancengleichheit haben wir schon viel erreicht", so Miethe, "aber die Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen ist noch ein großes Arbeitsfeld – sich auch auf Chefposten zu bewerben, als Stadtverordnete oder Abgeordnete im Kreis- oder Landtag zu kandidieren."
Direkt und offen durchgesetzt
Carmen Bier ist selbstbewusst und hat sich getraut. Die 30-Jährige ist seit einem Jahr Geschäftsführerin des Helios-Klinikums in Bad Saarow. Die gebürtige Templinerin ist froh, nach Studium und Trainee-Programm wieder im heimischen Brandenburg zu sein. Zuletzt war sie kaufmännische Leiterin in einem Krankenhaus im fernen München.
Biers damals alleinerziehende Mutter habe sie sehr selbstständig erzogen, wovon sie noch heute profitiere, erzählt sie. Ein Mann hätte sie nur einmal sein wollen: Als sie im Drachenboot-Sport aktiv war, beneidete sie männliche Mitstreiter um ihre Kraft und Ausdauer.
Heute sei nicht mehr das Geschlecht ausschlaggebend, wenn sie sich durchsetzen muss. Ihr junges Alter spiele eine größere Rolle, meint sie. Besonders die erste Woche im Februar 2019 als Geschäftsführerin sei nicht nur einfach gewesen. Einige Skepsis hegten ihre Kollegen und Mitarbeiter gegenüber der jungen Frau, die schon mit 22 im Geschäftsführungsbereich tätig wurde. "In der Regel sehe ich glatt darüber hinweg und sage: ‚Geben Sie mir die Chance, mit Ihnen zusammenzuarbeiten‘", so ihre Strategie.
Oft sei es auch ein Vorteil, in Diskussionen unter Männern eine Frau zu sein. Mit mehr "Fingerspitzengefühl kann ich eine aufgeheizte Situation bewusst runterkochen", so Bier. Als Frau beteilige sie sich auch nicht an "Hahnenkämpfen". Mit ihrer offenen und direkten Art, die sie auch von ihren Mitarbeitern erwartet, erarbeitet sie sich sukzessive das Vertrauen ihrer 1200 Mitarbeiter.
Frauenquoten findet Carmen Bier auch für die Region wichtig. Auch wenn bei Helios Spitzenpositionen bereits mit Frauen und Männern besetzt werden, wie sie persönlich erfahren durfte. Darüber hinaus sollte das Thema der Geschlechterverteilung intern in Unternehmen aber beachtet werden. Sie beobachtet oft: Pfleger in Dienstkleidung werden von Patienten als "Doktor" angesprochen, Ärztinnen im Kittel als "Schwester". Dabei könnten Männer genau so gute – "in manchem Momenten, wenn sie Patienten lagern müssen zum Beispiel, dank ihrer Kraft womöglich gar bessere" – Pfleger sein. "Und Frauen ebenso gute Tischlerinnen." Diesen eingefahrenen Bildern könne durch abwechslungsreichere Werbung  und offene Kommunikation – auch an Zukunftstagen in Schulen – entgegengewirkt werden. "Das Gesellschaftsbild zu verändern dauert eben Generationen", sagt Carmen Bier.
Verständnis für Kinderlosigkeit
Das Gefälle bei Gehältern müsste vielerorts noch aufgehoben werden, zumal, so Bier, ja immer mehr Männer Elternzeit nähmen. Was sie schätzt. Eine Diskriminierung, die sie gern bekämpft sehen möchte: die der kinderlosen Frauen. Hier sei die Gesellschaft ihrer Meinung nach noch sehr konservativ. Sie wünscht mich mehr Verständnis. So viel etwa, wie ihr künftiger Ehemann und ihre Angehörigen für ihre Arbeit aufbringen: "Die Familie wächst ja mit in die Position."