Gastronomie: Wirte wagen Wiedereröffnung ihrer Lokale in Oder-Spree
Margrit Simke-Schulze, Inhaberin des Landgasthofs Simke in Herzberg, zeigt sich kämpferisch und wird die Gelegenheit nutzen, allerdings erst ab morgen. Ihren Gasthof gibt es seit mehr als 200 Jahren. „Ich hoffe, dass das Wetter mitspielt“, sagt die Chefin, „dann kann ich die Tische draußen im Garten nutzen.“ Der Hof sei groß, Abstände seien leicht einzuhalten. Mit dem Zollstock in der Hand überlegt sie, wie sie die Tische am besten arrangiert, um die 1,50 Meter einzuhalten. Ist mit den Gedanken aber bei der Speisekarte: „Wir werden zur Wiederöffnung Spargel anbieten, mit Schnitzel oder Zander“, sagt sie resolut. Das sind die Klassiker zu dieser Jahreszeit.
Ein wenig verunsichert wirkt die 70-Jährige dann doch. „Ich werde es langsam angehen, denn nach so langer Zeit kann ich nicht einschätzen, wie viel Gäste kommen“, erklärt die Wirtin. Vermutlich würden es nicht so viel werden, die Menschen seien noch vorsichtig. Es sei ähnlich wie beim Friseur. Die Mitarbeiter mit Kundenkontakt müssen Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe tragen und ebenfalls den Mindestabstand von 1,50 Metern zu den Gästen einhalten. Auch die Tische müssen nach einem Gastwechsel gereinigt und desinfiziert werden, oder die Tischwäsche getauscht. „Das ist schon ein gewaltiger Aufwand und ein wenig mulmig ist mir schon“, gesteht Margrit Simke-Schulz. Doch versuchen müsse sie es: „Wir wollen unbedingt zur Normalität zurück.“
Ein Versuch ist es wert
Anmeldungen oder Reservierungen, wie es für Gäste vom Landkreis empfohlen wurde, liegen noch nicht vor, aber am vergangenen Wochenende, als es so schön warm war, wären gern schon einige Radler eingekehrt. In den letzten Wochen hätte sie die bestellten Essen allein ausgegeben. „Nur durch die Vermietung an Monteure bin ich halbwegs über die Runden gekommen“, erklärt die Inhaberin, die sonst von den Veranstaltungen lebt, die abgesagt wurden. Einzig die Zimmerfrau und der Hausmeister waren da. Die drei Köche habe sie schweren Herzens in Kurzarbeit schicken müssen.
Margrit Simke-Schulz kennt die Vorgaben des Kreises, die auf Hinweisen der Gesellschaft zur Förderung von Hotellerie und Gastronomie in Brandenburg mbH basieren. „Nicht alles, was dort steht, ist Zwang“, sagt sie. Es komme auf die Formulierung an: „Das Wort ’sollte’ beispielsweise ist nicht verbindlich, vielmehr eine Empfehlung.“ Aber sie habe Handschuhe da, Desinfektionsmittel und Einweghandtücher und lasse sich nicht verrückt machen. Für die Wirtin ist die Öffnung eine Chance zur Sicherung ihrer Existenz: „Wenn es wirklich nicht funktioniert, mache ich eben wieder zu.“
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