Holländermühle in Straupitz
: Diese historische Technik lockt wieder Besucher

Die Holländermühle Straupitz bei Lübben, mit drei funktionierenden Gewerken ausgestattet, erwartet wieder Gäste. Geboten wird nicht nur ein Ausflug in die Geschichte der Technik.
Von
Jens Olbrich
Straupitz
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Die Holländerwindmühle Straupitz, gebaut 1850, wird funktionsfähig gehalten vom Mühlenverein Straupitz – es ist die letzte produzierende Dreifachwindmühle Europas.

Jens Olbrich

Auf dem Ortseingangsschild steht neben Straupitz der niedersorbische Ortsname Tšupc. Unter blauem Himmel und bei strahlendem Sonnenschein geht es vorbei an der sehenswerten Schinkel-Kirche in die Laasower Straße.

Die letzte noch produzierende Holländerwindmühle Europas ist in dem Dorf bei Lübben im Landkreis Dahme-Spreewald kaum zu übersehen. Majestätisch streckt sie die Flügel ihres Windrades vor sich ins Rund. Erinnerungen an alte Märchen, Sagen und Geschichten werden geweckt, Ehrfurcht vor der Meisterleistung der Baumeister und Technik vergangener Tage macht sich breit.

Die Kraft des Windes kann bei uns heutzutage nur noch selten genutzt werden, erklärt Andrea Menzel vom Mühlenverein Holländermühle. „Wenn ich tatsächlich mit Wind arbeiten möchte, brauche ich gleichmäßigen Wind.“ Und den gibt es dank der dichten Bebauung, die ihn unkontrolliert verwirbelt, nicht mehr. An ungefähr 100 Tagen im Jahr reicht der Wind noch aus, die Flügel drehen zu lassen und damit die Königswelle, die senkrecht durch die Mühle nach unten die Kraft überträgt, zu bewegen. Im Leerlauf sozusagen, denn schon für den Antrieb des 800 kg schweren Mühlsteins würde die Leistung nicht mehr ausreichen.

Andrea Menzel vom Mühlenverein

Jens Olbrich

Holländermühle Straupitz – man atmet die Vergangenheit

Wie durchdacht die alte Technik ist, zeigt sich während der Führung. Breite Transmissionsriemen übertrugen die von der Königswelle weitergegebene Windkraft auf das Mahlwerk. Hölzerne, auf den ersten Blick wie Balken aussehende, Leitungen queren den Raum, überall sind Klappen, Trichter und Luken, denen man ihr hohes Alter ansieht. Die Dielenbretter erzählen die Geschichte von vielen Füßen, die über sie liefen. Enge Treppen führen durch die Kornmühle hinauf in die drehbare Turmhaube, in der ein riesiges, hölzernes Zahnrad die Kraft der Flügel auf die Königswelle überträgt. Viel Platz ist nicht auf den Etagen, aber man atmet die Vergangenheit förmlich ein und es gibt sehr viel zu sehen.

Revision durch Mühlenbaufirma aus den Niederlanden

Und zu hören. Andrea Menzel weiß viel zu berichten. Unter anderem, dass der Mühlenverein und die zugehörige Windmühle Straupitz GmbH die regelmäßig alle zwei Jahre stattfindende Revision der aus dem Jahr 1850 stammenden Holländerwindmühle von einer Mühlenbaufirma aus den Niederlanden durchführen lässt. „Die haben da am meisten Ahnung. Mit denen arbeiten wir schon ganz lange zusammen und da wissen wir, dass das funktioniert“, erklärt sie.

Aus der Kornmühle, die früher bis zu anderthalb Tonnen Getreide zu Mehl verarbeitete, geht es weiter zum zweiten Gewerk der Straupitzer Mühle, der Ölmühle. Wie auch in der Kornmühle ersetzen auch hier seit langem Elektromotoren die launische Kraft des Windes und treiben über Transmissionsriemen die Pressen und Geräte an. Ölmüller Schmidt hat hier das Sagen, ist sozusagen der Herr über die aus dem Jahr 1910 stammende Originaltechnik.

Holländermühle Straupitz - Ölmüller Schmidt arbeitet wie zu Großvaters Zeiten mit Originaltechnik aus dem Jahr 1910 und dem Handwerkswissen, welches ihm der alte Ölmüller von Hand zu Hand übergab.

Jens Olbrich

Die Ölpresse – Arbeit wie zu Großvaters Zeiten

Gearbeitet wird, traditionell wie zu Großvaters Zeiten, mit dem Nass-Trocken-Verfahren, mit antiker Technik und, wie Ölmüller Schmidt stolz zugibt, mit dem alten, überlieferten Wissen. „Das Handwerk wurde wirklich von Hand zu Hand übergeben. Das ist heutzutage auch ganz selten“, erklärt er. Wasser entzieht dem Leinsamen-Pressgut die Bitterstoffe, getrocknet wird es althergebracht in einem mit Holzfeuer beheiztem Mischer. Heraus kommen in täglich 12 bis 14 Pressungen 30 bis 35 Liter mild schmeckendes Leinöl. Der Ölmüller ist sich sicher: „Das macht heute außer uns keiner mehr so.“

Zum dritten Gewerk, zur aus dem Jahr 1880 stammenden Sägemühle, geht es über eine kleine Ausstellung über die frühere Nutzung von Lein. Umwelttechnisch interessant ist nicht nur die umfassende Nutzung der Pflanze. In der Sägemühle stehen zwei Sägegatter, wie die großen Sägen fachgerecht bezeichnet werden.

Kontaktdaten Holländermühle Straupitz:

Laasower Straße 11a,

15913 Straupitz

Website

● Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 9-18 Uhr

Samstag und Sonntag: 10-18 Uhr

Ostern 2024: 10-18 Uhr

● Telefon: 035475 16997

● E-Mail: info@windmuehle-straupitz.de

Einmal ist da das Horizontalgatter. „Damit kann man große Stämme sägen, bis einen Meter Durchmesser. Aber immer nur ein Brett nach dem anderen“, erklärt Andrea Menzel. „Und wir haben das Vertikalgatter. Damit kann man dann eben nur kleinere Stämme sägen.“ Alte Technik vom Feinsten, hergestellt Anfang des 20. Jahrhunderts vom Maschinenbau Sachsen.

Im Imbiss der Holländermühle Straupitz gibt es typische Spreewaldgerichte – Eierplinsen, typisch zum Thema Holländermühle passend, stehen aber auch auf dem Speiseplan.

Jens Olbrich

Essen aus dem Spreewald: Quark mit Pellkartoffeln und Leinöl

Am Ende des Besuchs, wahlweise sicherlich auch zu Beginn, können sich Besucher im zur Holländerwindmühle gehörenden Imbiss stärken. Typische Spreewaldgerichte wie Quark mit Pellkartoffeln stehen auf dem Speiseplan, natürlich mit in der Mühle gepresstem Leinöl. Neben Grützwurst mit Sauerkraut gibt es aber auch Eierplinsen, passend zum niederländischen Ursprung der Mühlenkonstruktion. Reisegruppen, die sich vorher anmelden, brauchen nicht lange auf das Essen zu warten – Andrea Menzel versichert, dass das erste Bier noch nicht ausgetrunken ist, bis das Bestellte auf dem Tisch steht.

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