Krasse Katze in Brandenburg: Kater Johnny – ein echt krasser Abenteurer

Kater Jonny aus Werder genießt es, auf dem Hof in der Sonne zu dösen oder auf dem Gästebett zu schlummern. Von seinen Abenteuern berichten nur seine Narben.
Fotocollage: Jens Olbrich/MOZEin wenig erinnert die Geschichte von Johnny’s Abenteuer schon an Lassie, die Collie-Hündin, die über hunderte von Kilometern aus Schottland zurück zu ihrer Familie in Südengland lief. Den frechsten Kater des Wurfes hatte René Becker haben wollen, als er auf den Wunsch seiner Frau Petra Becker einging, eine Katze in die Familie aufzunehmen. Um den abenteuerlichen Touch des kleinen Katers zu steigern, einigten sich die Beckers auf den Namen John, entliehen von Long John Silver, dem Piraten aus Stevensons Schatzinsel.
Der Wunsch des frechsten Katers sei in Erfüllung gegangen, John Silvers Namens-Patenschaft tat offenbar ihr Übriges. Johnnys Abenteuer passierte 2016. Petra Becker erinnert sich daran, als sie den Aufruf der MOZ zur Suche nach ‚Krassen Katzen‘ und ihren Geschichten las und sich daraufhin in der Redaktion meldet. Denn krass ist Kater Johnny, wie er gerufen wird, schon. Gut vier Monate war er unterwegs, seine Rückkehr im Januar 2017 erinnert an ein verspätetes Weihnachtswunder.
Kater Johnny aus Werder – über seine abenteuerliche Reise schweigt er
Wenn Johnny damals einen GPS-Tracker umgehabt hätte, wie ihn die krassen Katzen der kommenden MOZ-Aktion tragen werden, oder wenn er, wie die Tiere im polnischen Märchen, in der Heiligen Nacht sprechen könnte, würden die Beckers mehr über seine Abenteuer wissen. Johnny redet aber nicht, und das Märchen bleibt nur ein Märchen, welches Petra Becker während ihrer Arbeit in Polen kennengelernt hatte. So berichten nur ein ausgeschlagener Fangzahn und fehlende Zehen davon, dass Johnnys lange Reise zurück zu seiner Familie nicht immer ganz friedlich verlief.
In die Familie aufgenommen hatten Petra und René Becker den Kater-Welpen bereits 2012. Da wohnten sie noch in Lauchhammer. Wenn ‚Herrchen‘ abends heimkam, half Johnny ihm, das Auto in den Carport zu fahren. Eine Tradition gewissermaßen. „In der Zeit, in der René das Tor geöffnet hat, saß der Kater schon auf dem Beifahrersitz“, erinnert sich Petra Becker. Johnny fährt gern Auto, meint sie, auch heute noch. Dann kam der Umzug in das Häuschen im Grünen, nach Werder an der Spree (Landkreis Oder-Spree), wie es sich die Beckers schon lange erträumt hatten.

Am liebsten schlummert und döst Johnny auf dem Gästebett. Vielleicht träumt er ja zuweilen noch von seinem Abenteuer, bleibt aber inzwischen doch lieber daheim.
Jens OlbrichAn die Leine legen lässt sich der Abenteurer nicht
Vorbei war es mit den Gewohnheiten, die Johnny in den vier Jahren zuvor angenommen hatte, verschwunden sein altes Revier, in dem er sich auskannte. „Johnny war schon immer Freigänger“, erzählt Petra Becker. Als sie nach Werder zogen, bekam sie den Rat, Johnny vorübergehend an die Leine zu legen. Es blieb bei einem Versuch. „Der arme Johnny ging senkrecht in die Höhe, hat vier Stunden unter dem Auto gesessen, ist dann in die Wohnung drüben, unter den Schrank, in die äußerste Ecke.“
Was auch nach dem Umzug geblieben sei, war Johnny Leidenschaft fürs Autofahren. September 2016 geschah es dann, die Beckers waren unterwegs zu einer Hochzeit in Polen. Petra Becker verweilte noch etwas bei ihren Kollegen in Poznan, wo sie Freunde hatte, als Lehrerin arbeitete. René Becker blieb nur über Nacht bei der Feier und fuhr am Tag darauf zurück nach Werder. Eine nette Nachbarin betreute und fütterte Johnny, doch der Kater nutzte die Gelegenheit für den Start des größten Abenteuer-Trips seines Lebens. Zunächst als blinder Passagier, im Transporter eines Lieferfahrers, vermutet René Becker.
Die Suche nach Kater Johnny – selbst Wolf, Fuchs und Waschbär wurden verdächtigt
Was folgte, war eine Zeit des Suchens, des Kummers und des schlimmsten Weihnachtsfestes aller Zeiten. „Wir haben unseren traditionellen Weihnachtsspaziergang gemacht. Und alle haben nur gerufen und geweint“, erinnert sich Petra Becker. „Und dann kam Neujahr“, ergänzt René Becker. „Und die Hoffnung sank.“ Wolf, Fuchs und Waschbär wurden verdächtigt, schlimmer sei allerdings die Vorstellung gewesen, dass Johnny unbemerkt in einen der über die kalte Jahreszeit winterfest gemachten Bungalows in der Nachbarschaft eingedrungen sein und dort nun gefangen elend verhungern könnte.

Kater Johnny aus Werder – die Suche lief auch über die Tierschutzorganisation Tasso.
Jens OlbrichDie Suche, auch über die Tierschutzorganisation Tasso, sei zunächst erfolglos gewesen. Doch dann, Januar 2017, kam ein Anruf von der Tierärztin Dr. Christine Drendel. „Mein Mann war gerade zur Konferenz in Mannheim“, erzählt Petra Becker und berichtet weiter, dass Johnny einer Frau im fast 25 Kilometer entfernten Wilmersdorf zugelaufen war, sich zu deren Katzen an den Napf gesellt hatte.
Diese hätte den Kater dann aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes zur Tierärztin gebracht, welche wiederum den zum Glück vorhandenen Chip des Katers auslas – und Johnny als gesucht erkannte. Durch Zufall stellte sich dann sogar noch heraus, dass die Finderin mit der Nachbarin in Werder verwandt war.
Rückkehr nach Werder – ein implantierter Chip bringt Johnny zurück zu den Beckers
Ende gut, alles gut. René Becker überraschte seine Frau bei deren Rückkehr von der Arbeit in Polen. Nichtsahnend sagte sie noch beim Öffnen der Tür: „Ferien hin und her ... weißt du, was das Schönste wäre?“ Dann kam ihr Johnny entgegengelaufen. Die Überraschung war gelungen, die Freude der Beckers riesig. Kater Johnny, der sich inzwischen gut von seinem Abenteuer erholt hat, drehe inzwischen nur noch kleine Runden und genießt meistens die Schlummerstunden im Gästebett.



