Handwerk im Spreewald: Kahnbauer berichtet – darum ist Holz immer weniger gefragt

Kahnbauer Mario Müller erläutert und demonstriert Fertigungsschritte, die für einen Längsbohlenkahn erforderlich sind. Das Handwerk ist im Spreewald inzwischen rar.
Peter Becker- Tischler Mario Müller aus Werder ist einer der letzten Kahnbauer im Spreewald und gibt sein Wissen weiter.
- Müllers Werkstatt fertigt Längsbohlenkähne, die sich besonders für die Fischerei eignen.
- Der klassische Holzkahn hat es schwer gegen langlebige, pflegeleichte Aluminiumkähne.
- Workshops und Online-Materialien sollen das Wissen um den traditionellen Kahnbau bewahren.
- Der Kahn spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte und Kultur des Spreewalds.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mario Müller ist Tischlermeister und als solcher natürlich an allem interessiert, was aus Holz ist. Dazu gehört für den unweit der Spree liegenden Betrieb in Werder (Gemeinde Tauche) auch der Kahn, dessen Fertigungsschritte er einst von seinem Großvater übernommen hat.
In Müllers Werkstatt wurde allerdings ein anderer Kahntyp gefertigt, anders als der des heute allgemein bekannten Spreewaldkahns. Hier wurden die Bohlen der Länge nach verarbeitet – es entstand der nach dieser Bauform genannte Längsbohlenkahn. Der Spreewaldkahn ist ein Querbohlenkahn, hier sind die Bodenbretter quer zur Fahrtrichtung verarbeitet.
Müllers Kähne sind auch kleiner und vorrangig für die Fischerei vorgesehen. Der Nachteil dieser Kahnform liegt darin, dass viele Querstreben zum Zusammenhalt der Längsbohlen erforderlich sind. Für Schüttgüter und ähnliche Materialien war daher diese Kahnform weniger geeignet, denn das Entleeren beispielsweise mittels Schaufel stellt sich als schwierig dar – zusätzliche Bodenbretter über die Streben hinweg waren ein Erfordernis.
Kahn aus Holz für den Spreewald – die Vorteile
Für die Fischerei in den Nebenarmen der Spree war diese Kahnform dagegen bestens geeignet: Der Kahn war nicht zu groß, daher wendig und ließ sich dank eines Bugstevens gut durch die Bewuchszonen manövrieren.
Sein Wissen gibt Mario Müller gern weiter, wie unlängst im Rahmen eines Kahnbauworkshops des Spreewaldvereins. 25 Männer und Frauen hatten sich zuvor bereits den Kahnbau bei anderen Betrieben angesehen – darunter bei der Metallbaufima Jakubik in Burg, der „Vollholzschmiede“ in Straupitz und in Lehde bei Wolfgang Gahl. Müller ist so etwas wie ein Botschafter für Holz, das beim Kahnbau immer seltener zum Einsatz gelangt.
Klassischer Holzkahn im Spreewald immer seltener
Jedem, der sich mit dem Thema befasst, ist klar, dass der klassische Holzkahn mit seiner inzwischen 180-jährigen Tradition mittlerweile einen eher schweren Stand hat. Das liegt daran, dass es inzwischen seit Jahrzehnten eine Alternative, den Aluminiumkahn, gibt und daran, dass das Handwerk des Kahnbauers kaum noch vorhanden ist – auch, weil die Nachfrage sinkt. Der Alu-Kahn, wie er kurz genannt wird, ist wesentlich länger haltbar und pflegearm.
Umso wichtiger gilt die Aufmerksamkeit nach wie vor dem Holzkahn, der für den Spreewald einst so typisch war, auch wenn er immer weniger auf den Fließen anzutreffen ist und immer mehr die Rolle des „Oldtimers“, des Liebhaberstücks, einnimmt. Es soll tatsächlich schon Kahnfahrer geben, die für Fahrten im Holzkahn Aufschläge verlangen.

Beim Kahnbau ist im Spreewald noch richtig Muskelkraft gefragt. Ein Holzkahn nimmt viel Zeit in Anspruch.
Peter BeckerSpreewald-Kahnbauer Mario Müller gibt Wissen weiter
Und so gilt Kahnbauer Mario Müller aus Werder als wichtiger Vertreter der hölzernen Spreewaldkähne. Wie gelingt es, den Kahn dicht zu bekommen? Welche Schrauben, welche Anstrichmittel werden genutzt, wie werden die Seiten geformt? Der Tischlermeister lässt keine Frage unbeantwortet, er geht auch bei diesem Workshop neben den traditionellen Fertigungsmethoden auch auf den Einsatz moderner Hilfsmittel und Werkzeuge ein.
Das einst häufig genutzte Dichtmittel Werg, ein Rückstand aus der Flachsverarbeitung, wird heute durch Kunststoffeinlagen ersetzt, der Teeranstrich durch umweltverträglicheren Bitumenlack. „Mein Großvater hat auch noch mit dem Fuchsschwanz die Bohlen in ihrer Längsrichtung stundenlang und kräftezehrend zugesägt – eine sehr ermüdende Tätigkeit, die moderne Sägemaschinen in kurzer Zeit und in bester Qualität erledigen können“, erzählt Mario Müller über seine „Lehrjahre“ beim Großvater.
Spreewald: Kahn-Workshops sollen online gehen
Die Betriebsbesuche kommen bei den Teilnehmern des Workshops gut an. Sie wünschen sich eine Fortsetzung und eine Dokumentation der Verfahrensschritte, auf die jederzeit zugegriffen werden kann. „Im medialen Zeitalter dürfte das eigentlich kein Problem sein“, lautet die allgemeine Auffassung.
Melanie Kossatz, Geschäftsführerin des Spreewaldvereins, nimmt dies als Hausaufgabe an: „Wir werden diese Workshops visualisieren, für jedermann zugänglich machen, auch mit Kahn-Podcasts. Fürs Erste sind wir glücklich darüber, dass unsere Workshopteilnehmer sich im Ergebnis der Veranstaltungen vernetzen konnten, ihre Erfahrungen nun besser austauschen können und so unser Kulturgut KAHN am Leben erhalten.“
Spreewald: Geschichte des Kahnbaus
Um 1850 begann der Bau der Kähne in ihrer jetzigen Form. Bis dahin war der Einbaum mit seinen beschränkten Abmessungen das typische Transportmittel. Voraussetzung war das maßgenaue Längssägen von Bäumen, wie es in der Straupitzer Mühle mit ihrem Sägegatter möglich wurde.
Tischler in den Spreewaldorten spezialisierten sich im Kahnbau, fast jeder Ort hatte seinen (oder mehrere) Kahnbauer, von denen jeder seine „Handschrift“ hatte. Fast jeder im Inneren des Spreewalds Lebende benötigte einen Kahn, meist sogar mehrere: Vom Ochsenkahn bis zum kleineren Fischerkahn, zuerst für die landwirtschaftliche Nutzung, später zunehmend für den touristischen Einsatz.
Gekauft wurde der Kahn bei dem Kahnbauer mit dem günstigsten Preis und der besten Qualität – etwas, was nicht immer im Einklang stand. Viele Kahnbaubetriebe gaben in der Folge zumeist auch aus Altersgründen auf, sodass es heute nur noch sehr wenige Holzkahnbauer gibt.


