Kriminalität bei Beeskow: Verbrechen auf dem Land – wie die Situation in Rietz-Neuendorf ist

Versuchter Enkeltrick: Eine Seniorin telefoniert mit ihrem Smartphone (Symbolfoto). Auch über diese Masche wird am 12. März in Neubrück gesprochen werden.
Sebastian GollnowMit Straftaten im ländlichen Raum und Telefon-Betrügereien will man sich in einer öffentlichen Veranstaltung in Neubrück beschäftigen. Die „Infoveranstaltung zu Betrugsmaschen“, so der offizielle Titel, ist zwar vom Seniorenbeirat der Gemeinde Rietz-Neuendorf vorbereitet worden, nun habe aber der Kreisfeuerwehrverband die Leitung übernommen, berichtet Erika Wilke vom Seniorenbeirat. Sie hatte die Veranstaltung am 12. März lange Zeit federführend mit vorbereitet, jetzt werde aber der Kreisfeuerwehrverband als Veranstalter auftreten.
In der Ankündigung heißt es, dass „die Betrügereien im Netz und am Telefon in erschreckendem Maße zugenommen haben“. Man wolle daher über den „Enkeltrick“ und Betrugsmaschen informieren und Möglichkeiten zum Schutz und zur Prävention aufzeigen.
Doch was sagt die Polizei-Statistik, ist der ländliche Raum besonders von Straftaten betroffen, sind Telefonbetrüger besonders auf Dorf-Bewohner aus?
Ein Blick in die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion
Da hilft ein Blick in die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) für das Jahr 2022. Denn die Statistik für das Jahr 2023 wird aktuell noch zusammengestellt. Bei der Statistik fällt zunächst der extrem hohe Posten an Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz auf, die von Asylbewerbern begangen werden.
Wenn man sich den klassischen Straftaten wie Wohnungseinbruch und Telefonbetrug zuwendet, so muss man dabei beachten, dass die Gemeinde Rietz-Neuendorf mit zum Bereich des Polizeireviers Fürstenwalde zählt, die Stadt Beeskow hingegen geht an das Polizeirevier Eisenhüttenstadt.
Die Anzahl der Straftaten ohne Verstöße gegen Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz sind 2022 fast gleich geblieben im Vergleich zum Vorjahr: 14.883 Fälle in 2021 zu 15.087 Fälle in 2022. Im Gebiet des Reviers Fürstenwalde wurde 2022 50 Wohnungseinbrüche gemeldet (2021: 41), im Revier Eisenhüttenstadt waren es 31 (37). In Fürstenwalde wurde 56 Pkw gestohlen (2021: 32), in Eisenhüttenstadt verschwanden 64 (77) Autos. Straftanzeigen wegen Betrugs, inklusive Telefonbetrugs, gab es in Fürstenwalde 2022 391 (2021: 494), in Eisenhüttenstadt waren es 248 (229).
Ländlicher Raum nicht stärker betroffen
Sie wolle ja auch nicht sagen, dass der ländliche Raum stärker von der Kriminalität betroffen sei als Städte, es sei aber auf jeden Fall ein Thema für die Einwohner in Rietz-Neuendorf, erläutert Erika Wilke.
Eine weitere Unterteilung der polizeilichen Statistik in ländliche Regionen wie beispielsweise Rietz-Neuendorf einerseits und Städte wie Fürstenwalde andererseits sei nicht möglich, sagt Stefan Möhwald von der Polizeidirektion Ost in Frankfurt, ein solcher Versuch würde den Rahmen der vertretbaren Polizeiarbeit sprengen.
Es gebe bereits jetzt eine breite Vermischung in der Region; die weitere ansteigenden Betrugsdelikte via Telefon durch gut organisierte Banden unterstreichen, dass „deren Opfer leider in der gesamten Fläche unserer Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) vorhanden sind“, erklärt Ulrich Jobst von der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt.
Bürgermeister würdigt die Initiative des Seniorenbeirates
Straftaten und Prävention sind auch ein Thema für Oliver Radzio, Bürgermeister der Gemeinde Rietz-Neuendorf. Grundsätzlich erhalte die Gemeinde keine automatische Auskunft zu strafrechtlich relevanten Vorfällen. Er teile jedoch die Einschätzung, „dass wir im Vergleich zu städtischen Räumen verhältnismäßig gut dastehen.
Das heißt nicht, dass wir von der Bandbreite krimineller Machenschaften verschont bleiben, aber wir haben zum Glück keine Hotspots. Unabhängig davon finden Betrugsmaschen via Telefon oder E-Mail, bei der gerne auch die Gutmütigkeit älterer Bürger ausgenutzt wird, unabhängig des Wohnorts statt“, sagt er. Daher freue er sich, dass der Seniorenbeirat zusammen mit der Polizei eine solche Präventionsveranstaltung organisiert.
Bei der Veranstaltung am 12. März wird es nicht nur um Polizei-Statistik gehen, sondern auch ganz stark um Schutz und Prävention. In Neubrück wird es vorrangig um Gefahren an der Haustür und am Telefon gehen. Ein Mitarbeiter für Prävention der Polizeiinspektion Oder-Spree wird die Zuhörer über Enkeltrick und weitere Betrugsmaschen aufklären.
Infoveranstaltung am 12. März 2024, 15 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Neubrück, Spreestraße 2, 15848 Rietz-Neuendorf.


