Pelikan in der Spree: Rätselraten um handzahmen Exoten in Beeskow
Im vergangenen Jahr wurde in Kleinmachnow ein Löwe gesichtet, der dann doch ein Wildschwein war. Durch Werneuchen hüpft ein Känguru, über die Begegnung mit Wölfen wird nur noch berichtet, wenn sie durch die Dörfer streifen. Die Stadt Beeskow sah sich genötigt, ein Fütterungsverbot für Nutria auszusprechen, weil sich einige Menschen von den possierlichen Nagern belästigt fühlen.
Brandenburg scheint ein Paradies für Wildtiere zu sein. Nun hat sich in Beeskow ein gefiederter Exot dazugesellt. Seit Anfang der Woche ist mehrmals ein Pelikan an der kleinen Spree gesichtet worden. Von Fischer Kraemer hat sich das Tier sogar füttern lassen.
Woher das Tier kommt, ist völlig unklar. Katharina Sperling, Leiterin der Abteilung Artenschutz im Tierpark Berlin, sagt, dass das Tier definitiv nicht aus dem Landschaftstiergarten in Berlin–Lichtenberg stamme. Der Tierpark ist bekannt für seine große Gruppe dieser Tiere und meldet auch immer wieder Nachzuchterfolge.

In der Pelikan-Kolonie im Berliner Tierpark herrscht ungewöhnliches Familienglück. Zwei Adoptivväter kümmern sich um ein kleines Fleckschnabelpelikan-Küken, berichtet der Tierpark in sozialen Medien.
Tierpark Berlin/dpa„Das Ei eines Fleckschnabelpelikan–Pärchens war aus dem Nest gefallen und wurde von seinen Eltern nicht mehr umsorgt“, berichtete der Tierpark vor wenigen Tagen auf seinem Instagram–Account. Man habe das Ei deshalb ins Nest des männlichen Pelikan–Paares gelegt. Am 23. Januar sei das Jungtier geschlüpft und „wächst seither in der Obhut seiner beiden fürsorglichen Adoptivväter heran“, heißt es weiter.
Aus dem Tierpark Cottbus stammt der Beeskower Pelikan ebenfalls nicht. „Unsere Pelikane befinden sich alle noch im Winterquartier im Vogelhaus des Tierparks“, sagt Zootierinspektor Mario Wolff. Auch in Cottbus habe man aktuell Jungtiere verschiedener Pelikanarten. Die Vögel würden in der Regel in den Winterquartieren brüten, seltener in den Sommermonaten.
Spree in Beeskow: große Artenvielfalt im Winter
Für Wolff ist die Pelikan–Sichtung in Beeskow eine interessante ornithologische Beobachtung. Er berichtet, dass er sich schon im Winter über die Artenvielfalt auf der Spree bei Beeskow überzeugt hatte. An die 1000 Kormorane, Gänsesäger, Möwen, Grau– und Silberreiher hätten den Fischreichtum des eisfreien Gewässers genutzt. „Auch ich habe diesen Anblick genossen. Der Pelikan toppt das Ganze jetzt“, so Wolff.
Der Wildtierexperte geht aber davon aus, dass der Pelikan aus einem Gehege stammt. Wenn er sich sogar füttern lasse, spreche das umso mehr dafür. Er wisse, dass aus einem Vogelpark in Norddeutschland ein Pelikan immer wieder mal wegfliege. Früher wurde Vögeln die Spitze der Flügel abgeschnitten, um das zu verhindern, heute ist das Kupieren verboten. Wenn man das Wegfliegen unterbinden will, müssen also immer wieder die Federn verschnitten werden. Verpasst man das nach der Mauser, ist also ein Vogel schnell mal weg. Er identifiziert den Vogel als Rosapelikan im Jugendgefieder, denkt, dass er wenig älter als ein Jahr ist.

Pelikane in der Region gibt es sonst eigentlich nur im Tierpark Cottbus. 2022 ist dort beispielsweise ein Brillenpelikan geschlüpft. Brillenpelikane sind über Australien einschließlich Tasmanien bis nach Neuguinea verbreitet und werden in europäischen Tiergärten nur selten gehalten und gezüchtet. Der Cottbuser Tierpark ist mit 29 seit 2011 geschlüpften Brillenpelikanen einer der erfolgreichsten Brillenpelikanzüchter.
Michael HelbigPelikane sind nur selten beringt
Dass der Pelikan in Beeskow nicht beringt ist, bedeute gar nichts, so Wolff. Für größere Vögel gebe es oft gar keine passenden Ringe. Diese, also auch Pelikane, würden dann ähnlich wie Hund oder Katze gechippt. Wenn man den Vogel fange, könnte man das prüfen. Allerdings sei es schwer, so einen Vogel zu greifen. Nur auf einem eingezäunten Grundstück, wo der Vogel schwer ins Fliegen kommt, sei das mit einem großen Kescher möglich.
Aber eingefangen werden soll der Beeskower Pelikan auch gar nicht. Es sei ein Einzeltier. Er sehe keinerlei Gefahr, dass es dadurch zur Ansiedlung und Vermehrung einer invasiven Art komme, so Lutz Ittermann, Artenschutzbeauftragter im Kreisumweltamt. Wenn das Tier regelmäßig noch Futter bekomme, glaube er aber auch nicht, dass es Beeskow so schnell wieder verlassen werde.
Viel Futter für den Pelikan und gute Chancen
Auch Mario Wolff sieht gute Überlebenschancen für den Pelikan. „Bei den milden Wintertemperaturen und den zu erwartenden Frühjahrstemperaturen kommt diese Vogelart damit gut zu Recht. Nahrung, Futter ist in der Spree gut vorhanden. Auch bietet die Lausitz viele Fischteiche (Karpfenzucht). Der Futtertisch ist also gut gedeckt“, ist er überzeugt.
Pelikansichtungen in Deutschland in freier Wildbahn gibt es recht selten. Nur zwei der acht Arten sind in Europa zu Hause. Dabei handelt es sich um den Krauskopfpelikan, der in Südeuropa brütet, und den Rosapelikan, der unter anderem im Donaudelta beheimatet ist.
Im Januar 2023 war ein Rosapelikan etliche Tage am Main in Frankfurt gesichtet worden. Später konnte geklärt werden, dass der Vogel aus Mannheim stammte. Er war von selbst in den dortigen Luisenpark zurückgekehrt, wo sich die Pelikane eine Vogelinsel mit einer Gruppe Flamingos teilen. Vielleicht stammt ja auch der Beeskower Pelikan aus Mannheim und will hier heimisch werden.





