Geldpolitik: Cent-Münzen machen Händlern das Leben schwer

Für Händler und Banken können Ein- und Zwei-Cent mit viel Aufwand verbunden sein.
Jörn TornowBei der Vorstellung ihres gestrigen Arbeitsprogramms hat die EU-Kommission nun „gemeinsame Regeln der Rundung“ für alle Mitgliedstaaten angeregt. Gehören Ein- und Zwei-Cent-Stücke also bald der Vergangenheit an?
Denise Röseler jedenfalls würde eine Abschaffung des Kleingeldes begrüßen. Zusammen mit ihrem Ehemann Alexander leitet sie den Beeskower Edeka-Markt. Für sie ist der Umgang mit kleinen Cent-Stücken nicht nur aufwendig, sondern ein Kostenfaktor. „Wenn Ein- und Zwei-Cent-Münzen wegfallen würden“, sagt Alexander Röseler, „hätten wir weniger Kosten.“ Die Münzen für ihren Markt beziehen sie über die Bundesbank, die zusätzlich zum Wert der Münzen Gebühren für Bezug und Lieferung erhebt. Zwei Mal pro Woche müssten sie bestellen, sagt Denise Röseler.
78 Tonnen Münzrollen
An der Kasse sieht die Filialleiterin einen Trend hin zur Kartenzahlung. Mittlerweile würden viele Kunden die Karte selbst bei Kleinstbeträgen benutzen, sagt sie. „Und wenn es nur ein Euro ist.“ Natürlich gebe es noch Kunden, die mit Bargeld bezahlen, dabei kämen allerdings immer häufiger große Scheine zum Einsatz. Das führe dazu, dass sie mehr kleine Münzen herausgeben müssen als sie einnehmen, erklärt das Ehepaar.
„Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Umgang mit Hartgeld, insbesondere der Transport der Safebags, körperlich anspruchsvoll und mit einem hohen Aufwand verbunden ist“, sagt Sparkassen-Sprecher Holger Swazinna. Wie hoch der Aufwand ist, verdeutlicht auch eine Gewichtsangabe: So seien aus den im Jahr 2019 bei der Sparkasse Oder-Spree abgegebenen Münzen knapp 420 000 Rollen gefertigt worden, was einem Gewicht von fast 78 Tonnen entspreche. Hinzu kommt, dass das abgegebene Kleingeld zunächst auf Echtheit und Umlauffähigkeit geprüft werden müsse. Die Münzen dürften weder verformt noch verunstaltet sein. Um einen entsprechenden Umgang gewährleisten zu können, besuchen die Sparkassen-Angestellten spezielle Schulungen. Inhalte seien „Größe, Material, Echtheit und Umlauffähigkeit der Münzen sowie Sicherheitsfragen“, erklärt Swazinna.
Trotz des hohen Aufwands halte die Sparkasse aber an ihren Dienstleistungen rund um die kleinen Münzen fest. „Von unseren Kunden wissen wir, dass sie gern mit Bargeld bezahlen“, sagt Sprecher Swazinna. „Diesen Kundenwunsch respektieren wir.“ Insofern sei auch der Abbau von Münzwechselmaschinen kein Thema.
Auch Cornelia Kopća, Leiterin der Apotheke an der Stadtmauer, empfindet das Kleingeld gelegentlich als Belastung. „Weil wöchentlich Wechselgeld wieder rangeholt werden muss“, erklärt sie. "Wir bringen mehr in den Umlauf als wir an kleinen Cent Münzen einnehmen.“ Auf das Runden von Preisen verzichtet sie jedoch. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sei der Preis ohnehin gesetzlich vorgegeben. Auch im frei wählbaren Sortiment komme Aufrunden nicht in Frage. "Man macht ja die Sachen nicht teurer für den Kunden, sondern ist eher bemüht sie preiswerter anzubieten.“ Was anderes sei es, wenn der Kunde selbst aufrundet. „Viele wollen das Wechselgeld gar nicht zurück“, sagt Cornelia Kopća. Für solche Fälle habe sie Spendenboxen im Kassenbereich stehen. In diesen können selbst die kleinsten Cent-Beträge noch von Nutzen sein.
