Landrat Rolf Lindemann wird in der kommenden Woche im Pullover in seinem Büro sitzen. Die Heizung hat er abgedreht. Gleichzeitig kündigt er an, dass er und seine Mitarbeiter künftig weniger mobil sein werden, weil man Benzin sparen müsse, Energie generell. Zwei Gründe nennt der Landrat dafür, die beide mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu tun haben. Dieser Krieg gefährde nicht nur die Versorgungssicherheit, so Lindemann. Es müsse jedem klar sein, dass man mit jedem Kubikmeter Gas, den man verbrauche, diesen Krieg mitfinanziere. Der Gasexport sei eine der wichtigsten Finanzierungsquellen Russlands.

Krisenstab von 2015 wieder reaktiviert

An die Öffentlichkeit hat sich Lindemann am Freitag aber zuerst aus einem anderen Grund gewandt. Seine Botschaft: Der Kreis Oder-Spree steht bereit, Menschen, die wegen des Krieges aus der Ukraine fliehen, aufzunehmen, unterzubringen und zu betreuen. Bereits am Tag zuvor habe man den Stab Flüchtlingsunterbringung aus dem Jahr 2015 reaktiviert. Dann habe es eine Abstimmung mit allen Bürgermeistern und Amtsdirektoren gegeben. Das Ergebnis: Kurzfristig könne man 300 Wohnungen zur Verfügung stellen. Sein besonderer Dank, so Lindemann, gelte dabei dem Eisenhüttenstädter Bürgermeister Frank Balzer. Völlig unkompliziert habe der 250 Wohnungen aus dem Bestand der städtischen Gesellschaft zugesagt. Weitere 50 Wohnungen stünden im westlichen Teil des Kreises bereit. Damit könne man die circa 1000 Menschen versorgen, mit denen man aktuell rechne. Die Zahl ergebe sich aus Angaben des Brandenburger Innenministeriums, das von 11.000 Geflüchteten ausgehe, die man in Brandenburg aufnehmen werde.

Aktuell wird geprüft, welches Mobiliar fehlt

Aktuell arbeite man daran, die Wohnungen zu möblieren. Dazu gebe es Gespräche mit Sozialverbänden und dem Katastrophenschutz. Eine Bestellung für Kühlschränke und Waschmaschinen habe man zudem bereits ausgelöst. Spendenaufrufe an die Bevölkerung schicke man noch nicht heraus. „Wir müssen erst sehen, was wir haben. Dann werden wir uns melden“, bittet der Landrat um Geduld.
Wie schnell Menschen aus der Ukraine nach Deutschland und in den Kreis kommen, wisse man noch nicht. „Aber wenn am Wochenende jemand bei uns steht, sind wir vorbereitet und können ihn unterbringen“, versichert Lindemann. Mitarbeiter des von Katja Kaiser geleiteten Amtes für Ausländerangelegenheiten und Integration würden deshalb auch am Wochenende im Dienst sein.

Wer helfen will, kann sich an die Botschaft wenden

Wer aber sofort Möglichkeiten sucht, den Menschen in der Ukraine zu helfen, der kann sich an die Botschaft in Berlin wenden. „Anrufen oder eine Mail schicken“, empfiehlt Rostyslav Voronko. Er saß beim Pressetermin an der Seite des Landrats. Seit Jahren lebt der Maler und Restaurator aus der Ukraine in Deutschland, hat im Kreis viele Kirchen restauriert und kümmert sich jetzt um die Bilder im Beeskower Kunstarchiv. Man merkt ihm an, dass er durch die Ereignisse unter Schock steht, fassungslos ist und nur schwer darüber sprechen kann. Zwei Sätze reichen, um deutlich zu machen, wie schlimm es steht: „Die Deutschen reden jetzt viel über die Versorgungsprobleme und die Energiepreise. Aber in der Ukraine sterben Menschen.“

Auf Datensicherheit achten

Rolf Lindemann ging zudem auf einen weiteren Aspekt des Krieges ein. Datensicherheit sei in der Verwaltung und für jeden Einzelnen ein noch wichtigeres Thema als bisher, mahnte er an. Cyberangriffe seien Teil von Destabilisierung und Desinformation. Dagegen müsse man gewappnet sein. Und man müsse Zeichen setzen. Eines dieser Zeichen der Solidarität und der zivilen Selbstbehauptung sei, dass man vor dem Landratsamt nicht nur die deutsche und die Europaflagge gehisst habe, sondern auch die Flagge der Ukraine. „Wir müssen zeigen, dass wir da sind“, sagt Rolf Lindemann.
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