Schwan in Storkow
: Zwei Frauen wollen verletztem Tier helfen ‒ Rettung wird zur Odyssee

Edel, aber auch wehrhaft sind Schwäne. Doch was ist machbar, wenn ein Vogel Stärke zeigt, aber Hilfe braucht ‒ zwei Frauen in Storkow beweisen Courage.
Von
Monika Rassek
Storkow
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Ein junger Schwan, vermutlich aus dem letzten Jahr, verletzt sich am Bein und kann nicht mehr fliegen. Die Hilfe gestaltetet sich schwierig, auch in Sachen Zuständigkeit.

Ein junger Schwan, vermutlich aus dem letzten Jahr, verletzt sich am Bein und kann nicht mehr fliegen. Die Hilfe gestaltetet sich schwierig, auch in Sachen Zuständigkeit.

Andrea Münch

Die meisten Menschen kennen Schwäne als majestätische Wesen, die anmutig und nahezu lautlos über das Wasser gleiten. Auf dem Land bekommt man die Vögel hin und wieder auf den Feldern zu sehen, wo sie in großen Gruppen „weiden“. Und, mit großem Glück, legen sie dem Betrachter auch mal einen vollendeten Start aus dem Wasser hin – in dem sie sich mit weit ausholenden Schlägen ihrer kraftvollen Schwingen aus dem Wasser stemmen, mit schnellen Schritten auf dessen Oberfläche an Schnelligkeit gewinnen, um sich letztendlich geräuschvoll in die Luft zu erheben.

Wer so einen Start beobachtet, kann ansatzweise nachvollziehen, welche Kraft in ihren Flügen steckt. Der holländische Maler Jan Asselijin hat diese Wehrhaftigkeit in seinem Gemälde „Der bedrohte Schwan“ dargestellt. Sichtbar wird, wie ein Höckerschwan leicht zum Angreifer wird, wenn er sich oder seine Brut bedroht fühlt. 2002 war im Spiegel gar von einem 57-Jährigen in Wien zu lesen, der im Rahmen einer Attacke insgesamt sieben Knochenbrüche im Gesicht erlitt.

Schwan saß verletzt auf der Straße

Wie also fängt man einen Schwan, der sich verletzt hat? Diese Frage stellte sich auch für Andrea Münch aus Philadelphia. Doch dazu später. „Unser Nachbar hat einen Teich und jedes Jahr war ein Schwanenpaar da“, erinnert sich die Tierfreundin, die selbst eine Katze hält. Daher glaubt sie, dass es sich bei dem verletzten Schwan, den sie kürzlich bemerkte, um ein Jungtier vom Vorjahr handelt.

„Er saß dort auf der Straße“, sagt sie und zeigt auf eine Stelle nahe einem Zaun mit viel Bewuchs. „Er hat immer versucht zu fliegen, aber das Bein war verletzt.“ Wahrscheinlich sei das an dem defekten Maschendraht, der dort herumliegt, passiert. Sie hätte zum Telefon gegriffen und angerufen, zunächst die Tierarztpraxis in Storkow, die nicht helfen konnte.

„Dann das Tierheim in Fürstenwalde, das nicht zuständig ist, aber wo ich den Schwan hinbringen hätte können“, erzählt sie. Die Feuerwehr sei nicht zuständig, das Ordnungsamt auch nicht – hätte sich aber gekümmert und die Naturwacht in Prieros informiert, jemand wollte vorbeikommen. „Mit meiner Nachbarin habe ich Kaffee getrunken und gewartet.“

Andrea Münch hat Courage bewiesen und die Rettung des Schwans, der sich in Philadelphia, einem Stadtteil von Storkow, verletzt hatte, initiiert.

Andrea Münch hat Courage bewiesen und die Rettung des Schwans, der sich in Philadelphia, einem Stadtteil von Storkow, verletzt hatte, initiiert.

Monika Rassek

Kleintierklinik in Fürstenwalde hilft schnell

Es sei dann auch ein Mann gekommen, der sehr nett, jedoch ebenfalls mit der Situation überfordert gewesen sei. Man müsse wirklich die richtigen Ansprechpartner finden. Dann sei meine Nachbarin auf die Idee kommen, den Schwan doch zum Tierarzt zu fahren. Ein Anruf bei der Kleintierklinik Dr. Matzke in Fürstenwalde brachte endlich die Lösung. „Wir helfen gern“, wurde gesagt, aber der Schwan müsse gebracht werden.

Das Internet weiß alles, auch wie ein Schwan gefangen wird. „Wir haben eine Decke über den Schwan geworfen, ihm eine Socke über den Kopf gezogen und im Kofferraum zur Klink transportiert.“ Dort seien sie sehr nett und super hilfsbereit aufgenommen worden. „Die Mitarbeiter haben den Schwan geröntgt, verarztet und erstmal da behalten“, erzählt Andrea Münch. „Alles ehrenamtlich, ohne dass wir bezahlen mussten.“

Erfolgreich ausgewildert am Großen Schauener See

Am Abend des darauffolgenden Tages sei sie angerufen und gebeten worden, das Tier wieder abzuholen – mit dem Hinweis, es wieder da auszusetzen, wo es gefunden worden sei. Also seien sie, meine Nachbarin Marion und ich, am nächsten Tag zur Tierklinik nach Fürstenwalde gefahren und haben den Schwan abgeholt. „Er hat gestanden und auch gefressen.“

Ihre Nachbarin hätte ihr dabei schon leidgetan, denn der Schwan hätte sich im Kofferraum erleichtert. „Wahrscheinlich hat das Tier Angst gehabt“, vermutet die Tierretterin. Dafür sei die Auswilderung aber erfolgreich gewesen. „Er ist auf den Großen Schauener See hinaus geschwommen“, erinnert sie sich. Am Tag danach hätte sie ihn nicht mehr dort gesehen. „Ich hoffe das Beste für den Schwan.“

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