Tierheim Eisenhüttenstadt
: Katzen-Babys einfach im Karton ausgesetzt

Regelmäßig werden im Tierheim Eisenhüttenstadt junge Katzen abgegeben. Zuletzt hatte ein Unbekannter Kätzchen mit einem Begleitschreiben einfach in einem Kleingarten abgestellt.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Wurden einfach in einem Kleingarten in der Sparte Erlenhof in Eisenhüttenstadt einem Karton abgestellt: die Katzen Lisa (links) und Lotte

Hagen Bernard

Bei einem Tierliebhaber im Karton ausgesetzt und nun im Tierheim an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt – wenn Katzen sprechen könnten, dann hätten die graue Lisa und die grau-weiß gestreifte Lotte einiges zu erzählen. Die beiden sind die letzten aus einem Wurf von sechs Kätzchen, die jemand einem Tierfreund in der Gartensparte „Erlenhof“ im Eisenhüttenstädter Ortsteil einfach so hingestellt hatte.

„Wir sind im August geboren, viel Spaß“ habe laut Tierheimleiterin Ute Valentin der Unbekannte dem Tierfreund auf einem Zettel noch mitgegeben. Da der Tierfreund jedoch im Erlenhof bereits drei Katzen betreute, brachte er die sechs Jungen nahezu notgedrungen ins Tierheim.

Katzen waren gepflegt und handzahm

Es waren zwei Kater und vier Kätzchen. „Immerhin waren die Katzen in einem sehr guten Zustand, sie waren auch handzahm“, berichtet die Tierheimleiterin. Also hatte jemand die Kätzchen, als sich so langsam die kältere Jahreszeit einstellte, seine bisherigen Zöglinge einfach bei einem als tierlieb bekannten Kleingärtner abgestellt.

Aufgrund des guten Ernährungszustandes konnte Ute Valentin immerhin recht bald mit der Vermittlung beginnen. Die Kätzchen sahen sich zwar recht ähnlich, also grau-weiß gemustert, doch die zutraulichsten waren natürlich am schnellsten vergeben, darunter die beiden Kater.

Übrig geblieben sind die auch Fremden gegenüber recht zugängliche Lotte und die graue Lisa. Lisa verhält sich zumindest Fremden gegenüber noch recht scheu, lässt sich jedoch ohne weiteres aus dem Körbchen nehmen, auch wenn ihr das offensichtlich nicht behagt. „Bei mir ist sie zutraulich, sie muss sich erst an andere Leute gewöhnen“, erklärt Ute Valentin. Immerhin scheint Lisa nicht unbedingt aggressiv zu sein.

34 Katzen im Tierheim Eisenhüttenstadt

„Im vergangenen Jahr war es schlimm. Sonst hatten wir immer um die 25 Katzen, dieses Mal waren es 41. Jetzt leben noch 34 Katzen hier. Darunter sind auch ein- bis dreijährige Samtpfoten, die an verschiedenen Orten in Eisenhüttenstadt herrenlos aufgegriffen wurden.

„Ich habe den Eindruck, dass es mit den gestiegenen Tierarztkosten etwas zu tun hat. Die Untersuchungen sind teurer geworden, die Kastration eines Katers kostet hier 80 Euro, die einer Katze 150.“

Suchen ein neues Zuhause: Lisa (links) und Lotte

Hagen Bernard

Diese Ausgaben scheinen viele zu scheuen. „Mussten die Tierärzte unbedingt ihre Gebühren erhöhen. Denen ist es doch auch so noch recht gut gegangen. So werden die Probleme auf private Halter und auf die Tierheime abgewälzt“, erklärt Ute Valentin.

Lieber Verzicht als Zahlung der Kosten im Tierheim

So habe sich beispielsweise auch eine Frau auf eine bei ihr abgegebenen Fundkatze hin gemeldet, die ihr Tier bereits zwei Wochen lang gesucht hatte. Als sie jedoch erfuhr, dass sie die Unterbringungskosten im Tierheim zu bezahlen habe, habe sie laut Ute Valentin nichts mehr von sich hören beziehungsweise blicken gelassen.

So obliegt es dem Tierheim, für die obligatorischen Impfungen und Flohtropfen aufzukommen. Wenn die Katzen etwas älter werden, auch für deren Kastration.

Noch sind Lisa und Lotte dafür laut Ute Valentin etwas zu jung. Doch für die aufnehmenden Halter ist es laut Ute Valentin Pflicht, diese dann auch zu kastrieren, da der Tierschutz generell einer Vermehrung vorbeugen will. Katzen werden je nach Rasse in einem Alter von vier bis acht Monaten geschlechtsreif.