Schloss Kossenblatt: Geschichte in Tauche – Denkmal öffnet Tor und Türen

Das Berliner Architektenpaar, Maren und Ingo Schürmann, erweckt nach jahrelangem Leerstand das Schloss in Kossenblatt, einem Ort in Tauche, zu neuem Leben.
Monika RassekEtwa vier Monate sind seit dem letzten Besuch in Kossenblatt vergangen und schon hat sich wieder vieles verändert, zum Guten, um es gleich vorwegzunehmen. Obwohl das Schloss Kossenblatt bei Theodor Fontane und seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nicht besonders gut weggekommen ist. Er schrieb damals: „Es ist ein imposantes Nichts, eine würdevolle Lehre, die Dimensionen eines Schlosses und die Nüchternheit einer Kaserne.“
Günter de Bruyn hingegen erzählt in seinem Buch „Kossenblatt: Das vergessene Königsschloss“ die ganze Geschichte des Schlosses – von seiner kurzen Blütezeit unter Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bis in die Gegenwart.
Dabei geht es auch um preußische Geschichte und die eigene brandenburgische Heimat. Darüber hinaus sei ‚Kossenblatt‘ eine sehr persönliche, gelassen-melancholische Betrachtung über das Leben im Abseits, über Tod und Vergessen und die Kraft der Erinnerung.
Gewölbedecken wieder sichtbar gemacht
Dabei wird das Schloss gerade wieder mit Leben gefüllt und bekommt Stück für Stück seinen Glanz zurück. Und es ist zu sehen, dass das Berliner Architektenpaar Maren und Ingo Schürmann, welches sich für die Eigentümerin, die SKO Projekt GmbH, um den Aufwachprozess kümmert, mit Leidenschaft bei der Sache ist.
Und sie haben es geschafft, können ihr Versprechen halten – am Sonntag, zum Tag des offenen Denkmals am 8. September, werden das Tor und die Türen nach jahrelangem Leerstand für interessierte Besucher geöffnet.
Sowohl der Außen- als auch der Innenbereich stehen Schlossliebhabern nach zur Besichtigung offen. „Es ist kaum vorstellbar, wie viel Tonnen Bauschutt und Metallschrott wir aus dem Gebäude geholt haben“, berichtet die Architektin. „Wir haben einige Zwischendecken entfernt, weil die Traglast für das Gebäude zu hoch war“, ergänzt Ingo Schürmann. Daher hätten sich auch die Risse in den Wänden gebildet.

Im Schloss Kossenblatt sind jetzt auch die Bewohner in Bildform zu erleben: Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus, der das Anwesen 1699 erwarb, die Fertigstellung 1712 jedoch nicht erlebte und die Witwe, Eleonore von Barfus, geborene von Dönhoff, die Bau vollenden ließ.
Monika RassekJetzt aber würden die alten Gewölbedecken wieder zusehen sein. Er zeigt das am Beispiel des Schlafgemachs von Ludwig XIV., der tatsächlich sitzend auf seinem Lilienthron zugegen ist – in Form eines großen Bildes an der Wand.
Altes Parkett hat Wellen geschlagen
„Das erleichtert die Zuordnung der Räume“, sagt er. So können die Besucher dann sehen, wer welche Zimmer bewohnt hat. Selbst der Rundgang ist bereits ausgeschildert und in jedem Raum gibt es Schilder mit Informationen.
Auch sollten Besucher darauf achten, dass es sich bei der Schlossbesichtigung um eine Baustelle handelt, die man betritt und die Böden nicht alle eben sind. „Wir haben die alte Heizung herausgerissen, weil diese nicht dicht war und das alte Parkett teilweise Wellen geschlagen hat“, erklärt Maren Schürmann. Der muffige Geruch ist inzwischen verschwunden.

In diesem Raum von Schloss Kossenblatt wurde die Zwischendecke entfernt und das Gewölbe wieder sichtbar gemacht.
Monika RassekIn einem Bad sind die Beiden sogar auf eine Fachwerkwand gestoßen. „Auf diese Weise wurde wahrscheinlich, in Ermangelung von Gipskartonplatten, die Raumaufteilung verändert“, scherzt der Architekt.
Spannende Reise in die Vergangenheit
Rückblickend erklärt er: „Vor einem Jahr waren wir noch im ungewiss, ob wir es schaffen. Aber jetzt wissen wir genau, wie viel Zeit, was braucht.“ Und es freut sie, dass Anwohner aus dem Ort auch beim Tag des offenen Denkmals unterstützen.
Eines jedenfalls ist den Beiden in der kurzen Zeit auf jeden Fall gelungen – Baustelle hin oder her –, für den Betrachter ist es eine Reise in die Vergangenheit und vielschichtige Nutzung des Gebäudes. Darüber hinaus vermitteln die Bilder der Persönlichkeiten den Eindruck vom Leben im Schloss.

Das Zimmer von König Friedrich Wilhelm I., der das Schloss Kossenblatt 1736 erwarb und es vornehmlich als Jagdschloss nutzte.
Monika RassekTag des offenen Denkmals
Schloss Kossenblatt, 15848 Tauche OT Kossenblatt, Lindenstraße 37, Zugang über das Gutsgelände, keine Zufahrt möglich, Parkplätze außerhalb nutzen
Führungen:
Freier Rundgang durch Schloss, Innenhof und Garten mit Kurz-Vortrag: 10 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr
Führung mit Eigentümer: 11 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr: Historische Führung mit Schloss-Eigentümer (60 Minuten, weitgehend ausgebucht)
Maulbeerbaumpflanzung: 17 Uhr (Treffpunkt: Schloss Kossenblatt)
Offene Kirche von 10 bis 17 Uhr
Anmeldung bis 4. September, Tel. 033768 969 0, Mail: np-dahme-heideseen@LfU.Brandenburg.de, Eintritt frei, Kauf von Kossenblatter Schloss-Stieleiche (5 Euro) und Fotopostkarten (2 Euro) möglich



