Mit einem Gedenkgottesdienst sowie Erinnerungs- und Informationsveranstaltungen wird in Lieberose am Sonntag, 13. November, anlässlich des 79. Jahrestages der Errichtung des KZ-Außenlagers Lieberose, an die Opfer erinnert. Um 11 Uhr findet in der Evangelischen Landkirche in Lieberose ein jüdisch-christlicher Gedenkgottesdienst mit Rabbiner Andreas Nachama (Berlin) sowie den evangelischen Pfarrern Frank Schürer-Behrmann (Frankfurt (Oder)) und Wolfgang Krautmacher (Lieberose) statt.
Um 13 Uhr beginnt im Justus-Delbrück-Haus in Jamlitz der zweite Teil der Veranstaltung. Er ist der Wiedereröffnung des historischen Hörwegs „Im Wald und auf der Heide. Die Schicksale des Dorfes Jamlitz“ gewidmet, kündigte Dr. Andreas Weigelt, Leiter der Dokumentationsstelle Lager Jamlitz, an. Grußworte werden dort Heike Zettwitz, Beigeordnete und Dezernentin für Verkehr im Landkreis Dahme-Spreewald, und Wilfried Götze, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Jamlitz, sprechen.

Erhebliche Erweiterungen des Gedenkortes geplant

Der evangelische Superintendent Frank Schürer-Behrmann rief im MOZ-Gespräch zu einer zahlreichen Teilnahme an diesem Gedenken auf, um so an die Opfer zu erinnern und zugleich aber auch ein Zeichen gegen Krieg und Zerstörung in Europa zu setzen. Man werde an diesem Tag sicher über die weitere Gestaltung der Gedenkorte in Jamlitz sprechen. Denn es seien erhebliche Erweiterungen geplant.

Jamlitz

Das Land Brandenburg hatte im Dezember 2021 angekündigt, dass das Kulturministerium die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG) 2021/2022 mit insgesamt 750.000 Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) bei der Erweiterung des Gedenkortes Jamlitz unterstützt. Mit den Mitteln soll ein Gebäude auf dem Gelände des Gedenkortes saniert und mit Arbeitsräumen, Archiv und Bibliothek für die Bildungsarbeit ausgestattet werden.
Am Sonntag wird mit mehreren Veranstaltungen in Lieberose und Jamlitz an die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose erinnert.
Am Sonntag wird mit mehreren Veranstaltungen in Lieberose und Jamlitz an die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose erinnert.
© Foto: Ralf Loock

Wichtigster Erinnerungsort in Brandenburg

Der Erinnerungsort in Jamlitz sei der wichtigste Ort der Shoa in Brandenburg, hatte Kulturministerin Dr. Manja Schüle erläutert. In Jamlitz wurden Anfang Februar 1945 mehr als 1000 jüdische Häftlinge ermordet – der größte Massenmord an Juden außerhalb der Hauptlager auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Der Stiftungsrat hatte beschlossen, dass Jamlitz künftig Teil der Stiftung werden soll. Bei der Entwicklung des Gedenkortes Jamlitz arbeiten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die Evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land, das Amt Lieberose, der Jugendhilfeverein Karuna und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Abstimmung mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen. Im Lager Lieberose mussten von 1943 bis 1945 rund 10.000 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Das Außenlager des KZ Sachsenhausen wurde im Laufe des Jahres 1944 zum größten Lager mit jüdischen Häftlingen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches.

Weniger als 400 Gefangene überlebten

Bei den Häftlingen, die unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen für den Bau des Truppenübungsplatzes Kurmark der Waffen-SS eingesetzt wurden, handelte es sich zu 95 Prozent um Juden aus allen besetzten europäischen Ländern. Von den schätzungsweise bis zu 10.000 Juden aus zwölf europäischen Ländern, vor allem aus Polen und Ungarn, überlebten weniger als 400 Gefangene. Von 1945 bis 1947 befand sich am selben Ort das sowjetische Speziallager Jamlitz. Die DDR errichtete im Jahr 1973 mehrere Kilometer vom historischen Ort entfernt eine Mahn- und Gedenkstätte in Lieberose, wo der vornehmlich jüdischen Opfer gedacht wurde. Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie war im Februar 2020 anlässlich des 75. Jahrestages des Jamlitzer Massakers an die Opfer erinnert worden. Rabbiner Andreas Nachama stimmte damals das Kaddisch, das Totengebet, an, während die mehr als 100 Teilnehmer ergriffen zuhörten.