Tierheim Märkisch Buchholz: Polizei nimmt Hund Lissy in Gewahrsam – das ist der Grund

Nachdem Lissy von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde, ging es weiter ins Tierheim Märkisch Buchholz. Tierpfleger suchen jetzt ein liebevolles Zuhause für die Hündin.
Jens OlbrichAls Mitarbeiter des Tierheims Märkisch Buchholz Lissy aus „dem Gewahrsam“ der Polizeistation Königs Wusterhausen abholen, ist das eine Befreiung in mehrfacher Hinsicht. Tierpfleger wie Landtierärztin Romy Lehmann sind erschüttert, wie viele Zecken die American Akita Hündin auf ihrer Flucht „aufgelesen“ hat. Gut 30 dieser blutsaugenden Spinnentiere sammeln sie ihren Angaben zufolge ab und versorgen Lissy anschließend fürsorglich mit einem wirksamen Zeckenschutzmittel.
Die eigentliche Rettung lässt nicht lange auf sich warten. Verursacht durch den Zeckenbefall bahnt sich eine tödliche Notlage an, Lissy bekommt Fieber, trinkt und uriniert viel, hat blutigen Ausfluss. Eine vermutete Gebärmutterentzündung bestätigt sich Romy Lehmann zufolge nicht. Der Ultraschall in der Praxis einer Kollegin, bei Tierärztin Fabienne Gutschwager, ist in dieser Hinsicht unauffällig.
Hund in Not: Lissy in Lebensgefahr
Das Blutbild hingegen sei nach Auskunft der Landtierärztin alarmierend gewesen, die Anzahl der roten Blutplättchen viel zu gering. Behandelt worden sei Lissy daher zusätzlich zu einem Mittel gegen Babesiose, auch Hundemalaria genannt, mit Antibiotika sowie einem weiteren Zeckenschutzmittel. Letzteres sei nötig gewesen, da im dichten Fell der Hündin noch weitere Zecken gefunden wurden, welche zum Teil sogar noch lebten. Die abschließende Diagnose sei Anaplasmose gewesen, die, ähnlich wie Babesiose, von den Spinnentieren übertragen wird.
Inzwischen sei Lissy wieder gesund, erklärt Tierpflegerin Sara-Marie Hellwig und ergänzt: „Sie ist topfit. Ein sehr liebes Mädchen, aufgedreht und verspielt.“ Das ist auch laut Landtierärztin so. Die Blutwerte der Hündin seien wieder in Ordnung, erklärt sie. Die American Akita Hündin hatte Glück, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sei, um behandelt zu werden.

Tierpflegerin Sara-Marie Hellwig gehört inzwischen zu Lissys vertrauten Personen.
Jens OlbrichHund Lissy ist ein American Akita – keine Rasse für Anfänger
Die Rasse sei eine amerikanische Nebenlinie der japanischen Akita Inu erklärt Tierpflegerin Hellwig und nennt, befragt nach dieser Hunderasse, sofort den Film „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ mit Richard Gere, in dem ein Akita die heimliche Hauptrolle spielt. Das Verhalten der Rasse allgemein beschreibt sie folgendermaßen: „Die sind sich vom Verhalten recht ähnlich. Also sehr eigen und selbstbewusst, intelligent, wissen, was sie wollen.“ Damit entspricht Sara-Marie Hellwigs Beschreibung den Informationen, die man auf verschiedenen Seiten im Internet über American Akita findet und wo man auch lesen kann, dass das eine Rasse für im Umgang mit Hunden erfahrene Leute sei.
Genau das könnte auch der Grund dafür gewesen, dass Lissy ihrem ehemaligen Besitzer entlief. Eine Vermutung, wie auch die, dass er einfach die Tür aufließ. Nachdem Lissy aufgegriffen und in der Polizeistation Königs Wusterhausen abgegeben worden sei, hätte er sie jedenfalls nicht zurückhaben wollen. Anzeichen der Misshandlung hätte es nicht gegeben, Lissys Ängstlichkeit und Unsicherheit Menschen gegenüber, auch der Schreckmoment, wenn etwa unvorbereitet eine Hand neben ihr erhoben wird, gäben jedoch zu bedenken.
Im Tierheim Märkisch Buchholz „taut“ Hund Lissy auf
Nachdem die zirka zwei Jahre alte und 40 Kilogramm schwere Lissy erst einmal Vertrauen zu den Menschen um sie herum aufgebaut und sich an sie gewöhnt hätte, sei sie zugänglicher geworden. „Lissy wurde halt immer offener, immer verspielter, immer frecher“, erzählt die Tierpflegerin und bringt die Hündin für Fotos in den großen Freilauf. Lissy genießt es sichtlich, mehr Platz zu haben, laufen zu können.
Kontakt Tierheim Märkisch Buchholz
Am Tierheim 1, 15757 Halbe, Tel.: 033765 80689, E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de
American Akita – der etwas andere Hund
„Viel Auslauf und eine besonnene Erziehung, dann wird sie eine wundervolle Gefährtin“, erklärt Sara-Marie Hellwig dann auch und besticht Lissy mit im Tierheim „Hundekekse“ genannten Kaustangen dafür, für die Fotos zu posieren. Dabei wird sofort ersichtlich, dass ein American Akita wie Lissy an derartige Bestechungsversuche etwas anders herangeht, als eine domestizierte Hunderasse aus Europa: Anstatt die „Hundekekse“ gierig zu verschlingen, spielt sie damit, wirft sie in die Luft und stürzt sich, ihren Jagdtrieb demonstrierend, wieder auf das Leckerli.



