Mittelaltermarkt Beeskow 2023: Bogenschießen und dicke Bohnen – was auf den Wollmarkt lockt

Sind gern Wikinger: Familie Zimmermann aus Döbeln taucht gern ins frühmittelalterliche Leben ein. Vor der Burg in Beeskow kocht sie am Sonnabend (14. Oktober) gemeinsam auf offenem Feuer ihr Mittagessen. Warum der Besuch des Wollmarktes auch noch am Sonntag lohnt.
Ruth BuderSchon das Wikingerlager auf dem grünen Rasen vor der Burg Beeskow stimmt auf den Wollmarkt ein. Die Zimmermanns aus Döbeln, die das Leben einer frühmittelalterlichen Familie nachahmen, haben am Sonnabend (14. Oktober) hier ihre Zelte aufgeschlagen und kochen auf offenem Feuer das Mittagessen: „Heute gibt es Kräuterhuhn mit Knödeln und dicken Bohnen“, berichtet der Vater, während er in der dampfenden Suppe rührt. Frank Zimmermann ist im wirklichen Leben Lkw-Fahrer, seine Frau Kristin Pharmazeutisch-technische Assistentin. Mit ihnen abgetaucht in eine andere Welt sind ihre Kinder Emma Freya und Björn Thore sowie ihr Neffe.
Tipps am Spinnrad
Während sie kochen, geht es auf dem Burghof in den Mittagstunden schon recht trubelig zu. Überall gibt es was zu gucken, zu kaufen, zu essen, zu trinken und viel zu bereden. Am Stand von Carina Vogel erfährt man viel über Schafe und Wolle.

Carina Vogel aus Biesenthal erklärt beim Spinnen den Besuchern aus Heidelberg, Martina Schüßler und Töchterchen Hanna, sowie Martina Schüler aus Storkow wie aus Schafwolle Strümpfe werden. Über die Schulter schaut auch der Gaukler René.
Ruth BuderDie Biesenthalerin ist das erste Mal bei einem mittelalterlichen Fest auf der Burg Beeskow dabei. „Es gefällt mir gut. Schönes Ambiente“, lobt sie, während sie am Spinnrad arbeitet. Beruflich ist sie im Landesumweltamt tätig, aber in ihrer Freizeit kümmert sie sich mit ihrem Mann Herbert Noll um ihre 200 Schafe. „Das Hobby ist ein bisschen aus dem Ruder gelaufen“, lacht die 59-Jährige. Heute erklärt sie den neugierigen Besuchern wie die Schafwolle nach der Schur gewaschen, gekämmt und gesponnen wird. Sie schwärmt von ihren handgestrickten Socken aus Schafwolle. „Seitdem ich dieses echte Naturprodukt trage, habe ich keine kalten Füße mehr.“ Die Strümpfe ließen sich auch noch verwerten, wenn sie löchrig geworden seien: „Ich stopfe sie in die Erde, ein wunderbarer Dünger, ähnlich wie Hornspäne.“
Selbstversuche beim Bogenschießen
Vogels Mann, der heute Geburtstag hat, macht sich indessen auf zum Bogenschieß-Turnier. Uwe Henneberg, der Organisator des mittelalterlichen Wollmarktes, erwartet schon die Teilnehmer. Der erste ist Jonathan Weber aus Berlin. „Nicht schlecht“, kommentiert Uwe Henneberg, als er an der Zielscheibe die Punkte auszählt. Der 59-Jährige aus Werder ist gerade dabei, aus seiner Interessengruppe der Bogenschützen mit etwa 20 Mitgliedern einen Verein in Beeskow zu gründen. „Wir stehen kurz davor“, sagt er. Auch an der Fontane-Grundschule bietet er in einer AG sein Wissen im Umgang mit Pfeil und Bogen an. Im Übrigen seit 1972 eine olympische Sportart.

Beim Turnier der Bogenschützen schneidet der Berliner Jonathan Weber ganz gut ab.
Ruth BuderMarkt-Organisator schert Schafe
Im Laufe des Samstages wird Henneberg noch vorführen, wie Schafe geschoren werden, nur einige wenige seiner großen Herde hat er mitgebracht. Er möchte sie nicht unnötig unter Stress setzen. Gut zu tun haben auch Henker Adam und Lutz Gombert – bekannt auch von der Storkower Gefährten der Nacht. Er mischt sich mit seiner Gitarre unters Volk und singt alte Volkslieder, zum Beispiel das von „Heißa, Kathreinerle …“

Macher und Marktorganisator Uwe Henneberg mit seinen Helfern Anika und Adam, dem Henker (v.l.), bei der Begrüßung der Gäste.
Ruth BuderGaukler als Hingucker
Stilecht gekleidet ist an beiden Tagen des Wollmarktes auch der „Toilettenmann“. René Haubold, im Kostüm eines Gauklers, erfüllt nicht nur seine Reinigungspflichten, „ich muss sogar öfter mit aufs Foto“.

Im stilechten Outfit zum mittelalterlichen Markt: Angelique und Benjamin aus Berlin. Sie lieben die ruhige und freundliche Atmosphäre.
Ruth BuderEin schönes Motiv bieten auch Benjamin und Angelique aus Berlin, ganz in schwarz im Gothic-Style gekleidet, unterm Rock Schwert und Dolch und natürlich ein Horn für den Met. Umweltfreundlich tragen sie das Trinkgefäß immer bei sich. „Wir tauchen gern ins ruhigere Mittelalter ein, alle Leute sind freundlich“, erklärt Benjamin. „Für uns ist das eine schöne Abwechslung zu unserer Büroarbeit.“
Auch am Sonntag (15. Oktober) kann der mittelalterliche Wollmarkt besucht werden. Ab 11 Uhr gibt es Ritterkämpfe, Puppenspiel, Bogenturnier, Luftakrobatik, Schafschuren, Fakirshow und um 17.30 Uhr einen „feurigen Abschluss“.
