Tierheim Märkisch Buchholz: Frau von der Haas – Kaninchen wird zum Fall für die Polizei

Ausgesetzt direkt vor dem Tierheim Märkisch Buchholz: Zwergwidder-Dame „Frau von der Haas“ beschäftigt nun die Polizei.
Jens Olbrich- Kaninchen vor Tierheim Märkisch Buchholz ausgesetzt, Polizei ermittelt.
- Tierpflegerin Kelis Reichenbach sah Mann fliehen; Kiste enthielt Dominant-Kaninchen Frau von der Haas.
- Tierheim veröffentlichte Bilder auf Facebook; Aussetzen ist strafbar.
- Informationen auf Zettel: Kaninchen ein Jahr alt, Zwergwidder, dominant.
- Spendenkonto: IBAN DE81 1009 0000 7213 9490 09, Berliner Volksbank.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Geschichte, wie Frau von der Haas ins Tierheim Märkisch Buchholz kam, klingt fast wie aus dem Drehbuch für einen Spreewaldkrimi kopiert. Ein Auto fährt langsam auf den Parkplatz vor dem Tor des Tierheims, die Räder knirschen leise, der Motor ist kaum zu hören. Fast lautlos öffnet ein Mann die Tür des Wagens, steigt aus und sieht sich kurz um. Büsche und Bäume sowie die Schatten des umliegenden Waldes verhindern die Fernsicht. Offenbar zunächst dennoch beruhigt, öffnet der Mann den Kofferraum und holt eine Kiste daraus hervor.
Szenenwechsel, die Kamera zeigt jetzt den Hauseingang des Tierheims. Kelis Reichenbach, Tierpflegerin in Märkisch Buchholz, hat Mittagspause. An jenem Dienstag, dem 22. April, ist es warm und die Sonne scheint. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen genießt die Tierpflegerin daher die frische Luft, sitzt zusammen mit ihnen auf den Stufen vor dem Hauseingang. Das Auto hören sie alle, sehen auch einen Mann mit einer Art Kiste vor dem Tor. Ohne zunächst Böses zu vermuten, einen Verdacht zu hegen.
Kaninchen ausgesetzt – Mann flüchtet vor Tierpflegerin
„In dem Moment bin ich schon losgelaufen“, erinnert sich die Tierpflegerin. Ihre Erinnerungen sind noch frisch, das Geschehen liegt nur wenige Tage zurück. Sie sah den Mann stehen, sah, wie er erschrak, als er sie näherkommen sah. Dann sei alles schnell gegangen. Der Mann stellte die Kiste auf den Boden, stieg schnell ins Auto und fuhr davon. „Der hat wirklich nur kurz geguckt, die Kiste abgestellt, ist zack ins Auto gesprungen und war weg, da war ich noch nicht mal ganz vorne“, berichtet Kelis Reichenbach.
Sie sei gerade dabei gewesen, sich das Nummernschild zu merken, eins aus der Umgebung, da riefen die Kollegen schon und fragten, ob etwas in der Kiste sei, erzählt Kelis Reichenbach weiter. „Natürlich war etwas in der Kiste.“ Die Tierpflegerin ist immer noch fassungslos. „Der hätte auch mit uns reden können. Da findet sich doch immer ein Weg“, meint sie. So sei es allerdings eine Ordnungswidrigkeit, möglicherweise eine Straftat. Die Anzeige sei an die Polizei gegangen.
Ein Tierheim ist keine anonyme Babyklappe für ungewollte Tiere
Auch direkt vor dem Tierheim ausgesetzte Tiere fallen unter die entsprechenden Rechtsvorschriften, denn ein Tierheim sollte nicht mit einer sogenannten „Babyklappe“ für nicht mehr gewollte Tiere zu verwechselt werden. Eine anonyme Abgabe durch Aussetzen vor dem Tor ist nicht straffrei möglich.
Neben der Anzeige veröffentlichte das Tierheim Märkisch Buchholz Bilder der ihm nicht so ganz rechtskonform untergeschobene Frau von der Haas über den hauseigenen Facebook-Channel. „Es gab einige Kommentare wie besser vor dem Tierheim ausgesetzt als mitten im Wald“, berichtet Kelis Reichenbach. Klar sei das einerseits richtig. Im Wald seien die Tiere definitiv zum Tode verurteilt. Andererseits fänden sich immer bessere Lösungen, als ein Tier einfach nur so abzustellen.

Zwergwidder-Kaninchen „Frau von der Haas“ soll sehr dominant sein. Im Tierheim wurde es noch nicht getestet. Eine Vergesellschaftung soll jedoch möglich sein.
Jens OlbrichSo wisse man halt nicht viel über das Tier, sagt die Tierpflegerin bedauernd. „Wir wissen nicht, wie Frau von der Haas gehalten wurde, wissen nicht, was sie zu fressen gekriegt hat, ob sie geimpft oder krank ist, vielleicht Medikamente braucht.“ Die wenigen Informationen, die das Tierheim über das weibliche Kaninchen in der Kiste hat, standen auf dem Zettel auf der Kiste, die der Mann hinterließ. „Der Mann hatte den quasi oben auf die Transportkiste draufgeklebt“, erklärt Kelis Reichenbach.
Ein Zettel verrät, dass Frau von der Haas sehr dominant ist
Auf dem Zettel sei das Wenige notiert gewesen, was man nun über das Kaninchen wüsste, erzählt Tierpflegerin Reichenbach. Eben dass es ein Jahr alt und weiblich sei, Frau von der Haas heißen würde und der Rasse Zwergwidder angehöre. Für die Wohnungshaltung sei die Häsin zu aktiv und daher nur für die Außenhaltung geeignet, in der Gruppe sei sie sehr dominant. „Der Typ hat richtig aufgeschrieben, was das Kaninchen alles bräuchte und was wir für ein neues Zuhause für das Tier suchen sollen“, stellt Kelis Reichenbach kopfschüttelnd fest.
Spendenkonto Tierheim Märkisch Buchholz
IBAN: DE81 1009 0000 7213 9490 09
Berliner Volksbank
Interessenten an Frau von der Haas oder einem anderen Tier finden die bedürftigen Fellnasen im Tierheim Märkisch Buchholz
● Am Tierheim 1, 15757 Halbe, Tel. 033765 80689, E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de
Dass Frau von der Haas‘ dominantes Verhalten einer erfolgreichen Vermittlung in die Quere kommen könnte, bezweifelt Kelis Reichenbach. „Auf dem Zettel stand ja nur, sie ist dominant in der Gruppe“, meint sie. Sie beanspruche für sich also einen hohen Rang. Das heiße nicht, dass die Häsin generell unverträglich mit Artgenossen und schlecht zu vergesellschaften sei. Immerhin teilt sich Frau von der Haas eine Vorliebe mit vermutlich allen anderen „Stallhasen“ – sie frisst am liebsten Löwenzahn.



