Tierheim Märkisch Buchholz: Hund Kylie – vernachlässigt und ohne Futter aufgefunden

Schäferhund-Mix-Hund Kylie beweist ihrer Tierpflegerin Nancy Seifert gern, dass sie keine Höhenangst hat. Die Brücke des Parcours ist für sie ein Spaziergang.
Jens OlbrichWas tut man als halbwegs intelligente Hundedame, wenn man hungrig und gelangweilt die Zeit totschlagen muss? Man beschäftigt sich in Eigeninitiative frei nach dem Motto: ‚Selbst ist die Hündin.‘ Angesichts des löchrigen Zauns um ‚Herrchens‘ Hof musste Kylie, wie sie jetzt im Tierheim Märkisch Buchholz genannt wird, nicht einmal ihre hervorragenden Kletterkünste strapazieren. Zu dumm war nur, dass die vor dem Hof auf der Straße angepöbelten Zweibeiner ihre laut gebellten Kontaktversuche nicht als solche erkannten, sondern sich terrorisiert fühlten, sich aus Angst beim Ordnungsamt beschwerten.
Aus Sicht der Zweibeiner waren sowohl Angst als auch Beschwerde allerdings verständlich. Schon einmal deshalb, weil Kylie ihre gebellten Pöbeleien, laut Tierpflegerin Manuela Budich, in Begleitung ihres stattlichen, die Gene des vermuteten Doggen-Papas verratenden Sohnes Caruso vortrug. Zum anderen, so attraktiv wie die kerngesunde Schäferhund-Mix-Hündin auch anzusehen ist, wenn sie mit ihren schönen, braunen Augen ‚klimpert‘, so respektabel sind auch ihre weißen Zähne.

Vier Jahre alt und kerngesund – Schäferhund-Mix-Hündin Kylie hat gute Zähne und zeigt sie auch, allerdings nur beim Kuscheln.
Jens OlbrichSchäferhund-Mix-Hündin Kylie liebt Menschen und kuschelt gern
Trotz des aggressiv anmutenden Verhaltens liefen Kylie und Caruso dann jedoch friedlich auf die vom Ordnungsamt bestellten Tierpfleger rund um Manuela Budich zu und begrüßten sie. Die Antwort der Hunde auf Budichs Frage: „Wer seid ihr denn?“, übersetzt die Tierpflegerin dann auch gleich menschenverständlich mit den Worten: „Hallo! Menschen sind toll!“ Dass Kylie die Leine bereits kannte, merkte sie sofort. Caruso war sie offenbar unbekannt. Trotzdem hätten sich beide Tiere mühelos in den ‚Hundefänger‘ des Tierheims abführen lassen.
Halter war überfordert – Hof, Stall und Scheune wurden von den Hunden 'bewirtschaftet'
Der Halter der Hunde, ein älterer Mann, war offenbar überfordert und nicht in der Lage, die Auflagen für eine sichere Haltung zu gewährleisten, hatte die Tiere dem Ordnungsamt übereignet. Zwei weitere Söhne Kylies, Domingo und Stanley, galt es noch sicherzustellen. Auch das gelang Manuela Budich zufolge ganz gut, zum Teil mit Überredungskünsten, zum Teil mittels Bestechung mit ‚Hundekeksen‘. Auf dem Hof selbst sah es ihrer Auskunft zufolge wenig einladend aus.
„Sehr verwinkelt, der Zaun löchrig. Für die Hunde eine Leichtigkeit, auszubrechen“, erinnert sie sich. Die Überreste der Hühner, die den Hof einst bevölkerten, hätten sie dann auch gefunden. Sie waren der Langeweile und dem Hunger der Hunde, die sich mangels Futtergabe selbst hatten versorgen müssen, zum Opfer gefallen, der Stall demzufolge leer. In der Scheune hätten die Hunde ihre Notdurft verrichtet. Manuela Budich rümpft die Nase, als läge der Gestank immer noch in der Luft.
Kontakt Tierheim Märkisch Buchholz:
● Am Tierheim 1, 15757 Halbe
● Tel.: 033765 80689
● E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de
Hündin Kylie – eine einfallsreiche Fluchtexpertin zeigt ihre Kletterkünste
Im Tierheim angekommen, berichtet Manuela Budich, offenbarte Kylie dann, dass sie nicht nur gelernt hatte, für sich selbst zu sorgen, sondern dass sie eine Fluchtexpertin war, eine wahre Kletterkünstlerin. Aus mehreren Ausläufen sei sie ausgebrochen, hätte sie und ihre Kollegin Nancy Seifert eines Morgens sogar vom Dach des Tierheims aus begrüßt. Über der Tür des Auslaufs hätten sie dann einen Spalt entdeckt. „Da hat sie sich hochgezogen, hat sich dann weiter über die Ecke auf den Zwinger ihrer Erbfeindin gezogen, ist dann irgendwie über das Gitter rüber. Dann hatte sie freien Zugang über die Dächer.“
Tierheim Märkisch Buchholz – bei Kylies Vermittlung ist einiges zu beachten
Klettern und das Verhältnis zu anderen Hunden sind zwei Aspekte, die es bei Kylies Vermittlung zu beachten gäbe, erklärt Tierpflegerin Budich. „Wenn der Garten nicht ausbruchsicher ist wie Fort Knox, müsste Kylie idealerweise in eine Wohnung vermitteln werden.“ Hinzu käme ihre eingefleischte Unverträglichkeit mit Artgenossen sowie ihr auf Erfahrungen beruhender Jagdtrieb, der sie auf dem entvölkerten Hühnerhof am Leben erhielt. „Englischer Rasen sollte auch nicht vorhanden sein“, ergänzt sie, denn buddeln würde Kylie auch gern.

Nach der ersten Aufregung über die Freiheit außerhalb des umzäunten Auslaufs kann Kylie auch einmal neben Nancy Seifert stillstehen. Aber nicht lange!
Jens OlbrichWie agil die vierjährige Kylie ist, zeigt sie dann beim Fototermin. Nancy Seifert hat sichtlich zu tun, die ‚ausgeruhte‘ Hündin an der Leine zu führen. Kylie schnüffelt hier, markiert da, zieht nach erst auf die eine, dann auf die andere Seite, wickelt sich letztendlich sogar mit der Hundeleine um einen Baumstamm. Erst etliche Meter weiter und Minuten später lässt sie sich, natürlich wieder mit ‚Hundekeksen‘ und zusätzlich mit den stets willkommenen Streicheleinheiten bestochen, soweit beruhigen, dass nicht nur ihr Hinterteil auf den Bildern zu sehen ist.

